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Start-ups in Indien Die zweite „Jugaad“-Revolution

Indien schraubt in den Tech-Metropolen Delhi und Bangalore an einem neuen Silicon Valley. Auf die blühende Start-up-Kultur des Landes haben auch Unternehmer aus Europa ein Auge geworfen. Sie sind als Berater gefragt.
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Obwohl das Land noch vornehmlich ländlich geprägt ist, strebt es eine digitale Revolution an. Quelle: dpa
Indien

Obwohl das Land noch vornehmlich ländlich geprägt ist, strebt es eine digitale Revolution an.

(Foto: dpa)

Bangalore/Mumbai Obwohl die Verhandlungen über das Handelsabkommen zwischen Indien und Europa auf der Stelle treten, kommt die Annäherung der Partner voran. Den Beweis lieferte in der vergangenen Woche Praveen Paranjothi. Der Wagniskapitalinvestor reiste mit einer rund 20-köpfigen Delegation durch Indiens Tech-Metropolen Delhi und Bangalore, um die Gründer-Szene des Landes zu erkunden. Zur Abschlusskonferenz trafen Botschaftsvertreter aus der Slowakei, Luxemburg und Frankreich auf indische Start-ups und Konzerne wie SAP, Cisco und Rocket Internet. „Europas Wachstum stagniert. Indien hingegen ist ein riesiger, diverser Markt und bietet jede Menge Wachstumschancen“, erklärte Paranjothi.

Im Austausch zwischen den digitalen Märkten beider Regionen sieht er sich als Vermittler. Der gebürtige Inder lebt seit vielen Jahren in Europa und gründete im Januar die Initiative „Start-up Europe India Network“ (SEIS), ein privatwirtschaftliches Netzwerk mit Unterstützung der Europäischen Kommission. Das Ziel: Stärken kombinieren, Synergien finden.

Der Zeitpunkt scheint genau richtig, denn Indiens Gründergeist weitet sich aus. Allein 2015 wuchs die Zahl der Start-ups um 40 Prozent, Investitionen erreichten ein Allzeithoch von rund 7,3 Milliarden Dollar. Einem aktuellen Report der indischem Softwarevereinigung Nasscom zufolge liegt Indien mit mehr als 4.750 Tech-Start-ups an dritter Stelle weltweit – hinter den USA und Großbritannien.

Das sind die reichsten Clans Deutschlands
Platz 10: Familie Röchling
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Es ist Georg Duffner zu verdanken, dass die Röchling SE & Co. KG heute so sicher und breit im globalen Markt etabliert ist. Der bis zum Mai amtierende Geschäftsführer sorgte maßgeblich für den Umbau vom Mischkonzern zum Kunststoffverarbeiter. Das Unternehmen meldete zuletzt einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Der Gewinn des Betriebs, der rund 8.400 Mitarbeiter beschäftigt, beläuft sich auf 136 Millionen Euro. Das Vermögen der Familie Röchling wird auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt – 100 Millionen mehr als im vergangenen Jahr.

Quellen: Bilanz, Unternehmen

(Foto: Imago)
Platz 9: Familie Werhahn
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Vom „Bilanz“-Magazin als „rheinisches Syndikat“ betitelt, befinden sich rund 200 Unternehmen im Besitz der Wilh. Werhahn KG. Zu den stärksten Mitgliedern der Gruppe zählen der Baustoffkonzern Basalt AG , der Finanzdienstleister Abcfinance und der Messerhersteller Zwilling J. A. Henckels, der auch die Hersteller für Friseurbedarf Jaguar und Tondeo in sich vereint. Mit Anton Werhahn (rechts) steht seit 2005 als Vorstandssprecher wieder ein Repräsentant der drei Werhahn-Stämme an der Spitze des Mischkonzerns. Das Vermögen der 420 Werhahns legte im Vergleich zum vergangenen Jahr (3,1 Mrd.) kräftig zu und steht nun bei circa 4,5 Milliarden Euro.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Platz 8: Familie Haniel
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Nicht nur dem Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Markus Haniel (rechts), sondern der gesamten Franz Haniel & Cie. GmbH, fehlt seit Jahren die zündende Idee. Die Investmentholding befindet sich auf dem absteigenden Ast, das Vermögen der Großfamilie schmälerte sich seit 2007 um rund 10 Milliarden Euro auf heute 5,0 Milliarden Euro. Das liegt vor allem an der geplanten Ausrichtung zum Handels- und Dienstleistungskonzern, an der bis heute festgehalten wird und durch welche man sich 2007 endgültig aus dem produzierenden Geschäftsbereich zurückzog.

