Stiftung Warentest vs. Ritter Sport Voll auf die Nuss

Im Rechtsstreit von Stiftung Warentest und Schokohersteller Ritter Sport müssen die Warentester eine erneute Niederlage einstecken. Die Richterin übt harsche Kritik an den Methoden der Tester.
Update: 09.09.2014 - 15:47 Uhr 19 Kommentare
Schokolade des Anstoßes: Die Ritter Sport-Voll Nuss.

Schokolade des Anstoßes: Die Ritter Sport-Voll Nuss.

MünchenDie Stiftung Warentest hat den Schoko-Streit mit Ritter Sport verloren. Das Oberlandesgericht München wies am Dienstag einen Widerspruch der Warentester gegen eine einstweilige Verfügung des Landgerichts München I zurück. Damit darf die Verbraucherschutzorganisation weiterhin nicht mehr behaupten, Ritter verwende für seine Voll-Nuss-Schokolade statt des angegebenen natürlichen Vanille-Aromas ein künstliches Vanille-Aroma.

Die Stiftung Warentest hatte 2013 im Dezemberheft ihrer Zeitschrift "Test" sowie im Internet Schokoladenqualitäten verglichen und die Ritter Sport-Schokolade Voll-Nuss mit "mangelhaft" bewertet. Dem Hersteller, der für sich in Anspruch nimmt, nur natürliche Zutaten zu verwenden, warf sie eine Falschdeklaration seines Produktes vor, da die besagte Sorte den Aromastoff Piperonal enthalte, der nur künstlich hergestellt werden könne. Ritter Sport erwirkte (vertreten durch die Kanzlei Gleiss Lutz) eine einstweilige Verfügung gegen mehrere Formulierungen des Testberichts und beharrte darauf, dass der Stoff auch natürlich vorkomme. Diese Verfügung wurde Ende November 2013 vom Landgericht München I bestätigt.

Nun könnten beide Seiten ein Hauptsacheverfahren anstrengen. "In diesem einst­weiligen Verfügungs­verfahren fand ja gar keine umfassende Beweis­aufnahme statt", sagte Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Man werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann über weitere Schritte entscheiden.

Das Unternehmen Alfred Ritter und ihr Aromalieferant Symrise aus Holzminden (Nebenkläger) könnten gegebenenfalls Schadenersatz verlangen. „Das heutige Urteil wäre da sicherlich hilfreich", sagte Symrise-Chefjurist Markus Sattler. Symrise werde aber nicht Treiber eines solchen Verfahrens sein. Im Fokus stehe Ritter Sport mit etwaigen Umsatzausfällen im Nachgang des Testberichts. Im Interview mit Handelsblatt Online hatte Firmenchef Alfred Ritter die dramatischen Auswirkungen des Testurteils beklagt und die Wichtigkeit der einstweiligen Verfügung betont: „Hätte sich die Stiftung Warentest durchgesetzt, wäre das unser Ende gewesen. Der Handel hätte uns aus den Regalen genommen.“

Bereits kurze Zeit nach der Veröffentlichung der Testergebnisse sei die erste Drohung eines Händlers gekommen, die Ware aus den Regalen zu entfernen. „Unsere Rettung war, dass am Tag der Veröffentlichung der Testergebnisse ein Süßwaren-Kongress in Berlin war und wir so den Händlern innerhalb eines halben Tages klar machen konnten, dass die Behauptung falsch ist“, erzählte Ritter.

Umso mehr freute sich Ritter Sport über den erneuten Sieg gegen die Warentester: „Die Entscheidung ist richtig. Sie zeigt, auch Stiftung Warentest darf nicht willkürliche Behauptungen in die Welt setzen, die jeder Grundlage entbehren“, sagte Thomas Seeger, Leiter Recht bei Ritter Sport. „Der Vorwurf der Verbrauchertäuschung fällt damit am Ende auf Stiftung Warentest zurück.“

Neben Schadensersatzforderungen können beide Firmen jetzt auch Anwaltskosten geltend machen und zusätzlichen Aufwand im Rahmen eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens, das die Lebensmittelüberwachung auf den Plan gerufen und „viel Staub aufgewirbelt“ habe, sagte Sattler. Dieses Verfahren sei inzwischen eingestellt.

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19 Kommentare zu "Stiftung Warentest vs. Ritter Sport: Voll auf die Nuss"

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  • Unabhängig wie man den konkret vorliegenden Sachverhalt beurteilen mag, ich schätze es nicht, dass die Stiftung
    Warentest -ein halbstaatlicher Laden mit gewisser arroganter Bürokratenmentalität- so viel Meinungsmacht hat. Warum sollte ein renommiertes Computermagazin Computer und Software weniger gut beurteilen können als die allgemein aufgestellte Stiftung Warentest. Ähnliches gilt für den Lebensmittelsektor und andere Bereiche. Zu viele Deutsche haben unkritisch und unreflektiert schon fast mehr Ehrfurcht vor dem Urteil der Stiftung Warentest als vor Gott im Himmel. Die Proportionen stimmen da einfach nicht mehr. Jeder muss wissen: Auch bei der Stiftung Warentest walten nur Menschen, die irren, fehlen oder falsch gewichten können.

