Schließsysteme Das Erfolgsrezept der stillen Schlossmacher

Velbert gilt als Zentrum der Schlossproduktion. Mit dem Familienunternehmen CES sitzt dort auch ein "Hidden Champion" des Mittelstands, der mit zweistelliger Umsatzrendite glänzt. Trotz Sorge um die Baukonjunktur ist auch für dieses Jahr ein leichtes Wachstum geplant.
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Einzige Sorge des Unternehmens: Die Baukonjunktur, von der auch die Schlösserproduktion abhängt. Quelle: ap

Einzige Sorge des Unternehmens: Die Baukonjunktur, von der auch die Schlösserproduktion abhängt.

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VELBERT. Der Burj Khalifa in Dubai, das höchste Bauwerk der Welt, Schalkes Veltins Arena in Gelsenkirchen, der Reichstag und das Bundeskanzleramt haben etwas gemeinsam: die Schließsysteme der Firma C. Ed. Schulte (CES) aus Velbert. Das 170 Jahre alte Familienunternehmen ist einer der "Hidden Champions" des deutschen Mittelstands, also einer der unauffälligen Marktführer. Denn nicht viele Unternehmen erwirtschaften eine zweistellige Umsatzrendite, und das mit der Herstellung von Schließzylindern.

Wer CES in Velbert sucht, der muss aber ganz genau hinschauen. Kein Schild weist den Weg in die Friedrichstraße. Drei Pforten sind zwar geöffnet, doch der Haupteingang des Firmengebäudes muss ausgekundschaftet werden und ist nur über den Hof erreichbar. "Wir bauen gerade um", entschuldigt sich Eckhart Leptien, Geschäftsführer der Zylinderschlossfabrik. Neue Werksräume entstehen, die die Fertigung der elektronischen Schließsysteme aufnehmen sollen, eines stark wachsenden Geschäfts. Dabei wird Wert auf alte Bausubstanz gelegt, die Fassade des alten Fabrikgebäudes behutsam renoviert.

Was meist nur Heimatkundler wissen: Velbert ist ein Zentrum der deutschen Schlossproduktion. Vor 400 Jahren ging es hier los, als Zubrot kleinbäuerlicher Handwerker. Einer der Schlossmacher-Familien entstammt Heinrich Schulte, der 1840 ein Unternehmen gründete. Sein 19-jähriger Sohn Carl Eduard übernahm die Schlosserei 1857, wurde zum Namenspatron und führte sie ins Industriezeitalter.

Heute steht aber mit Leptien bei CES ein familienfremder Manager an der Spitze. Die 35 Familiengesellschafter treffen sich einmal jährlich beim Spitzengastronom Stemberg in der Nachbarschaft anlässlich der Gesellschafterversammlung. Die Familie hat sich aus dem operativen Geschäft längst zurückgezogen. Im dreiköpfigen Beirat sitzen allerdings mit Professor Hans-Georg Schnürch, Chefarzt der Frauenklinik am Lukaskrankenhaus in Neuss, und Eckhard Schulte die Vertreter der beiden größten Familienstämme. Einige aus der Familie wohnen noch in der Region - und kommen gelegentlich vorbei, erzählt Leptien. Da werde dann auch schon einmal beanstandet, dass der Hof nicht ordentlich aufgeräumt sei.

In die Geschäfte mische sich die Familie nicht ein, sagt er. Bei einer stabilen Dividende von 15 Prozent auf das gezeichnete Kapital wohl auch kein Wunder. Gedanken an einen Börsengang verschwendet man hier nicht. Mit einer Eigenkapitalquote von 70 Prozent fällt dies wohl auch leicht. "Unsere jährlichen Investitionen von 2,5 bis drei Mio. Euro finanzieren wir aus dem Cash-Flow", betont Leptien. Die Umsatzrendite vor Steuern bezifferte er auf rund zehn Prozent bei einem Umsatz, der um die 40 Mio. Euro schwankt. Beschäftigt werden 450 Mitarbeiter, davon rund 400 in Deutschland. Neben der Tradition spielt bei der Standortentscheidung vor allem die Marktnähe, also die Voraussetzung für kurze Lieferzeiten, eine Rolle. CES hat nur eine Werkbank im Billiglohnland Rumänien.

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