(Foto: dpa)
Platz 7: Familie Siemens
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Die Großfamilie Siemens umfasst mittlerweile zwar 300 Mitglieder, sie ist trotz ihres geschätzten Vermögens von rund 6,2 Milliarden Euro (plus 0,2 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr) aber eher zurückhaltend und medienscheu. Einzig Nathalie von Siemens scheint den Weg in die Öffentlichkeit für sich entdeckt zu haben. Die Ururenkelin des Begründers der modernen Elektrotechnik und Gründers der heutigen Siemens AG, Werner von Siemens, ist seit 2015 Mitglied des Aufsichtsrates des Technologiekonzerns und wird bereits als Kandidatin für die leitende Position gehandelt.

(Foto: dpa)
Platz 6: Familie Heraeus
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Die Reorganisation der Geschäftsbereiche der Heraeus Holding im vergangenen Jahr scheint sich für den Technologiekonzern bereits ausgezahlt zu haben. Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf den Edel- und Sondermetallen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Handelsumsatz von 12,9 Milliarden Euro – ein Plus von 0,7 Milliarden Euro zum Vorjahr. An der Spitze des Konzerns steht Jan Rinnert, der Schwiegersohn vom Aufsichtsratsvorsitzenden und Unicef-Deutschland-Vorsitzenden Jürgen Heraeus (im Bild). Zusammen mit seinen beiden Geschwistern hält der 80-Jährige 25 Prozent der Anteile. Das Vermögen der 200 Köpfe umfassenden Familie beläuft sich wie schon im Vorjahr auf 6,3 Milliarden Euro.

(Foto: Imago)
Platz 5: Familie Freudenberg
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Die einstige Handelsgesellschaft und Gerberei ist heute unter dem Namen Freudenberg & Co. KG vor allem für ihre Dichtungs- und Schwingungstechnik sowie für die Produktion von Vliesstoffen und Filtrationen bekannt und beliefert vornehmlich die Automobilindustrie. Von den 8,4 Milliarden Euro Umsatz bleiben nach allen Abzügen immer noch vortreffliche 521 Millionen Euro Gewinn. Ein gutes Fünftel davon beansprucht die 320-köpfige Gesellschafterfamilie für sich, dessen Vermögen bei 7,15 Milliarden Euro steht.

(Foto: picture alliance)
Platz 4: Familie Merck
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Auch das älteste Pharmaunternehmen der Welt befindet sich im überwiegenden Familienbesitz. Die Merck KGaA konnte in ihrer 348-jährigen Geschichte noch nie einen so hohen Umsatz wie im vergangenen Jahr erwirtschaften. 12,8 Milliarden Euro bedeuten ein Plus von satten 13 Prozent zum Vorjahr. Die rund 200 Mercks sehen dem vorliegenden Wachstum mit Wohlwollen zu. Sie halten über die E. Merck KG circa 70 Prozent der Anteile am Unternehmen. Im „Bilanz“-Magazin wird das Vermögen der Familie nun erstmals auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt.

(Foto: Reuters)

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit rund 1,3 Milliarden Menschen hält das Land nicht nur viele Fachkräfte bereit, sondern auch einen riesigen Markt an potentiellen Konsumenten. Langwierige Bürokratieprozesse, Korruption und mangelhafte Infrastruktur hielten Indien aber bisher davon ab, allzu sehr von seinen Standortvorteilen zu zehren. Im Rahmen der Make in India-Kampagne startete die Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi daher eine Reihe von Maßnahmen, um Indien für ausländische Unternehmen attraktiver zu machen.

