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Softwareprobleme Fehlstart für Vorwerks Teekocher Temial

Im Mai präsentierte Vorwerk den digitalen Teezubereiter als „Weltneuheit“. Viele Kunden sind verärgert: Erst am Montag beginnt die Auslieferung.
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Die digitale Teemaschine aus dem Hause Vorwerk stellt die Kunden derzeit auf eine Geduldsprobe. Quelle: Vorwerk
„Temial“

Die digitale Teemaschine aus dem Hause Vorwerk stellt die Kunden derzeit auf eine Geduldsprobe.

(Foto: Vorwerk)

Düsseldorf„Geschenkideen von Vorwerk. Immer für eine Überraschung gut.“ Das Plakat in den Läden des Wuppertaler Unternehmens – bekannt für Thermomix und Kobold – sorgt unter Kunden derzeit für Hohn und Spott. Viele haben oft schon vor Monaten den neuen digitalen Teekocher Temial für 599 Euro bestellt und bezahlt – und warten noch immer auf die Lieferung.

Die Geduld vieler Temial-Kunden ist am Ende. Sie wollen nicht länger abwarten und endlich Tee trinken. „Temial bestellt und keine Info bei Bestellung, dass das Gerät nicht lieferbar ist. Auch nicht, wann es geliefert wird. Geld ist aber bereits eingehalten worden. Einfach nur Mist“, echauffierte sich ein Kunde Ende November auf Facebook. „Und in der Zwischenzeit eröffnen überall in Deutschland neue Tea-Time Vorführspots ... trotz Tausender geprellter Kunden“, ärgerte sich Renate Diehl.

Der Grund für die Lieferprobleme: „Im Rahmen unserer internen Qualitätskontrolle haben wir Ende September Auffälligkeiten an der Software vereinzelter Geräten feststellen müssen“, äußerte sich Vorwerk auf Anfrage des Handelsblatts am Sonntagnachmittag. „Wir haben daraufhin die Auslieferung der Teegeräte unterbrochen und mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet.“ Die „FAS“ hatte über die Lieferschwierigkeiten berichtet. Die Auslieferung soll nun an diesem Montag wieder aufgenommen werden, versicherte Vorwerk. „Die Teegeräte aller Kundinnen und Kunden, die bisher vorbestellt haben, werden bis Weihnachten versendet.“

Der Temial war im Mai von Vorwerk vollmundig als „Weltneuheit“ präsentiert worden. Zum Starterset gibt es zehn lose Biotees, deren optimale Zubereitung die Maschine per QR-Code ausliest. Der Temial weckt auf Wunsch mit frisch gebrühtem Tee und lässt sich per App individuell steuern. Die Idee dazu hatten zwei junge Mitarbeiter, die Temial als Inhouse-Start-up gründeten. 30 Leute in Wuppertal und China arbeiteten an der Entwicklung der Teemaschine.

Seit Juni ist der Hightech-Teekocher online zu bestellen. „Wir haben viele Millionen dorthinein investiert. Da steckt ein halber Computer drin, und der Temial soll ein ganzes Leben halten“, sagte Reiner Strecker, einer der drei persönlich haftenden Gesellschafter von Vorwerk, bei der Produktvorstellung im Mai dem Handelsblatt. „Wir glauben fest daran, dass uns damit eine gute Geschichte gelungen ist. Da sind wir sehr optimistisch.“

600 Euro für einen Teekocher – Temial von Vorwerk im Test

Die gute Stimmung dürfte bei Vorwerk nach dem Fehlstart erst einmal verflogen sein. Kleinlaut entschuldigt sich das Temial-Team auf Facebook bei den verprellten Kunden. Wer bereits in der Vorbestellphase ein Teegerät bestellt hatte, bekommt von Vorwerk für die verlängerte Lieferzeit einen Ausgleich von 150 Euro angeboten. Wie viele Kunden betroffen sind, teilte Vorwerk nicht mit.Die voraussichtliche Lieferzeit für neue Bestellungen beträgt aktuell etwa zwei bis drei Wochen, heißt es jetzt auf der Facebook-Seite. Kunden dürften skeptisch sein, denn eine ähnliche Ankündigung zum Temial gab es schon am 7. September.

