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Start-ups in Indien Die zweite „Jugaad“-Revolution

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„Deine Idee muss zuerst in den USA oder Europa akzeptiert werden“

Mit ihrer im Juli gestarteten App „BilleZ“ wollen die beiden Ingenieure ein elektronisches Feedback- und Bezahlsystem für Läden einführen, das innerhalb weniger Minuten und ohne lästige Systemumstellung funktioniert. Doch ihre Hoffnungen in den indischen Markt sind zurückhaltend. Indien, so das Gründerduo, orientiere sich noch zu sehr am Westen. „Um hier erfolgreich zu sein, muss deine Idee zuerst in den USA oder Europa akzeptiert werden.“

Ob die E-Commerce-Plattformen Flikpkart oder Snapdeal, der Taxidienst Ola oder der Bezahldienst Pytm – die erfolgreichsten Startups der vergangenen zehn Jahre waren in erster Linie indische Replike internationaler Modelle – Kopien von Amazon, Uber oder Paypal. Nachdem die Grundbedürfnisse des Konsumentenmarkts bedient wurden, sei es nun jedoch an der Zeit, eigene Ideen zu entwickeln, so Kasyhat und Nagpal. „Investitionen müssen hier immer noch risikofrei sein. Sogar die Konkurrenz bereits erfolgreicher Start-ups bekommt eher Kapital als ganz neue Innovationen.“

Besonders der Konsumentenmarkt ist dabei hart umkämpft: Gut zwei Drittel der Tech-Start-ups bedienen Endkunden. Mit mehr als 460 Millionen Internetnutzern gilt die indische Bevölkerung als Schlaraffenland für absatzhungrige Digitalunternehmer. Bis 2020 rechnet die indische Softwarevereinigung Nasscom mit 730 Millionen. Schon jetzt gehen mehr als 80 Prozent der Nutzer über mobile Endgeräte online, die Zahl verdoppelt sich derzeit nahezu jährlich. Indien, sagen viele, überspringe die industrielle Revolution gerade, um direkt in die digitale einzutauchen.

Doch Indien hat viele Gesichter und eines sieht so aus: 70 Prozent der indischen Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten, gerade mal neun Prozent haben hier Zugang zum Internet. Zwar bemühen sich Politik und Privatwirtschaft das zu ändern. Die Regierung startete dazu unter anderem eine groß angelegte „Digital India“ – Kampagne und auch Konzerne wie Reliance oder Google investieren massiv in die digitale Revolution des Landes. Und selbst dann ist aus einem Bauern noch kein lukrativer Kunde geworden. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen eines Inders liegt im Schnitt noch immer weit unter der eines Menschen in Europa. Zuletzt waren das rund 1.700 Dollar. Online Kleider bestellen kann sich auf dem Land niemand leisten.

Die Realität holte die aufgeblähte E-Commerce-Branche Ende des vergangenen Jahres ein. Reihenweise Essenslieferdienste oder Online-Stores schlossen Standorte und entließen Personal. So schnell die Kundenscharen gewachsen waren, so schnell verpufften die Millionen an Kapital.

„Konsumentenorientierte Dienste bieten zwar das größte Marktpotenzial, sie sind aber auch besonders schwer zu monetarisieren“, bilanziert Francisco Velázquez, Gründer der spanischen Axon Partner Group, einer Investmentfirma mit Fokus auf Schwellenländer. Auch die deutsche Start-up-Schmiede Rocket Internet verschätzte sich: ihre Mode-Plattform Jabong etwa schrieb bis zum Verkauf im Juli hohe Verluste, der Essenslieferdienst Foodpanda musste auf einen Schlag 300 Mitarbeiter entlassen.

Auch angesichts des rückläufigen Wachstums in China korrigierte die Situation Investitionen stark nach unten. Waren es 2015 7,3 Milliarden Dollar, flossen im laufenden Jahr laut dem Analyseportal Your Story Research nur noch 3,5 Milliarden Dollar Wagniskapital in indische Start-ups.

„Lokale Klone mit minimaler Innovation“
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