Darunter fällt auch der „Start-up India Action Plan“, den Modi Anfang des Jahres vorstellte: eine 19-Punkte-Liste, die erhebliche Unterstützung für Gründer verspricht, etwa in Form eines Gründerfonds, Steuernachlässen und Erleichterungen im Gründungs- und Finanzierungsbereich. Energisch verkündete die Handels- und Industrieministerin Nirmala Sitharaman: „Wir sind entschlossen, eine Start-up-Revolution zu starten.“

Eine Revolution täte dem Land gut, vor allem in der Beschäftigung. Etwa eine Millionen Menschen drängen hier im Monat auf den Arbeitsmarkt, doch die Zahl zusätzlicher Jobs sinkt seit Jahren. Die großen Arbeitgeber der Zukunft, so die Hoffnung, werden nicht nur etablierte Konzerne sein, sondern die jungen Gründer von morgen. Doch die innovative Kraft indischer Unternehmen wird international noch unterschätzt, sagte Paranjothi.

Glaubt man dem Gründungsduo Varun Kashyat und Sumit Nagpal, hat Indien sich das zum Teil selber zuzuschreiben.

„Deine Idee muss zuerst in den USA oder Europa akzeptiert werden“

Mit ihrer im Juli gestarteten App „BilleZ“ wollen die beiden Ingenieure ein elektronisches Feedback- und Bezahlsystem für Läden einführen, das innerhalb weniger Minuten und ohne lästige Systemumstellung funktioniert. Doch ihre Hoffnungen in den indischen Markt sind zurückhaltend. Indien, so das Gründerduo, orientiere sich noch zu sehr am Westen. „Um hier erfolgreich zu sein, muss deine Idee zuerst in den USA oder Europa akzeptiert werden.“

Ob die E-Commerce-Plattformen Flikpkart oder Snapdeal, der Taxidienst Ola oder der Bezahldienst Pytm – die erfolgreichsten Startups der vergangenen zehn Jahre waren in erster Linie indische Replike internationaler Modelle – Kopien von Amazon, Uber oder Paypal. Nachdem die Grundbedürfnisse des Konsumentenmarkts bedient wurden, sei es nun jedoch an der Zeit, eigene Ideen zu entwickeln, so Kasyhat und Nagpal. „Investitionen müssen hier immer noch risikofrei sein. Sogar die Konkurrenz bereits erfolgreicher Start-ups bekommt eher Kapital als ganz neue Innovationen.“

Besonders der Konsumentenmarkt ist dabei hart umkämpft: Gut zwei Drittel der Tech-Start-ups bedienen Endkunden. Mit mehr als 460 Millionen Internetnutzern gilt die indische Bevölkerung als Schlaraffenland für absatzhungrige Digitalunternehmer. Bis 2020 rechnet die indische Softwarevereinigung Nasscom mit 730 Millionen. Schon jetzt gehen mehr als 80 Prozent der Nutzer über mobile Endgeräte online, die Zahl verdoppelt sich derzeit nahezu jährlich. Indien, sagen viele, überspringe die industrielle Revolution gerade, um direkt in die digitale einzutauchen.

Doch Indien hat viele Gesichter und eines sieht so aus: 70 Prozent der indischen Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten, gerade mal neun Prozent haben hier Zugang zum Internet. Zwar bemühen sich Politik und Privatwirtschaft das zu ändern. Die Regierung startete dazu unter anderem eine groß angelegte „Digital India“ – Kampagne und auch Konzerne wie Reliance oder Google investieren massiv in die digitale Revolution des Landes. Und selbst dann ist aus einem Bauern noch kein lukrativer Kunde geworden. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen eines Inders liegt im Schnitt noch immer weit unter der eines Menschen in Europa. Zuletzt waren das rund 1.700 Dollar. Online Kleider bestellen kann sich auf dem Land niemand leisten.

