Sparkassen-Studie zum Mittelstand Das Investitionsfeuerwerk lässt auf sich warten

Die mittelständischen Unternehmen halten sich mit Expansionsplänen zurück – auch wegen der weltweiten Krisen. Zwar stärkt dies die Eigenkapitalquoten, doch der Sparkassenverband fürchtet auf lange Sicht Nachteile.
3 Kommentare
Mittelständische Unternehmen warten mit ihren Expansionsplänen derzeit ab. Stattdessen stärken die Firmen ihre Eigenkapitalquoten. Quelle: dpa

Mittelständische Unternehmen warten mit ihren Expansionsplänen derzeit ab. Stattdessen stärken die Firmen ihre Eigenkapitalquoten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWegen der weltweiten Krisen hält sich der deutsche Mittelstand mit großen Investitionen zurück. Nur noch 19,7 Prozent der Unternehmen planten im Jahr 2013, in den folgenden zwölf Monaten Geld in ihre Expansion zu stecken – der niedrigste Stand seit dem Jahr 2010. Im Vorjahr wollten sich noch 27,5 Prozent der mittelständischen Betriebe vergrößern. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Diagnose Mittelstand“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Für die Studie wertete der Verband rund 250.000 Unternehmensbilanzen aus.

„Wir müssen erkennen, dass sich der Investitionsstau bei den Unternehmen bislang nicht aufgelöst hat“, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon bei der Vorstellung der Ergebnisse. In den Unternehmen herrsche „erhebliche Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung“. Der DSGV-Chef befürchtet, dass die Mittelständler durch die fehlenden Investitionen „ins Hintertreffen“ geraten könnten.

Die Entwicklung zeigt sich auch in der Erfahrung der Sparkassen. Deren Mitarbeiter gaben an, dass die mittelständischen Kunden fast 46 Prozent weniger Investitionsmittel abgerufen hätten als im Vorjahr.

Dafür spricht auch an die Eigenkapitalquote. Den Ergebnissen der DSGV-Studie zufolge hat diese mit einem Durchschnittswert von 22,3 Prozent einen neuen Rekordwert im Mittelstand erreicht. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2012 lag die Quote mit 19,7 Prozent noch deutlich niedriger.

Welche Familien in Deutschland die Macht haben
Rang 20: Unternehmensgruppe Tengelmann
1 von 20

Rang 20: Unternehmensgruppe Tengelmann

Branche: Handel
Umsatz 2012: 10 Milliarden
Beschäftigte 2012: 83.400

Im aktuellen Ranking der nach Umsatz stärksten Familienunternehmen Deutschlands, das die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zusammengefasst hat, findet sich auf dem 20. Platz Tengelmann.

Zur Unternehmensgruppe gehören neben der Supermarktkette Kaisers's Tengelmann auch Anteile von Obi, Kik, Woolworth und Netto. Im Vergleich zum Vorjahr büßt die Unternehmensgruppe drei Plätze im Ranking ein.

Rang 19: Oetker-Gruppe
2 von 20

Rang 19: Oetker-Gruppe

Branche: Mischkonzern
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 26.400

Zur Unternehmensgruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker setzt jeden zweiten Euro (5,46 Milliarden Euro) mit der Reederei Hamburg Süd um, im Vergleich zum Vorjahr nahm der Umsatz um neun Prozent zu.

Rang 18: Schaeffler AG
3 von 20

Rang 18: Schaeffler AG

Branche: Wälzlager
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 76.100

Die Schaeffler AG gehört gehört zu 20 Prozent der Witwe des Unternehmensgründers, Maria-Elisabeth Schaeffler, (Bild) und zu 80 Prozent dem Sohn Georg Schaeffler. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Konzern durch die Übernahme der Continental AG.

Rang 17: Merck KGaA
4 von 20

Rang 17: Merck KGaA

Branche: Pharma
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 38.800

Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern kann im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze gut machen und springt in die Top 20 der größten deutschen Familienunternehmen. Auch auf die Familie Merck zurückzuführen ist das amerikanische Unternehmen Merck & Co. In den USA heißt die Darmstädter Firma allerdings EMD.