So ganz beigelegt scheinen die Softwareprobleme allerdings noch nicht. Denn die Steuerung per Smartphone-App lässt offenbar weiter auf sich warten. „Bitte hab Verständnis dafür, dass wir die Einführung der App verschoben haben, Basti. Mit der Auslieferung geht es jetzt aber weiter und sicherlich gibt es bald auch Neues zu App :-)“ So lautet die aktuelle Antwort des Temial-Teams auf Facebook.

Das Wuppertaler Familienunternehmen von 1883 war durch den Hype um die Kultküchenmaschine Thermomix lange erfolgsverwöhnt. Weltweit wurden bisher mehr als drei Millionen Geräte verkauft. „Vorwerk ist einer der Innovationsführer und Vorreiter bei vernetzten Hausgeräten“, sagt BCG-Partner Just Schürmann, Experte für Digitalisierung in Marketing und Vertrieb. Der Markt für Haushaltsgeräte sei weitgehend gesättigt, doch vernetzte Geräte hätten große Wachstumschancen.

Doch im vergangenen Jahr kühlte der Thermomix-Boom überraschend ab. Der Absatz ging erstmals zurück – um 12,9 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Im wichtigsten Markt Deutschland brach er sogar um 22 Prozent auf 300 Millionen Euro ein. Strecker erklärte den Rückgang mit einem „gewissen Gewöhnungseffekt“.

Zusätzlich machten etliche Nachahmergeräte, die etwa bei Discountern deutlich günstiger sind als der 1.199 Euro teure Thermomix, den Wuppertalern zu schaffen. Der Konzernumsatz schrumpfte um fünf Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Denn der Thermomix erwirtschaftet rund 40 Prozent des Umsatzes.

„Die Ära des Thermomix ist noch längst nicht vorbei“, prognostiziert indes Florian Kraus, Marketingprofessor an der Universität Mannheim. Auch wenn die Wartezeiten nicht mehr zwölf Wochen betragen wie bei der Markteinführung der Digitalvariante im Herbst 2014. Die Auslieferung des Thermomix verzögerte sich damals jedoch nicht wegen technischer Probleme, sondern weil Vorwerk wegen der hohen Nachfrage mit der Produktion nicht mehr hinterherkam.

Große Hoffnungen ruhen nun auf dem Temial. Schließlich geben viele Deutsche locker 1.000 Euro und mehr für einen Kaffeeautomaten aus. Doch der stolze Preis von 599 Euro für einen Teezubereiter sorgte vielerorts für ungläubiges Staunen. Pascal Hof etwa twitterte. „Aber hey, nach ca. 15.000 Tees hat sich das neue Gerät Temial locker amortisiert.“ Auch bei Teekochern gibt es preiswertere, wenn auch technisch deutlich einfachere Alternativen. „TemiWAS? Also ganz ehrlich, so ein Gerät braucht nicht mal die Queen“, spottete Discounter Lidl auf seiner Facebook-Seite. Und präsentierte dazu seine Teemaschine Silvercrest für 14,99 Euro.

Vorwerk musste bereits einige Flops verkraften – etwa mit einem Bügelsystem und Kühlschränken. Vor zwei Jahren führte Vorwerk schon einmal eine „Weltneuheit“ ein, den Akkuwerkzeugkoffer Twercs. Doch der Verkauf über Bastelpartys verläuft schleppender als erwartet. „Die ersten zwei Jahre waren sehr schwer“, räumte Strecker im Mai ein. Er ist überzeugt: „Temial ist ein Produkt, das für die ganze Welt geeignet ist. Aber für neue Geschäftsmodelle gibt es keine Gelinggarantie, anders als für unsere Rezepte.“

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