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Schwierige Nachfolgeregelungen Wirtschaftsprüfer mit Nachwuchssorgen

Peter Landmann*), Inhaber einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Westfälischen, steht vor einem Dilemma. Jahrelang hatte er seinen Mitarbeiter Bernd Geistreiter*) – Hochschulabsolvent und Wirtschaftsprüfer (WP) mit besten Zeugnissen und Referenzen – aufgebaut. Er hatte ihn mit viel Zeitaufwand in seinen Mandantenstamm eingeführt – in der Hoffung, ihn zu seinem Nachfolger zu machen.
  • Reinhard Lückmann

DÜSSELDORF. Doch Geistreiter ist zwar ein guter Fachmann mit der unbestrittenen Qualifikation des Gesellschaftsrechtlers. Als Nachfolger eignet er sich aber nicht, da er sich bei der Mandantenpflege, also dem eloquenten Umgang mit den Kunden, schwer tut. Kontaktfreudigkeit ist aber das „A und O“ eines mittelständischen WP-Betriebs. Trotz prosperierender Gesellschaft steht Landmann damit vor einem „strategischen Scherbenhaufen“.

Ihm geht es wie vielen kleinen WP-Gesellschaften. Sie tun sich – anders als die großen Sozietäten, die sich vor Interessenten kaum retten können – schwer, die Nachfolge zu sichern. Gesellschafter vieler mittelständischer WP-Sozietäten und Steuerkanzleien müssen sich mangels geeigneter Nachfolger die Frage stellen, wie es weitergehen soll.

Dietrich Reinhardt von der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Kap 1 Consulting wundert das nicht, denn „fachliche Qualitäten alleine reichen nicht aus. Unverzichtbar sind zusätzliche Faktoren wie Akquisitionspotenzial – also die Fähigkeit, neue Mandanten zu werben und bestehende Mandate zu pflegen – und unternehmerisches Denken“, erklärt der Mittelstandsexperte.

Nicht nur die kleinen Wirtschaftsprüfergesellschaften, der Mittelstand generell setzt das Thema „Unternehmensnachfolge“ derzeit verstärkt als Problem auf die Tagesordnung. So werden von derzeit rund 70 000 übergabereifen Unternehmen nach Auskunft des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) allein 5 000 Unternehmen mangels Nachfolger stillgelegt. Die sorgfältige und vor allem rechtzeitige Planung der Unternehmensübergabe ist offensichtlich ein Problem, denn jährlich müssen nach einer IfM-Studie für durchschnittlich 18 000 deutsche Unternehmen kurzfristig Nachfolger gesucht werden.

Auch der Mitgesellschafter einer Kanzlei im Rheinland, der nicht genannt werden möchte, kennt das Problem nur allzu gut. „Da hat jemand sechs Jahre lang seine Mitarbeiter als Juristen und Steuerberater gründlich aufgebaut und einer macht geradezu den idealen Eindruck. Und dann stellt sich heraus: Akquirieren kann er nur schlecht.“

Neben den akquisitorischen Fähigkeiten ist es aus Sicht des Mittelstandsexperten Reinhardt auch wichtig, dass der Kandidat ein guter Teamspieler ist: „Nicht allein der Spezialist mit profundem Fachwissen, nicht der Einzelkämpfer ist gefragt. Vielmehr muss sich der Wirtschaftsprüfer heute in ein Team von herausragenden Fachleuten einbringen können, ein ausgeprägtes Kommunikationsvermögen besitzen, unternehmerisch denken und nicht zuletzt Akquisitionsstärke besitzen.“

Doch die Auswahl unter potenziellen Bewerbern ist derzeit nicht besonders groß. Viele scheuen, so die Einschätzung von Experten, die Ausbildung, denn der WP-Beruf erfordert neben einem erfolgreichen Hochschulabschluss ein weiteres schwieriges Berufsexamen, bei dem die Durchfallquote hoch ist. Hinzu kommt fast unerlässlich als weitere Qualifikation das Steuerberaterexamen.Der Weg zum WP ist zeitaufwendig, mit hohem persönlichem Einsatz verbunden und last, but not least auch kostspielig.

Wer alle Hürden geschafft hat, den erwartet ein von Jahr zu Jahr anspruchvoller werdendes Arbeitsfeld. Während früher Regelungen wie zum Beispiel das Handelsgesetzbuch (HGB) bei Abschlussprüfungen, die Ertragswertmethode bei der Unternehmensbewertung sowie relativ kurze Vertragswerke bei Unternehmensübertragungen ein überschaubares Arbeitsfeld darstellten, gibt es heute vor dem Hintergrund der Globalisierung eine ganze Reihe zusätzlicher Aufgaben. So etwa die Internationalen Rechnungslegungs - und Prüfungsregeln (IFRS/US-GAAP), kompliziertere, am Cash-Flow orientierte Bewertungsmethoden, umfangreiche Due-Diligence-Prüfungen und nicht zuletzt auch komplizierte Risk-Managementsysteme in den Unternehmen.

Wer einen hervorragenden Hochschulabschluss mitbringt, kann heute aber auch ohne diese WP- und Steuerberaterqualifikation, die Grundvoraussetzung für den selbstständigen Wirtschaftsprüfer, Karriere machen. Er kann bei den großen Beratungsgesellschaften wie Roland Berger oder McKinsey anheuern. Sie bieten attraktive Tätigkeiten, die eine gute berufliche Entwicklung ermöglichen. Zudem locken die strategischen Stabsabteilungen großer Konzerne.

Wie aber sollen Partner einer mittelständischen WP-Sozietät unter diesen Bedingungen noch ihre Nachfolger finden? Mittelstandsexperte Reinhardt rät, den Vorteil der mittleren und kleinen WP-Gesellschaften gegenüber den „Großen“ herauszukehren – nämlich überschaubarere Strukturen und kurze Kommunikationswege. Außerdem stünden durch die zunehmende Globalisierung auch in der mittelständischen Wirtschaft die Mandate der mittelgroßen Prüfungssozietäten denen der großen WP-Gesellschaften an Attraktivität in nichts nach.

Reinhardt schlägt deshalb vor, die „High Potentials“ anzusprechen, die den Nachteil der Größe kennen und den Reiz des Individuellen zu schätzen wissen. Zu finden seien diese in den großen WP- und Unternehmensberatungsgesellschaften sowie in den Stabsabteilungen großer Konzerne. „Die dort tätigen jungen Akademiker sind zugleich daran gewöhnt, hart und ausdauernd zu arbeiten.“ Wichtig seien aber auch Aktivitäten wie der gezielte Kontakt zu den Universitäten, dort möglichst Gastvorlesungen zu halten, um befähigte Studenten kennen zu lernen, Praktika sowie ein gezieltes Management-Nachwuchsprogramm in der eigenen Sozietät anzubieten. Wichtig sei es auch, in der WP-Prüfungskommission der Wirtschaftsprüferkammer mitzuarbeiten. Und nicht zuletzt: Anzeigen in der Fachpresse schalten.

*) Name geändert.

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