Rang 16: Otto Group
5 von 20

Rang 16: Otto Group

Branche: Handel
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 53.800

Nach Amazon ist Otto der zweitgrößte Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass der Web-Shop weiter ausgebaut werden soll.

Rang 15: Rethmann AG & Co
6 von 20

Rang 15: Rethmann AG & Co

Branche: Entsorgung
Umsatz 2012: 12 Milliarden
Beschäftigte 2012: 60.000

Die Rethmann AG unterteilt sich in drei Sparten. Eine davon ist die Remondis-Gruppe, die eines der weltweit größten privaten Dienstleistungsunternehmen der Wasserwirtschaft ist. Rethmann konnte im Vergleich zu 2011 fünf Plätze im Ranking klettern.

Rang 14: Boehringer Ingelheim
7 von 20

Rang 14: Boehringer Ingelheim

Branche: Pharma
Umsatz 2012: 14 Milliarden
Beschäftigte 2012: 46.200

Boehringer Ingelheim ist Deutschlands zweitgrößtes forschendes Pharmaunternehmen. Weltweit ist es das größte, das sich noch vollständig in Familienbesitz befindet.

Die Studie gibt auch Einblick in die Umsatzrentabilität der Unternehmen. Demnach hat sich die Ertragslage von 7,4 auf 6,4 Prozent deutlich eingetrübt. Als Grund dafür macht der DSGV die schwache Wirtschaftsentwicklung und die steigenden Kosten aus. Fahrenschon spricht allerdings von einem „immer noch befriedigenden Niveau“.

Da der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren gute Daten vorweisen konnte, schlägt sich dies in den Bilanzen der mittelständischen Unternehmen nieder: Die Personalkosten stiegen 2013 um 1,2 auf 19,2 Prozent. Die Folgen des Mindestlohns könnten dieses Niveau in den folgenden Jahren nach Einschätzung des Sparkassenverbands sogar noch einmal steigen lassen. Noch gebe es keinen Anlass, „eine wachstumshemmende Dynamik der Arbeitskosten zu befürchten“, so Fahrenschon. Für einzelne Branchen könne dies aber anders aussehen.

Für das laufende Jahr erwarten die Sparkassen – besonders wegen des sinkenden Ölpreises und des schwachen Euros – derzeit ein Wachstum von bis zu 1,5 Prozent. Beides wirke für die Unternehmen wie ein „Sonderkonjunkturprogramm“.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

Mehr zu: Sparkassen-Studie zum Mittelstand - Das Investitionsfeuerwerk lässt auf sich warten

3 Kommentare zu "Sparkassen-Studie zum Mittelstand: Das Investitionsfeuerwerk lässt auf sich warten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Trotz Rohstoffpreiskonjunktur und exquisiten Exportchancen durch den niedrigen Euro investieren die Mittelständler laut Umfrage weniger als in den Vorjahren. So sollen es die Zahlen ausdrücken. Warum das so ist, bleibt ungeklärt. Das wäre aber die entscheidende Frage. Wer oder was ist hier Henne oder Ei?Soll erst die Nachfrage steigen, oder will sich gesteigertes Angebot eine Nachfrage schaffen? Die Zeit wird es bringen. Das kann auch 2016 erst sein. Vielleicht müssen noch andere Anreize zur Wirkung gebracht werden, z. B. Sonderabschreibungen und Abwrackprämien. Steuersenkungen werden jetzt debattiert, um sie als Anreiz für Konsum bzw. Investitionen zu nutzen. Wir erleben gerade ein spannendes Jahr, das auch manche Erwartungen enttäuschen wird.

  • Ein Grund liegt auch in der Niedrigstlohnpolitik. Wozu investieren, wenn die menschliche Arbeitskraft billiger ist? Auch ein Mindestlohn von 8,50€ wird an dieser tatsache nichts änden. Ich kenne einige Business Cases, bei denen sich herausstellte, daß die Zeitarbeiter immer noch billiger sind, als die Investition in Software und Maschinen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%