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Spatel, Masken, Beatmungsgeräte Herstellung von medizinischem Material: Unternehmen mobilisieren sich selbst

Unternehmen wie Centogene nehmen die Produktion fehlender Schutzmasken und sonstiger Geräte in die Hand. Viele Firmen arbeiten dabei zusammen.
06.04.2020 - 20:07 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen schaltet zusammen mit anderen Firmen Anzeigen für ein gemeinsames Engagement im Coronakampf. Quelle: imago images / Fotoagentur Nordlicht
Centogene in Rostock

Das Unternehmen schaltet zusammen mit anderen Firmen Anzeigen für ein gemeinsames Engagement im Coronakampf.

(Foto: imago images / Fotoagentur Nordlicht)

Düsseldorf Es war eine Anzeige, die aufrüttelte. Am Samstagmorgen gegen sieben Uhr gingen bei Arndt Rolfs, Gründer des Biotechunternehmens Centogene in Rostock, bereits die ersten Mails auf seinen Aufruf an Unternehmen ein.

Die Anzeige, die er gemeinsam mit anderen Unternehmern wie Patrick Adenauer vom Bauunternehmen Bauwens und Lutz Goebel vom Maschinenhersteller Henkelhausen unterzeichnet und finanziert hatte, war zuerst in der „Süddeutschen“, dann auch in „FAZ“ und Handelsblatt zu sehen. Sie ruft Unternehmer auf, in die Produktion von Abstrichspateln für Coronatests, Schutzmasken, Chemikalien für Tests und Beatmungsgeräten einzusteigen. „Es musste schnell gehen“, begründet Rolfs den ungewöhnlichen Weg.

Denn er sieht, dass die Zeit läuft, ohne dass ein klares Konzept auf dem Tisch liegt. Vor zwölf Jahren hatte er Centogene gegründet, heute hat das Unternehmen 500 Mitarbeiter. Es bietet genetische Diagnostik für angeborene seltene Krankheiten an. „Die technologische Plattform ist die gleiche wie bei der Virusanalyse“, sagt Rolfs. Vor vier Wochen hatte er sich dazu entschieden, dass die Hälfte seiner Entwicklungsmitarbeiter – 25 sind es – sich künftig nur noch mit Covid-19 beschäftigt.

Da der Weltmarkt für die fertigen Corona-Testkits leer gefegt ist, bauen seine Mitarbeiter seitdem aus einzelnen Komponenten selbst entsprechende Tests zusammen. Doch auch die dafür notwendigen Zulieferungen aus dem Ausland werden inzwischen knapp. Die Analyse erfolgt derzeit bei Centogene selbst, dort liegt die Kapazität bei 10.000 Tests täglich.

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    Mittelständische Ungeduld als Antreiber

    Den Beweis, dass man hierzulande Tests recht einfach, schnell und vielfach herstellen kann, den habe er angetreten, sagt Rolfs. „Wir müssen diejenigen, die noch arbeiten müssen, Pflegekräfte, Polizei, Ärzte, Kassiererinnen und die Risikogruppen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, schützen.“ Konkret heißt das: regelmäßig testen und schnelle Ergebnisse liefern.

    Am Sitz von Centogene in Rostock traf Rolfs auf einen innovationsfreudigen Bürgermeister. Claus Ruhe-Madsen, selbst Unternehmer, ließ einen Feldversuch mit den Tests zu. So werden einmal pro Woche in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr und der Polizei die Mitarbeiter und Betroffenen getestet. „Das war für uns die Blaupause für Deutschland.“

    Rolfs wandte sich in den vergangenen drei Wochen auch an verschiedene politische Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene. Doch die Kommunikation geht nur schleppend voran, sagt der Unternehmer und Mediziner.

    Die typische mittelständische Ungeduld packte ihn, verbunden mit der Sorge, wichtige Zeit im Kampf gegen das Virus zu verlieren. „Während die öffentlichen Verantwortungsträger immer von der Verknappung der Ressourcen sprechen, haben wir doch gezeigt, dass es geht.“ Zugleich sieht auch Rolfs, dass der Mittelstand leidet und teilweise freie Kapazitäten und Expertise hat.

    Die Antworten auf seinen Aufruf in den Medien geben ihm recht: „Mehr als 300 Firmen haben sich sofort gemeldet“, sagt er. Die meisten Angebote der Unternehmen beziehen sich auf Abstrichspatel und Masken, die auch die Träger schützen, sogenannte FFP-2-Schutzmasken, weniger Angebote gibt es bislang für Beatmungsgeräte und die Testchemikalien, konstatiert Rolfs.

    Warten auf die Zertifizierung

    Was er und seine Mitstreiter jetzt wollen: dass die Bundesregierung strukturiert, dass die für den Kampf gegen die Covid-19-Infektion erforderlichen und in Deutschland produzierten Produkte auch zentral abgenommen werden. Viel Zeit bleibt nicht, die Zahl der Infizierten steigt, während hierzulande immer noch mit rund 35.000 Tests pro Tag, wie Rolfs feststellt, viel zu wenige Menschen getestet werden.

    Naturgemäß müssen solche Tests und Masken und alles, was darum herum produziert wird, zunächst zertifiziert werden. Das geht nicht so schnell. Drei Wochen wartet Rolfs schon darauf. Von der Güte seiner selbst entwickelten Tests, die den Anforderungen der WHO und der Berliner Charité entsprächen, jedenfalls ist er überzeugt: „Die Tests reagieren bereits bei ein bis zwei Viruspartikeln und nicht erst bei fünf wie bei den häufig benutzten Tests“, sagt Rolfs.

    Die Idee, dass die Firmen zusammenarbeiten, um das Land wieder aus der Coronastarre zu holen, überzeugte Mitunterzeichner Adenauer sofort. „Es ist wichtig, dass wir die Testhäufigkeiten erhöhen, damit wir beim Hochfahren der Wirtschaft wieder sagen können, wer arbeiten kann und wer nicht.“

    Man könne nicht warten. Adenauer selbst ist an einem Unternehmen beteiligt, das Masken für die Industrie herstellt und selbst FFP-2-Masken aus China importiert. Lutz Goebel leuchtet es ebenfalls sehr ein, „dass wir nur über ein großräumiges Testen die Chance bekommen, den Lockdown schnell zu beenden.“ Initiator Rolfs will beweisen, dass es „nicht nur eine Hypothese ist, dass wir auch hierzulande so viele Testungen machen können wie zum Beispiel in Taiwan“.

    Mehr: Testergebnisse in wenigen Stunden – Bosch entwickelt Covid-19-Schnelltest.

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