Die Realität holte die aufgeblähte E-Commerce-Branche Ende des vergangenen Jahres ein. Reihenweise Essenslieferdienste oder Online-Stores schlossen Standorte und entließen Personal. So schnell die Kundenscharen gewachsen waren, so schnell verpufften die Millionen an Kapital.

„Konsumentenorientierte Dienste bieten zwar das größte Marktpotenzial, sie sind aber auch besonders schwer zu monetarisieren“, bilanziert Francisco Velázquez, Gründer der spanischen Axon Partner Group, einer Investmentfirma mit Fokus auf Schwellenländer. Auch die deutsche Start-up-Schmiede Rocket Internet verschätzte sich: ihre Mode-Plattform Jabong etwa schrieb bis zum Verkauf im Juli hohe Verluste, der Essenslieferdienst Foodpanda musste auf einen Schlag 300 Mitarbeiter entlassen.

Auch angesichts des rückläufigen Wachstums in China korrigierte die Situation Investitionen stark nach unten. Waren es 2015 7,3 Milliarden Dollar, flossen im laufenden Jahr laut dem Analyseportal Your Story Research nur noch 3,5 Milliarden Dollar Wagniskapital in indische Start-ups.

„Lokale Klone mit minimaler Innovation“

Viele sehen darin einen Reifeprozess, der die Branche an ihr eigenes Potenzial erinnert. Schließlich ist es keine fünf Jahre her, da sprachen Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler weltweit noch die „Jugaad“-Revolution herbei. Der indische Begriff beschreibt die besondere Lösungskompetenz indischer Menschen, deren Alltagsprobleme sie zu simplem aber neuartigem Einfallreichtum erzieht. Als „frugale Innovationen“ sollten Ideen aus Schwellenländern wie Indien erst lokale und dann internationale Märkte umwälzen.

Doch die großen Würfe blieben aus. „Es gibt erfolgreiche neue Produkte in Schwellenländern. Häufig aber sind das eigentlich globale Modelle oder lokale Klone mit minimaler Innovation“, sagt Alok Bardiya, Chef des Investmentarms des Telekommunikationsunternehmens Cisco. Die Zukunft der „Jugaad“-Revolution sieht er in B2B-Märkten wie dem Gesundheitsbereich, in IT-Dienstleistungen oder künstlicher Intelligenz – überall dort, wo Technologie die drängenden Probleme Indiens zu lösen verspricht. Die Gründungen in diesen Bereichen sind vor allem im letzten Jahr stark gestiegen. Um die Kraft von „Jugaad“ zu entfalten aber, müsse es zu „systematischer Innovation“ werden, so Bardiya.

Diese Marken sind nicht mehr deutsch
Übernahmen deutscher Produkte
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Wenn ausländische Investoren eine deutsche Firma aufkaufen, sorgt das immer wieder für Unruhe. Sind da Arbeitsplätze in Gefahr, geht deutsches Wissen verloren? Ein Blick auf den Handel zeigt hingegen, dass solche Übernahmen seit langem Normalität sind. Ein Überblick (in alphabetischer Reihenfolge):

(Foto: Imago)
Beck's
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Die Bremer Brauerei wurde 2002 von der belgischen Interbrew-Gruppe (Stella Artois, Hoegaarden) aufgekauft, die heute als AB Inbev firmiert. Immerhin 1,8 Milliarden Euro sollen dabei als Kaufpreis geflossen sein.

(Foto: dpa)
Flex
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Das Verb „flexen“ steht längst im Duden, es bedeutet trennschleifen. Die Firma Flex geht auf einen vor knapp 100 Jahren gegründeten Schleifmaschinen-Hersteller aus Stuttgart zurück. Das Unternehmen war Teil des US-Konzerns Stanley Black & Decker, vor drei Jahren folgte die Übernahme der 250-Mann-Firma durch den chinesischen Elektrowerkzeughersteller Chervon.

