Schweizer Start-up On Running „Wir wollen keine Kunden mit Unterhosen gewinnen“

Auf der Suche nach dem perfekten Laufgefühl: mit dieser Idee erobert das Schweizer Start-up On die globale Laufszene und hängt einige Rivalen im Milliardengeschäft ab. Jetzt bringen die Gründer Bekleidung auf den Markt.
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Ex-Spitzenläufer Olivier Bernhard (m) sowie seine Freunde David Allemann (l) und Caspar Coppetti verbindet nicht nur die Freude am Laufsport, sondern auch das Streben nach einem perfekten Produkt. Quelle: Gerry Nitsch für Handelsblatt
Das Gründer-Team von On Running

Ex-Spitzenläufer Olivier Bernhard (m) sowie seine Freunde David Allemann (l) und Caspar Coppetti verbindet nicht nur die Freude am Laufsport, sondern auch das Streben nach einem perfekten Produkt.

(Foto: Gerry Nitsch für Handelsblatt)

Die drei Freunde Olivier Bernhard, David Allemann und Casper Coppetti wollen mit ihrer Idee, die Sportler schneller machen soll, von der Schweiz aus den Laufschuhmarkt revolutionieren. Vor sieben Jahren gründen sie in Zürich die Firma On Running und bringen einen Schuh auf den Markt, der eine Sohle aus zerschnittenen Gartenschläuchen hat. Dabei herrscht an Laufschuhen nicht gerade ein Mangel. Doch in diesem Milliardengeschäft erringt die junge Züricher Marke in kürzester Zeit eine respektable Position. Mit CEO Olivier Bernhard und David Allemann sprechen wir darüber, wie alles begann - und wie sie den großen Marken weiter Anteile abknöpfen wollen.

Wie kommt man auf die Idee, einen Gartenschlauch zu zerschnibbeln und ihn unter einen Laufschuh zu kleben?
Olivier Bernhard: Erstmal habe ich gar nicht daran gedacht, einen Laufschuh zu entwickeln. Ich habe damals mit extremen Schmerzen in der Achillessehne gekämpft und meine Entzündungen nie richtig in den Griff bekommen. Aber schon nach den ersten Versuchen mit dem Prototypen waren meine Probleme innerhalb weniger Wochen komplett verschwunden.

Wie erklären Sie sich das?

Olivier: Das ist so ähnlich wie beim Tennisspielen. Auf Hardcourt-Plätzen, also auf Zement oder Asphalt, bekomme ich ziemlich schnell Knieprobleme. Wenn ich auf Sandplätzen spiele, habe ich keine Probleme, denn ich habe dort die Möglichkeit, in das Abbremsen hinein zu gleiten. Ich lande weich und kann mich im selben Augenblick wieder, wie auf einer Rennbahn, hart abstoßen. Dieses Prinzip wollte ich zusammen mit einem Schweizer Ingenieur in den Laufschuh bringen. Er hatte die erste Idee. Dann haben wir vier Jahre lang getüftelt. Das war schon Ende 2005, im letzten Jahr meiner aktiven Karriere als Profi-Triathlet.

Nun kann ein Laufschuh alleine aber keinen schlechten Laufstil korrigieren, oder?
Olivier: Nein, die Probleme gehen auch nicht von heute auf morgen weg. Vor allem dann nicht, wenn man ineffizient und ungesund läuft. Aber es verändert sich etwas im Körper durch unsere Schuhe, denn in dem Moment, wo Instabilität herrscht, muss der Läufer mit winzig kleinen Muskelfasern reagieren und eine starke Tiefenmuskulatur ist essentiell für eine gesunde Körperhaltung.

Mir kommt gerade ein Gedanke: Wenn Ihre Schuhe so gesund sind, warum arbeiten Sie nicht mit Ärzten und Krankenkassen zusammen? Dann könnten sich Patienten diese doch einfach verschreiben lassen!
Olivier: Oh ja, die Gefahr besteht, dass wir als Medizin-Schuhe abgestempelt werden, aber das wollen wir natürlich nicht. Gerade das Cloud-Modell hat bestimmt das Potential, das habe ich ja an mir selbst als erstes gesehen, aber uns geht es ums Laufgefühl und wir wollen alle Läufer erreichen.

