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Saftmanufaktur Perger Perger: Hauptsache keiner redet rein

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Doch der Handel blockte ihn ab, man wollte Pergers Bionaden nur gegen Bares listen. Doch Perger ließ nicht locker: Er gründete kurzerhand einen Ökogetränkegroßhandel. Ein Vehikel, auf das er heute nicht mehr angewiesen ist, so dass er den Großhandel im Herbst 2008 verkaufte. Seine Hartnäckigkeit hat sich gelohnt: Mittlerweile experimentieren erste Kochschulen und Spitzenköche mit seinen Produkten, führen zwei Dutzend Toprestaurants Perger-Säfte auf ihrer Getränkekarte. Beliefert von Pachmayer - "dem Münchener Platzhirsch für Gastro-Getränkebelieferung", wie Perger stolz erklärt, während drei neue Außendienstmitarbeiter die Märkte Berlin, Hamburg und das Rhein-Main-Gebiet erschließen.

"Apfelsaft werden wir nicht nach Berlin karren, aber unsere Spezialitäten - Sirupe, Limonaden oder die neuen Lukullus-Säfte schon", stellt sich Perger vor. Die fünf Weinsaftkreationen sind Pergers ganzer Stolz, schließlich war der Weg dorthin steinig. Auf die Idee kam er bei der Feier seines zehnten Hochzeitstags - doch bis zur Marktreife sollte es noch sechs Jahre dauern: "Ich habe viele Fruchtaromen probiert, sinnierte in der Badewanne oder sonntags im Bett darüber", erinnert sich Perger. Ob die Säfte auch dem Gaumen der Masse gefielen, fand Perger bei einem Krimifestival heraus, wo der gesponserte und als "Leichenblutsaft" titulierte Burgundersaft großen Anklang fand. Letzte Bedenken räumte ein Feldversuch aus, als Perger den Weinsaft an seine 600 Kunden zu Weihnachten versandte - die Lukullus-Säfte konnten in Serie gehen.

Heute entfallen 30 Prozent von Pergers Umsatz auf die Spezialitäten, 70 Prozent auf die Säfte. Das sind 30 Prozent vom Marktanteil in Münchener Naturkostläden und deutschlandweit etwa vier Prozent. Dafür verarbeitet der bayerische Safthersteller 1 200 Tonnen Früchte im Jahr. 600 Tonnen Äpfel, Holunder und schwarze Johannisbeeren stammen von den eigenen 50 Hektar Fläche, den Rest kauft er zu, zum Beispiel Kirschen aus Freiburg, Zitronen, Mandarinen und Blutorangen aus Sizilien, Mango aus Peru oder Ananas aus Ghana. Jahrelange Beziehungen verbinden ihn mit seinen Lieferanten: "Das hat den Vorteil, dass ich weiß, welche Ware ich bekomme. Beim Feinjustieren kann ich dann das Optimum herausholen, indem ich gezielt süßeren oder herberen Saft aus bestimmten Regionen einkaufe", erklärt Perger. Schließlich ist Qualität das A und O seines Handwerks. Und die wird ihm inzwischen auch bescheinigt: "Mit qualitativ hochwertigen Biosäften, Biolimonaden und Biosirupen bedient Perger eine Nische und besitzt im Vergleich zu Mitbewerbern wie Voelkel oder Beutelsbacher statt einer breiten eine tiefe, stark innovative Produktpalette", bestätigt Bioexperte und Berater der Kölnmesse Erich Margrander.

Und damit die Früchte bestens verarbeitet werden und den Erntehelfern sowie Saisonarbeitern nicht die Puste ausgeht, wird täglich für sie gekocht. Ein Erbe aus den Gutshofzeiten seiner Großeltern, das Perger-Spross Johannes fortführt. Ab 12.30 Uhr essen bis zu 20 Personen mit der Unternehmerfamilie in der großen Küche des Wohnhauses zu Mittag. Bekocht von Ehefrau Paula von Perger oder einer Köchin aus dem Ort.

Aber auch Firmenchef Perger nutzt die Küche, um neue Geschmackskreationen auszuhecken. Me-too-Produkte und mittelmäßige Ideen, die lehnt er strikt ab. Perger: "Ich bin heute strategischer, nicht mehr so verrückt und draufgängerisch wie früher." So wie damals, als er als Jugendlicher mit dem Motorrad nach Italien fuhr - oder als Juniorchef schnell die eine oder andere Idee auf den Markt brachte.

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