Solarbranche Solarworld-Pleite trifft auch das Handwerk

Die Insolvenz von Solarworld trifft nicht nur Mitarbeiter und Anleger hart. Auch viele Handwerker, die Produkte der Firma einsetzen, müssen gravierende Folgen fürchten. Die Branche sieht in der Pleite aber auch Chancen.
  • Hannes Putfarken und Katharina Schramm
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Die Unternehmen sind auf die Bereitschaft der Kunden angewiesen, sich auf Neuverhandlungen einzulassen. Quelle: Reuters
Handwerker montieren Solarpaneele

Die Unternehmen sind auf die Bereitschaft der Kunden angewiesen, sich auf Neuverhandlungen einzulassen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAm Donnerstag hat Solarworld, Deutschlands letzter großer Solarkonzern, seinen Insolvenzantrag eingereicht. Das Unternehmen konnte mit der chinesischen Konkurrenz im Preiskampf nicht mithalten. Solarworld schrieb im ersten Quartal des Jahres einen Vorsteuerverlust von 18 Millionen Euro. Zwar trifft die drohende Insolvenz zuerst die Aktionäre und die rund 3000 Mitarbeiter – aber auch für das Handwerk ist sie bitter.

Besonders für Elektriker und Dachdecker, aber auch für das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk ist mit wirtschaftlichen Folgen zu rechnen. Diese sind nach Angaben von Bernd Redecker vom Dachdeckerverband Nordrhein im Einzelfall nicht zu unterschätzen.

Die Installateure treten in der Regel in Vorleistung beim Hersteller. Wird zum Beispiel wegen Insolvenz nicht geliefert, sind sie zudem auf den guten Willen der Kunden angewiesen. Rechtlich haben diese Anspruch auf Einbau der vertraglich bestellten Solarmodule. Das bedeutet: Kann ein Solarhersteller die Lieferung nicht leisten, entsteht für die Handwerker schnell eine Schadenersatzpflicht.

Handwerker und auf Solarinstallation spezialisierte Betriebe sind also auf die Bereitschaft der Kunden angewiesen, sich auf Neuverhandlungen einzulassen. Was viele nicht wissen: Die Solarhersteller selbst sind dabei meist fein raus. Auch Solarworld hat sich abgesichert. Ansprüche des Bestellers auf Schadenersatz wegen Nichterfüllung aufgrund Unmöglichkeit sind auf 10 Prozent des Wertes beschränkt.

Die Auswirkungen auf das deutsche Handwerk beurteilt Redecker dennoch als moderat: Zum einen seien die Branchen, die mit Solarenergie zu tun haben, ausreichend breit aufgestellt. Zum anderen sind die Photovoltaikanlagen von Solarworld im Verhältnis extrem teuer. Die meisten Betriebe bezogen die Technik daher ohnehin bei der asiatischen Konkurrenz – trotz Schutzzöllen.

Hinzu kommt: Die Solaraufträge werden wohl in Zukunft nicht ganz wegbrechen. „Auch wenn die Branche unter einem starken Wettbewerbsdruck steht, ist es nicht so, dass die deutsche Solarindustrie am Ende ist“, so Detlef Neuhaus, Geschäftsführer der Solarwatt GmbH. Seine Firma hat einen anderen Weg als Solarworld eingeschlagen und investiert seit Jahren viel in Forschung und Entwicklung neuer hochwertigerer Solarmodule.

Sonnenland ist abgebrannt
Solarboom durch das EEG
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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hatte in Deutschland einen Solarboom ausgelöst. Jede produzierte Kilowattstunde Sonnenstrom wurde anfänglich mit mehr als 50 Cent vom Staat vergoldet. Doch spätestens ab 2009 wurde es schwierig. Die üppigen Subventionen riefen asiatische Firmen auf den Plan. Chinesische Hersteller bauten Fabrik um Fabrik. Eine Pleitewelle erfasste die heimische Photovoltaikbranche. Ein Überblick.

Solarworld
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„Das ist der größte denkbare Massenmarkt der Zukunft, denn das einzige Produkt, das alle Menschen zu allen Zeiten immer brauchen, ist Energie“, schrieb Frank Asbeck 2009 in seinem Buch „Eine solare Welt“. Damit hatte er vielleicht Recht – doch sein Konzern Solarworld ging im Mai 2017 trotzdem pleite. Die Konkurrenz aus China warf spottbillige Solarmodule auf den Markt, Solarworld konnte damit nicht mithalten. Solarworld war mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1,5 Gigawatt gegenüber chinesischen Konkurrenten mit der vierfachen Produktionskapazität schlichtweg zu klein, um dauerhaft überleben zu können.

CSG Solar
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Auch CSG Solar war einfach zu klein, um zu überleben. Im März 2006 wurde die 9000 Quadratmeter große Produktionsanlage in Thalheim eingeweiht. Nur zwei Jahre später musste das Unternehmen die Produktion einstellen, sich von 124 der 164 Beschäftigten trennen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzte CSG Solar aber fort.