(Foto: Imago)
Langnese
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„Like Ice in the Sunshine“ – dieser Song wurde in den 1980ern zum Werbe-Hit für die deutsche Eiscreme-Sorte, die seit 1936 Teil des niederländisch-britischen Unilever-Konzerns ist. Produziert wird in Heppenheim, wo nach Firmenangaben die größte Eisfabrik Europas steht – pro Jahr werden dort 1,5 Milliarden Portionen Eis hergestellt.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Leitz
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Der Aktenordner des traditionsreichen Stuttgarter Unternehmens ist nicht wegzudenken aus deutschen Büros, wenngleich der Bedarf wegen der zunehmenden Digitalisierung gesunken sein dürfte. Die Firma war in den 1990er Jahren vom schwedischen Konzern Esselte gekauft worden, der wiederum Anfang des Jahrtausends an US-amerikanische Investoren ging. „Made in Stuttgart“ sind die Ordner seit gut einem Jahr nicht mehr. Grund für die Produktionseinstellung: gestiegener Kostendruck und hohe Lohnkosten. Ein Teil der Fertigung ging an einen Esselte-Standort im niedersächsischen Uelzen, andere Teile wurden nach Polen und Tschechien verlagert.

(Foto: Imago)
Knorr
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Gewürzmischungen und Salatsoßen von Knorr sind seit 2000 Teil von Unilever, deutsche Knorr-Standorte gibt es aber noch in Auerbach (Sachsen) und Heilbronn (Baden-Württemberg).

(Foto: Imago)
Metabo
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Elektrowerkzeuge stellt auch Metabo her, etwa Bohrer. Das Unternehmen aus Nürtingen hat einige Eigentümerwechsel hinter sich, so übernahm der französische Investor Chequers Capital 2012 die Mehrheit. Ende 2015 schlüpften die Schwaben unter das Dach des japanischen Branchenriesen Hitachi Koki. Metabo beschäftigt weltweit 1.800 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von etwa 400 Millionen Euro (2015).

(Foto: dpa)

Gründer haben das zum Teil erkannt und suchen dafür offen nach ausländischen Mentoren, die ihnen nicht nur Kapital bereitstellen, sondern auch beratend zur Seite stehen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung wies im September erst darauf hin, wie fruchtbar die Kombination aus indischem Krisenmanagement und deutscher Langfristplanung wäre.

Das Start-up Grey Orange dient als gutes Beispiel. Der Hersteller für Lagerhausroboter ist fünf Jahre alt und beherrscht zurzeit 90 Prozent des indischen Marktes für Lagerhausautomation.

Gegründet wurde das Unternehmen von den zwei indischen Ingenieuren Samay Kohli und Akash Gupta, sowie dem Deutschen Wolfgang Höltgen. Kohli und Gupta erfanden 2007 Indiens ersten humanoiden Roboter, den „AcYut“. Doch erst Höltgen aber brachte sie auf die Idee, Technologie für den wachsenden Markt an Logistik zu entwickeln. Der Direktor des German-Indian-Business-Center in Hannover zehrt von jeder Menge Erfahrung in der Software-Industrie und gilt für beide nicht nur als Investor und Ko-Gründer, sondern auch als Mentor. 

„Höltgens Erfahrungen hat uns viel Zeit gespart, vor allem in der Implementierung von Unternehmensprozessen“, so Kohli. Allein im vergangenen Jahr wuchs das Unternehmen um 300 Prozent und beschäftigen heute rund 550 Mitarbeiter in sechs Ländern – 35 Prozent davon in Forschung und Entwicklung. Auch in Deutschland plant das Unternehmen ein Forschungszentrum aufzubauen. Von dort kommen bisher auch 70 Prozent der Zulieferer. Trotz Modis „Make-in-India“-Kampagne ist die Produktion hochwertiger Teile gerade für neue Unternehmen in Indien kaum möglich. Hier, da sind sich alle einig, muss noch viel passieren. Mit ein bisschen Geduld aber, könnte die Revolution vielleicht noch kommen.

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