Social Entrepreneurs Wenn Gründer Gutes tun

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Hundefutter aus Insekten und Jobs für Autisten

Allerdings scheiterte Matthiesens Idee, Rubycup an Frauen in armen Ländern zu verkaufen. „Sie können sich die Tasse nicht leisten, obwohl sie nur so viel kostet wie Binden für fünf Monate.“ Deshalb arbeitet sie jetzt mit Spenden. 33.000 Tassen hat sie schon verteilt und damit die Bildungschancen von vielen Mädchen erhöht.

Der Arzt Frank Hoffmann hat Discovering Hands gegründet. „Blinde haben einen extrem trainierten Tastsinn“, sagt er. Er hat blinde Frauen ausgebildet, die auch kleinste Tumore in der Brust ertasten können. Das hilft doppelt: Die blinden Frauen haben eine wichtige Arbeit und Kontakt. Zugleich retten sie Leben.

Tom Bieling von Lorm Hands hat einen Handschuh entwickelt, mit dem Taubblinde über weite Entfernungen kommunizieren können. Bisher verständigten sie sich mit dem Lorm-Alphabet, das mit dem Finger auf die Hand gezeichnet wird. Der Handschuh mit Sensoren übersetzt diese Zeichen in Buchstaben, die per SMS oder Mail verschickt werden. Die Antworten kommen als Berührungsimpulse auf dem Handschuh an. „Das verschafft Taubblinden viel Unabhängigkeit“, sagt Gründer Bieling.

Doch auch kommerzielle Geschäftsmodelle können helfen, die Welt ein wenig zu verbessern. Futterzeit etwa bietet Hundefutter ohne Fleisch an – stattdessen enthält es 30 Prozent Insektenprotein, Kräuter und Gemüse. Acht Millionen Hunde leben allein in Deutschland, die im Schnitt dreimal so viel Fleisch essen wie Menschen. Das Futter „Alleskönner“ soll helfen, die Massentierhaltung zu begrenzen und die Umwelt zu schonen.

Der Reiseanbieter Bookitgreen.com vermittelt nachhaltige Reisen. Gründer Moritz Hintze fuhr schon als Kind mit seinen sechs Geschwistern immer auf einen Biobauernhof am Bodensee. 100 Millionen umweltbewusste Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) gibt es weltweit. Sie geben für Reisen im Schnitt 600 Dollar mehr aus und bleiben drei Tage länger. Viele haben aber Probleme, nachhaltige Unterkünfte zu finden. Von denen gibt es in Europa rund 50.000. Bookitgreen.com ist im Juli gestartet, nimmt zehn Prozent Provision und pflanzt pro gebuchter Nacht einen Baum.

Einer der Leuchttürme unter den sozialen Start-ups ist Auticon, eine IT-Beratung von Autisten. Beim Sohn von Gründer Dirk Müller-Remus wurde erst eine Hochbegabung diagnostiziert, dann das Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus. Deren soziale Interaktion ist gestört, dafür haben Autisten ganz besondere Begabungen wie Mustererkennung. Das Schlüsselerlebnis hatte Müller-Remus, als er eine Selbsthilfegruppe von Autisten besuchte: Die waren hochqualifiziert, aber alle arbeitslos. 85 Prozent aller Autisten im Arbeitsalter sind ohne Job. Das kostet den deutschen Staat sieben Milliarden Euro im Jahr. Die USA zeigen, dass es anders geht. „30 Prozent der Entwickler im Silicon Valley sind Autisten“, so Müller-Remus.

2011 gründete er mit seiner Frau Auticon. Die IT-Beratung beschäftigt heute 125 Autisten an sieben Standorten in Deutschland und auch in London und Paris. Allerdings ist nur jeder zehnte Autist von IT begeistert. Also hat Müller-Remus nun ein weiteres soziales Start-up gegründet: Diversicon, eine Zeitarbeitsfirma, die Autisten coacht, ausbildet und an Firmen vermittelt. „Unternehmen sind viel offener geworden“, freut sich Müller-Remus. Er hat viel vor: In sieben Jahren will er mit Diversicon 1000 Jobs für Autisten schaffen.

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