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Saftmanufaktur Perger Perger: Hauptsache keiner redet rein

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Ähnlich kühn wie sein Urururgroßvater, der vor über 200 Jahren einen Krieg mit Serbien verhindert hat und dafür vom österreichischen Kaiser Titel und Wappen verliehen bekam. Perger junior ist bedachter geworden, da er gelernt hat, dass übereilte Projekte unnötig Geld kosten. Bevor er heute eine Innovation umsetzt, diskutiert er sie mit Zulieferern, Händlern, Kunden, Hofbesuchern und seiner Familie.

Nur mit einem nicht: mit Bankern. Von denen will er nämlich "total unabhängig sein und sich auf gar keinen Fall reinquatschen lassen". Und als er vor zwei Jahren Geld brauchte, um die Abfüllanlage zu modernisieren und zu optimieren, verfiel er auf eine ungewöhnliche Idee. Er legte für 190 000 Euro eigene Genussscheine auf. Und das organisierte er so: Er ließ Prospekte drucken und legte sie aus in den Geschäften, in denen er seine Säfte verkauft, und im eignen Hofladen. Darin informierte er interessierte Saftkunden über die Anlagemöglichkeit. Interessenten, die sich daraufhin bei ihm meldeten, erhielten Infomaterial. Obendrein hielt er am Ammersee eine Informationsveranstaltung ab - zusammen mit einem Rechtsanwalt, der das Projekt betreut.

Nach der Veranstaltung zeichneten fünf Leute. Der Rest der insgesamt 20 Genussscheine - die Minimum-Tranche war 10 000 Euro - fand seine Käufer über Mundpropaganda. Das Kapital liegt sieben Jahre bei der Saftmanufaktur fest, danach erhalten die Anleger ihre 10 000 Euro wieder zurück. Die jährlichen Zinsen belaufen sich auf vier Prozent Grundverzinsung - die ist garantiert und wird den Investoren jeweils zum Jahresende überwiesen - plus einer Bonusverzinsung von weiteren vier Prozent, wenn nach Abzug des Unternehmerlohns Gewinn übrig bleibt. Kauft ein Investor mit diesem Geld aus den Zinsen nun in einem der Naturkostläden, die Pergersäfte im Programm haben, ein, bekommt er dann noch mal 20 Prozent Rabatt auf seinen Einkauf. Perger schwärmt: "Dieses Modell gibt Sicherheit und ein gutes Gefühl." Und dass er in einer Notsituation diese Investoren - darunter sind Geschäftsführer anderer Unternehmen wie auch Manager - auch mal schnell um Unterstützung bitten könne. Und dass diese nicht immer finanzieller Natur sein muss: "Es ist ja auch hilfreich, wenn jemand eine Aufgabe übernehmen, sich um etwas kümmern kann", so der Saftprofi. Wer seine Ideen und die Tradition des Saftkelterns fortsetzen wird, darüber zerbricht sich der Vater von vier Kindern noch nicht den Kopf. Sicher wäre sein Ältester, der 15-jährige Lukas, ein Typ wie er: "Ein Werkler, der die Maschinen liebt, maximalen Speed fährt und nach der Schule so viel Schlepperstunden ableistet wie der Lehrling", charakterisiert ihn der Vater. Und er würdigt im gleichen Atemzug die Vorzüge seiner Tochter Magdalena und der anderen Buben, Jakob und Benjamin. Er kann sich vorstellen, dass vielleicht zwei seiner Kinder die Firma eines Tages als Team leiten. Greift er doch selbst gerne auf die Talente seiner Schwester Mechthild zurück, die als Kirchenmalerin die Etiketten für seine Saftflaschen entwirft. Selbst der Vater Maximilian arbeitet noch im Familienbetrieb mit: So errechnete der 86-jährige Tüftler, ob beim Einbau der neuen Abfüllanlage die Wärmeproduktion der alten Heizkessel ausreicht. Schließlich soll die Expansion auf stabilem Fundament stehen.

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