Start-up Ava Wie Gründerin Lea von Bidder Familien beim Kinderwunsch hilft

Das Armband des Schweizer Start-ups Ava zeigt Frauen, wann sie schwanger werden können. Seine Gründerin Lea von Bidder hat noch größere Pläne.
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In dem vierköpfigen Gründerteam ist von Bidder die einzige Frau. Quelle: Ava
Lea von Bidder

In dem vierköpfigen Gründerteam ist von Bidder die einzige Frau.

(Foto: Ava)

ZürichAls Lea von Bidder kürzlich nach einem Vortrag von der Bühne trat, kam eine Frau auf sie zu, um sie zu umarmen. „Ich wollte nur Danke sagen“, so die Frau. Sie war eine von Lea von Bidders Kundinnen – und sie war schwanger.

Darüber hat sich Lea von Bidder riesig gefreut. Die 28-jährige Schweizerin ist das Gesicht von Ava – das Start-up hat ein smartes Armband entwickelt, das Frauen zeigt, wann sie fruchtbar sind. Damit sorgt Ava nicht nur in Zürich, sondern auch im Silicon Valley für Schlagzeilen – auch dank Lea von Bidder und ihres Marketinggeschicks. Ihr Versprechen: Mit dem Ava-Armband sollen Frauen ihren Körper besser verstehen – und so mehr Macht über ihr eigenes Leben bekommen.

Dabei hatte von Bidder nach dem Studium in Sankt Gallen und einem Masterprogramm in China, den USA und Frankreich eigentlich ganz andere Pläne: Mit einer Kommilitonin gründete sie eine Schokoladenfabrik in Indien. Doch dann zog es sie wieder in die Schweiz. „Ich wollte mit meinem Job etwas bewegen“, sagt von Bidder – und so landete sie nicht bei einem der zahllosen schweizerischen Finanz-Start-ups, sondern stieß zu den – ausschließlich männlichen – Ava-Gründern Pascal Koenig, Peter Stein und Philipp Tholen: Femtech statt Fintech.

Von Bidder übernahm das Marketing der Firma und zog ins Silicon Valley, um den US-Markt zu erschließen. Schnell hatte sie Erfolg: Im Mai kam in Amerika das erste „Ava-Baby“ zur Welt. Und das „Forbes“-Magazin kürte von Bidder gar zu den 30 wichtigsten Jungunternehmern. Ende Mai sammelte Ava bei einer weiteren Finanzierungsrunde rund 30 Millionen Dollar ein. Zu den Geldgebern zählte dabei auch eine Tochter der schweizerischen Großbank Credit Suisse.

Der Femtech-Sektor gehört zu den wenigen, in denen europäische Start-ups denen aus dem Silicon Valley voraus sind. Neben Ava gehören das Berliner Unternehmen Clue mit seiner Fertilitäts-App oder Ovy mit einem smarten Thermometer zu den Stars der Szene.

Das Armband als Emanzipationshilfe

Doch wenn von Bidder über Ava spricht, geht es nicht nur um Zahlen oder Technik – sondern auch um Emanzipation: „Was wir machen, hat mit Empowerment zu tun“, sagt die Schweizerin. Das Armband als Emanzipationshilfe.

Ihr Produkt sieht aus wie ein Fitnesstracker, doch die Kundinnen legen es nicht vor dem Joggen an, sondern auf dem Weg ins Bett. Während des Schlafs zeichnen Sensoren mehrere Messdaten auf, darunter etwa Durchblutung oder Herzfrequenz. Ein Algorithmus berechnet dann die fruchtbaren Tage – und ist dabei ziemlich treffsicher.

In einer Studie am Zürcher Universitätsspital erkannte Ava fünf fruchtbare Tage mit einer Genauigkeit von 89 Prozent. „Das Resultat hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen“, erinnert sich Lea von Bidder. Aber zufrieden gibt sie sich noch lange nicht.

Das Femtech-Unternehmen will Frauen durch ihr ganzes Leben begleiten. „Der Körper einer Frau ändert sich alle paar Jahre, und dabei hast du immer das Gefühl, dass du nicht weißt, was da eigentlich passiert.“ Das will Ava ändern. So können Kundinnen etwa während der Schwangerschaft ihr Stresslevel überwachen.

In Zukunft möchte Ava sogar die natürliche Verhütung ermöglichen – ganz ohne Pille. Möglich machen sollen das die unzähligen Daten, die Ava sammelt und anonym auswertet. „Wir nehmen den Datenschutz dabei extrem wichtig“, verspricht von Bidder.

Mit den Armbändern bietet Ava ein Alleinstellungsmerkmal: Es gibt zwar auch andere Start-ups, die fruchtbare Tage erkennen – aber dort müssen Frauen die benötigten Daten selbst eingeben. Für „herausragende Leistungen in der Medizintechnik“ wurde Ava mit dem schweizerischen Medtech-Award ausgezeichnet.

Das Ava Armband verwendet eine neue Methode zur Verfolgung des Menstruationszyklus. Quelle: Ava
Armband von Ava und Smartphone

Das Ava Armband verwendet eine neue Methode zur Verfolgung des Menstruationszyklus.

(Foto: Ava)

Der Juryvorsitzende Mirko Meboldt von der ETH Zürich lobt das Start-up in höchsten Tönen. „Ich war außerordentlich beeindruckt, als ich zum ersten Mal davon gehört habe“, erinnert sich der Experte für Produktentwicklung. „Das Gründerteam hat die technische Lösung brillant mit einem durchdachten und skalierbaren Geschäftsmodell kombiniert.“

Schweiz statt Silicon Valley

Während der Hype um die Fitnessarmbänder sich gelegt habe, schaffe Ava für Frauen einen „echten Mehrwert“. Besonders freut sich Meboldt darüber, dass Ava in der Schweiz gegründet wurde – und eben nicht im Silicon Valley.

Der Erfolg geht wohl auch auf das Konto von Lea von Bidder, die zum Gesicht des Start-ups mit inzwischen 80 Mitarbeitern wurde. Dabei stieß die Jungunternehmerin als Letzte zum Gründerteam und ist auch nicht CEO, sondern „President“ der US-Gesellschaft. Alle paar Monate pendelt sie von San Francisco nach Zürich, wo die meisten der rund 80 Mitarbeiter sitzen.

Und auch das unterscheidet Ava von vielen Start-ups: Die Mehrheit der Belegschaft ist weiblich. Dass es in der Schweiz nicht mehr Gründerinnen gibt, ist Lea von Bidder ein Rätsel: Zwischen dem Schulabschluss und dem Beruf laufe irgendetwas schief. „Woran genau es liegt, weiß ich leider auch nicht“, sagt sie. „Bei mir hat es jedenfalls funktioniert.“

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