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Start-ups in Indien Die zweite „Jugaad“-Revolution

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„Lokale Klone mit minimaler Innovation“

Viele sehen darin einen Reifeprozess, der die Branche an ihr eigenes Potenzial erinnert. Schließlich ist es keine fünf Jahre her, da sprachen Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler weltweit noch die „Jugaad“-Revolution herbei. Der indische Begriff beschreibt die besondere Lösungskompetenz indischer Menschen, deren Alltagsprobleme sie zu simplem aber neuartigem Einfallreichtum erzieht. Als „frugale Innovationen“ sollten Ideen aus Schwellenländern wie Indien erst lokale und dann internationale Märkte umwälzen.

Doch die großen Würfe blieben aus. „Es gibt erfolgreiche neue Produkte in Schwellenländern. Häufig aber sind das eigentlich globale Modelle oder lokale Klone mit minimaler Innovation“, sagt Alok Bardiya, Chef des Investmentarms des Telekommunikationsunternehmens Cisco. Die Zukunft der „Jugaad“-Revolution sieht er in B2B-Märkten wie dem Gesundheitsbereich, in IT-Dienstleistungen oder künstlicher Intelligenz – überall dort, wo Technologie die drängenden Probleme Indiens zu lösen verspricht. Die Gründungen in diesen Bereichen sind vor allem im letzten Jahr stark gestiegen. Um die Kraft von „Jugaad“ zu entfalten aber, müsse es zu „systematischer Innovation“ werden, so Bardiya.

Diese Marken sind nicht mehr deutsch
Übernahmen deutscher Produkte
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Wenn ausländische Investoren eine deutsche Firma aufkaufen, sorgt das immer wieder für Unruhe. Sind da Arbeitsplätze in Gefahr, geht deutsches Wissen verloren? Ein Blick auf den Handel zeigt hingegen, dass solche Übernahmen seit langem Normalität sind. Ein Überblick (in alphabetischer Reihenfolge):

(Foto: Imago)
Beck's
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Die Bremer Brauerei wurde 2002 von der belgischen Interbrew-Gruppe (Stella Artois, Hoegaarden) aufgekauft, die heute als AB Inbev firmiert. Immerhin 1,8 Milliarden Euro sollen dabei als Kaufpreis geflossen sein.

(Foto: dpa)
Flex
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Das Verb „flexen“ steht längst im Duden, es bedeutet trennschleifen. Die Firma Flex geht auf einen vor knapp 100 Jahren gegründeten Schleifmaschinen-Hersteller aus Stuttgart zurück. Das Unternehmen war Teil des US-Konzerns Stanley Black & Decker, vor drei Jahren folgte die Übernahme der 250-Mann-Firma durch den chinesischen Elektrowerkzeughersteller Chervon.

(Foto: Imago)
Langnese
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„Like Ice in the Sunshine“ – dieser Song wurde in den 1980ern zum Werbe-Hit für die deutsche Eiscreme-Sorte, die seit 1936 Teil des niederländisch-britischen Unilever-Konzerns ist. Produziert wird in Heppenheim, wo nach Firmenangaben die größte Eisfabrik Europas steht – pro Jahr werden dort 1,5 Milliarden Portionen Eis hergestellt.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Leitz
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Der Aktenordner des traditionsreichen Stuttgarter Unternehmens ist nicht wegzudenken aus deutschen Büros, wenngleich der Bedarf wegen der zunehmenden Digitalisierung gesunken sein dürfte. Die Firma war in den 1990er Jahren vom schwedischen Konzern Esselte gekauft worden, der wiederum Anfang des Jahrtausends an US-amerikanische Investoren ging. „Made in Stuttgart“ sind die Ordner seit gut einem Jahr nicht mehr. Grund für die Produktionseinstellung: gestiegener Kostendruck und hohe Lohnkosten. Ein Teil der Fertigung ging an einen Esselte-Standort im niedersächsischen Uelzen, andere Teile wurden nach Polen und Tschechien verlagert.

(Foto: Imago)
Knorr
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Gewürzmischungen und Salatsoßen von Knorr sind seit 2000 Teil von Unilever, deutsche Knorr-Standorte gibt es aber noch in Auerbach (Sachsen) und Heilbronn (Baden-Württemberg).

(Foto: Imago)
Metabo
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Elektrowerkzeuge stellt auch Metabo her, etwa Bohrer. Das Unternehmen aus Nürtingen hat einige Eigentümerwechsel hinter sich, so übernahm der französische Investor Chequers Capital 2012 die Mehrheit. Ende 2015 schlüpften die Schwaben unter das Dach des japanischen Branchenriesen Hitachi Koki. Metabo beschäftigt weltweit 1.800 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von etwa 400 Millionen Euro (2015).

(Foto: dpa)

Gründer haben das zum Teil erkannt und suchen dafür offen nach ausländischen Mentoren, die ihnen nicht nur Kapital bereitstellen, sondern auch beratend zur Seite stehen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung wies im September erst darauf hin, wie fruchtbar die Kombination aus indischem Krisenmanagement und deutscher Langfristplanung wäre.

Das Start-up Grey Orange dient als gutes Beispiel. Der Hersteller für Lagerhausroboter ist fünf Jahre alt und beherrscht zurzeit 90 Prozent des indischen Marktes für Lagerhausautomation.

Gegründet wurde das Unternehmen von den zwei indischen Ingenieuren Samay Kohli und Akash Gupta, sowie dem Deutschen Wolfgang Höltgen. Kohli und Gupta erfanden 2007 Indiens ersten humanoiden Roboter, den „AcYut“. Doch erst Höltgen aber brachte sie auf die Idee, Technologie für den wachsenden Markt an Logistik zu entwickeln. Der Direktor des German-Indian-Business-Center in Hannover zehrt von jeder Menge Erfahrung in der Software-Industrie und gilt für beide nicht nur als Investor und Ko-Gründer, sondern auch als Mentor. 

„Höltgens Erfahrungen hat uns viel Zeit gespart, vor allem in der Implementierung von Unternehmensprozessen“, so Kohli. Allein im vergangenen Jahr wuchs das Unternehmen um 300 Prozent und beschäftigen heute rund 550 Mitarbeiter in sechs Ländern – 35 Prozent davon in Forschung und Entwicklung. Auch in Deutschland plant das Unternehmen ein Forschungszentrum aufzubauen. Von dort kommen bisher auch 70 Prozent der Zulieferer. Trotz Modis „Make-in-India“-Kampagne ist die Produktion hochwertiger Teile gerade für neue Unternehmen in Indien kaum möglich. Hier, da sind sich alle einig, muss noch viel passieren. Mit ein bisschen Geduld aber, könnte die Revolution vielleicht noch kommen.

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