Sontor
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Sachsen-Anhalt galt lange als Solar Valley in Deutschland. Doch seit mehreren Jahren müssen immer mehr Solarfirmen aufgeben. Einst lieferte die Branche dort über 3000 Arbeitsplätze – die meisten davon sind mittlerweile weggefallen. Um sich vor der Pleite zu retten, hatte sich Sontor aus Bitterfeld 2009 mit Sunfilm zusammengeschlossen – und konnte so überleben.

Solon
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Solon war einst einer der größten Solaranlagenhersteller Europas. 2011 ging das Unternehmen das erste Mal pleite, das indisch-arabische Unternehmen Microsol rettete Solon vor dem Aus und nannte es Solon International. Doch 2014 musste Solon zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

Odersun
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Odersun sollte ein strahlendes Aushängeschild der Brandenburger Wirtschaft werden und seinen Solarmodulen den Markt verändern. Doch es kam anders als erhofft. Odersun lieferte kein marktfähiges Produkt. 2010 meldete Odersun Insolvenz an. 2013 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung.

Sovello
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2005 wurde Sovello als Joint-Venture von Q-Cells, Evergreen Solar und Renewable Energy Corporation ASA gegründet. Anfangs startete das Solarunternehmen durch, doch bis 2012 stieg Sovello immer weiter ab und musste Insolvenz beantragen. Im August 2012 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Produktion komplett einstellt und allen Mitarbeitern kündigen muss.

Richtig ist auch, dass Solarworld vor allem im Massenmodulmarkt aktiv war. Möchten Kunden individuelle Solarlösungen, können Sie diese auch bei kleineren Anbietern im Premiumsegment kaufen. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, sieht darin eine große Chance: „Deutschland verfügt aber weiterhin über erfolgreiche Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Bund und Länder sollten sich nun engagierter für einen Erhalt von Produktions- und Forschungsstruktur einsetzen.

Deutschland habe die Energiewende maßgeblich auf den Weg gebracht, so Körnig. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen sollten jetzt nicht aus der Hand gegeben werden.

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6 Kommentare zu "Solarbranche: Solarworld-Pleite trifft auch das Handwerk"

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  • Mit der Photovoltaik geht es so, wie mit Schuhen, T-Shirts, Kameras, Fernsehern, Computern .. Nur ein Bruchteil der weltweit neu installierten Anlagen wird in Deutschland produziert.

    Photovoltaik-Installation weltweit:

    2014: 37,2 GWp
    2015: 50,1 GWp
    2016: 75 GWp

    Inzwischen sind über 300 GW weltweit installiert.

    Nach Angaben des Fraunhofer ISE beträgt in Deutschland der Stromanteil, der von PV-Modulen erzeugt wird, inzwischen 7,4% des Nettostromverbrauchs aus. Die Erneuerbaren Energien sind mit 37% beteiligt. An sonnigen Tagen beträgt der Anteil des Solarstroms zeitweise 35-50%.

    https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf

  • Solarstrom ist als Zufallsstrom im Netz wertlos. Die Branche lebt von staatlich reglementierten Vergütungen für dieses abseits der Ökoreligion wertlosen Produkts. Damit basiert die gesamte Branche zu Lasten der Mitmenschen zu erzielen.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Zitat:

    "Deutschland habe die Energiewende maßgeblich auf den Weg gebracht, so Körnig. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen sollten jetzt nicht aus der Hand gegeben werden."

    Ja genau, wieso wird Solarworld nicht vom Staat alternativlos aufgefangen und die Kosten auf alle Stromverbracuher umgelegt, Asbeck sollte für seine Leistungen mit einem Ehrencent pro KwH persönlich bedacht werden, wieso schächeln die Grünen, Anton und Cem sollten der Regierung absichtliches Ausbremsen der Energiewende durch Untätigkeit in diesem >Falle vorwerfen??

  • Nur Leute, die noch n i e eine Pleite erleben mußten, können in einer Pleite eine Chance sehen!
    Nur schwachsinnige Politiker und deren Beamtenklientel können solchen
    Müll verbreiten.
    Lieber Hergott, laß bitte H I R N regnen.

  • bitte mehr Subventionen für Solarindustrie, diese Industrie ist doch das ALLER ALLER ALLER beste was uns jemals passieren konnte in Deutschland.

    *Ironie off*

  • Die gesamte "Grüne Energiebranche" wird noch in die Insolvenz kommen. Aus dem einfachen Grund, weil Wind und Sonne nicht marktfähig sind. Genauso ist ein E-Auto gegenüber einen Diesel und Benziner nicht marktfähig.
    Hier werden Subventionen des Deutschen Staates = Zwangsabgaben und Steuern an den Bürger für die sog. Energiewende (Erneuerbare Energiebranche) zum Fenster hinausgeworfen. Mit der Folge, das nicht nur unsere marktfähige Spitzentechnologie der Kernkraft diesen Grünen Wahnsinn (markftfeindlichen und wissenschaftfeindlichen = Innovations- und Fortschirttfeindlichen) zum opfer fällt sondern auch die anderen Kraftwerke von Kohle und Gas.  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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