  • Ritter Sport hat eine zugelassene Zutat verwendet. Dafür die Ware auf Mangelhaft abzuwerten ist für mich unverhältnismäßig. Natürlich darf die Stiftung Warentest auf diese Zutat hinweisen, wenn sie denn durch eine Analyse feststellt, dass diese in der Ware enthalten ist. Man kann drüber streiten ob dann eine Abwertung um eine Stufe gerechtfertigt ist. Das Vorgehen der Warentester würde ich als weltverbesserliche Maßnahme bezeichnen.

  • Wieder haben Richter gegen Menschen entschieden, weil sie nichts befürchten müssen. Wieder muss man zur Kenntnisnehmen, Natur ist auf Anweisung der Richter nicht Natur. Kein Wunder, wenn unsere Lebensmittel immer mehr nur noch Chemie ist. Wenn ich mich erinnere stellt man Kekse aus Holzspäne, Farbe, Kleister, Aromastoffe(Chemie) her und darf dies als natürlich bezeichnen. Das ist aus meiner Sicht menschenverachtend!

  • Stiftung Warentest hat für mich in diesem Zusammenhang keine Bedeutung.

    Interessant finde ich vielmehr Organisationen wie Fooodwatch.

  • Das haben Sie schön gesagt : die Behauptung der Wahrheit durch Testinstitute.
    Mit anderen Worten ob es wahr ist oder nicht spielt überhaupt keine Rolle. Hauptsache es hat wer behauptet es wäre die Wahrheit.
    Fakt ist, die Stiftung Warentest hat es gar nicht überprüft ob es natürliche Aromen sind oder nicht, sondern einfach mal so behauptet.
    Die Kommentare der Anwälte der Stiftung sind ein Armutszeugnis sondergleichen.

  • Komisch wie sich die Wahrnehmung zu dem Thema unterscheiden kann.
    Ich für meinen Teil stehe voll hinter Ritter Sport und halte die Stiftung Warentest für absolut unglaubwürdig.

  • Dann haben sie offensichtlich überhaupt gar nicht verstanden um was überhaupt ging.
    Den genau das ist nämlich das Probem.
    Stiftung Warentest hat sich nämlich nicht abgesichert und hat lediglich behauptet es könne kein natürliches Aroma sein. Einfach mal so behauptet. Hat der Anwalt der Stiftung ja selber zugegeben.
    Für mich ist Stiftung Warentest absolut unglaubwürdig geworden!

  • In der heutigen Zeit ist eine Einrichtung wie die Stiftung Warentest eine unverzichtbare Orientierungshilfe, die ich gerne in Anspruch nehme. Aufgrund der immensen Außenwirkung muss sich die Stiftung deshalb aber auch ihrer großen Verantwortung hinsichtlich ihrer Prüfmethoden bewusst sein. Man kann mE nicht ein Produkt mit mangelhaft bewerten, nur weil man vermutet, dass naturidentische Aromen verwandt wurden, die chemisch exakt die gleiche Zusammensetzung haben wie Naturaromen und deshalb auch nicht nachgewiesen werden können. Wenn also die Stiftung Warentest solche Vorwürfe Ritter gegenüber erhebt, dann muss sie auch den Nachweis erbringen, dass Symrise als Zulieferer nur naturidentische Aromen verkauft. Wären diese Aromen allerdings gefährlich oder auffällig geworden, hätte man sie bestimmt schon längst vom Markt genommen und damit das Lebensmittelangebot glatt halbiert. Auch andere Schokoladenhersteller verwenden zusätzliche Aromastoffe zur Geschmacksverstärkung, wie sie auch in unglaublich vielen Lebensmitteln zur Anwendung kommen. Deshalb kommt mir diese Abwertung etwas heuchlerisch vor und das Urteil eigentlich als gerecht. Trotzdem glaube ich, liegt in der Lebensmittelbranche noch Vieles im Argen: Genverändertes und bestrahltes Material, Analogkäse, Sägmehl im Joghurt, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Leider kommt die Politik dem Regulierungsbedarf nicht nach. Auf den gelegentlichen Genuss von Schokolade werde ich aber trotzdem nicht verzichten, es gibt Ungesünderes...

  • Ich war immer ein Fan von Ritter Sport Marzipan
    Ritter Sport Nougat und auch die weissen Ritter Sport.
    Grad die weiße Schokolade hat sich in den letzten 20 Jahren in meiner subjektiven Wahrnehmung geschmacklich merklichst verändert. Aber das ist natürlich subjektiv da die Geschmacksnerven einer Einzelperson nichts sagend sind.

  • Das Zeug von Ritter "Sport" schmeckt überhaupt nicht und ist total überzuckert. Wer sowas trotzdem ißt, braucht auch nicht über Zusatzstoffe zu meckern.

    Das Urteil konnte aber wohl nicht anders ausfallen. Stiftung Warentest war in der Beweislast.

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