Das Büro, das E-Mails und Nerven spart
Der Eingangsbereich
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Wer das On-Hauptquartier in Zürich besucht, kommt aus dem Aufzug raus direkt in die Kreativzone der Schweizer Turnschuh-Tüftler. Kein Flur, kein Empfang, keine Sekretärin. Statt dessen eine ruhige, arbeitssame Atmosphäre mit vielen jungen Menschen. Übrigens: neben dem Aufzug gibt es auch eine Treppe, über die man etwas sportlicher über die zwei Etagen hoch zu On kommen kann.

Zeig her deine Schuhe
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Natürlich ist im Hauptquartier die gesamte Produktpalette des Start-ups ausgestellt, das vor sieben Jahren gegründet wurde. Schuhe, so weit das Auge reicht...

Das On-Gründer-Team
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Hinter dem Unternehmen stehen vor allem diese drei Köpfe (v.l.n.r.): Caspar Coppetti, Jahrgang 1976, der bei McKinsey arbeitete und Strategiechef bei der Werbeagentur Advico Young & Rubicam war. Olivier Bernhard, Jahrgang 1968, ehemaliger Profi-Triathlet und mehrfacher Ironman-Switzerland-Gewinner sowie David Allemann, studierter Jurist, Jahrgang 1970, der ebenfalls bei McKinsey arbeitete und u.a. Marketingchef beim Möbelhersteller Vitra war.

Wie alles begann
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Im Gespräch erzählt uns der Gründer Olivier Bernhard (2.v.l.), was ihn damals dazu brachte, einen Laufschuh zu erfinden. Den früheren Ironman-Switzerland-Sieger plagten Probleme mit der Achillessehne. Schnell war klar, dass er eine Lösung finden musste, um auch künftig weiterlaufen zu können, ohne sich zu verletzen.

Quasi aus der Not geboren
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Also begann der dreifache Familienvater, an einem neuartigen Schuh zu tüfteln, mit Gartenschläuchen, die er in kleinen Stücken an die Sohle klebte. Sein Schuh sollte Läufer schneller machen und versprach gesünderes Laufen. „Schon nach den ersten Versuchen mit dem Prototyp waren meine Probleme innerhalb weniger Wochen komplett verschwunden“, erzählt der Spitzensportler, der schon 2005 mit einem Schweizer Ingenieur über die Idee brütete.

Clouds an der Sohle
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Die Gründung 2010 war eigentlich auch eine Trotzreaktion: Denn als der Tüftler Bernhard mit seinem Prototyp bei einem der größten Laufschuhhersteller der Welt auf der Matte steht, winkt dieser ab – mechanisch nicht zu realisieren und ökonomisch Unsinn, sagte man Bernhard. Damit war sein Ehrgeiz geweckt.

Jagd auf die etablierten Marken
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Der Laufschuh mit den Wolken kommt an. Gleich im Gründungsjahr gewinnt On in München den Brand New Award für Innovation im Sport auf der Branchenmesse Ispo; ein Preis, der sich in der Sportartikelindustrie als Gütesiegel etabliert hat und den Händler als Orientierungshilfe für die kommende Sortimentsauswahl schätzen. Innerhalb von drei Jahren wächst die On-Belegschaft von fünf auf 45 Angestellte. Heute, sieben Jahre später, werden die Schuhe in mehr als 50 Ländern verkauft und sind bei über 3.000 Fachhändlern gelistet.

Wenn man so zurückschaut, sind Sie mit Ihrem Traum im Jahr 2010 zur richtigen Zeit in den Markt gegangen: Die Branche hatte lange keine Innovationen mehr gesehen und in etwa das Problem, das die Ski-Branche heute hat. Sie kamen mit etwas völlig Neuem und es hat funktioniert. Nun sind Sie im achten Firmenjahr - was ist der nächste Innovationssprung?
David: Es hat ja bei On ganz viele Innovationsschritte gegeben. Wir sind mit diesem Schuh hier gestartet (zeigt einen klobigen Prototypen, den er Frankenstein nennt) und wenn Sie sich heute unsere Modelle anschauen, sehen Sie, dass wir unsere Technologie in unterschiedliche Richtungen ausdifferenziert haben. Wir haben bei diesem patentierten System so viele Stellschrauben, dass wir noch sehr viele unterschiedlichen Laufgefühle designen und ähnlich wie in der Automobilindustrie damit einen SUV oder ein Sportcar oder einen gemütlichen Familienkombi bauen können.

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