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Strategie Berater unterschätzen häufig den Faktor Familie

Teuer und wirkungslos: externe Strategieberater haben bei vielen Familienunternehmen einen schweren Stand. Die Chefs halten lieber an Bewährtem fest. Doch langsam setzt ein Umdenken ein.
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Der Autobauer gibt sein Managment-Wissen an Familienunternehmen weiter. Quelle: dpa

Der Autobauer gibt sein Managment-Wissen an Familienunternehmen weiter.

(Foto: dpa)

BIETIGHEIM-BISSINGEN. "Wir waren ziemlich beratungsresistent“, räumt Bernard Meyer, Chef der Meyer-Werft, freimütig ein. Schließlich hat das Papenburger Familienunternehmen über sechs Generationen so manchen Sturm aus eigener Kraft überstanden. Mit externen Beratern hatten die Schöpfer der kussmundigen Aida-Luxusliner bis vor kurzem keine guten Erfahrungen gemacht. Meyer: „Die Wirkung verpuffte einfach zu schnell.“

Die Traditionswerft ist kein Einzelfall. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, hat es selbst mehrfach erlebt: Strategieberatungen stellten zwar Honorare in Millionenhöhe in Rechnung, konnten aber letztlich in Familienunternehmen nichts bewirken. Der Grund: Die meisten großen Beratungen stülpen den Unternehmen ihre Standardmethoden über, lassen aber den Faktor Familie völlig außer Acht. Hinzu kommt: Bodenständige Unternehmer lassen sich von „Consultish“ und Powerpoint eher abschrecken. „Die meisten Familienunternehmen lassen keine Strategieberater über ihre Schwelle“, beobachtet Hennerkes. Zumal sie die Tagessätze von Beratern internationaler Häuser als horrend empfinden.

Generell gilt: Familiengeführte Firmen lassen sich nur ungern von Externen in die Karten und damit zugleich in ihr Privatvermögen schauen, bestätigt Tom Rüsen vom Institut für Familienunternehmen der Universität Witten. „Familienunternehmer brauchen keine Legitimation von McKinsey & Co.“, betont Rüsen. Sie treffen ihre unternehmerischen Entscheidungen selber – gegen alle Widerstände und Zweifler. Sie schließen sich eben nicht jeder Berater- und Managementmode an. Das macht oft ihren Erfolg aus.

Aber hier liegt auch die Gefahr. Rüsen: „Gerade Gründer neigen dazu, an Erfolgsmustern der Vergangenheit festzuhalten. Häufig fehlt ihnen der kritische distanzierte Blick.“ Gerät ihre Firma ins Schlingern, schaffen es viele nicht, das Steuer rechtzeitig loszulassen und sich die Hilfe eines erfahrenen Lotsen an Bord zu holen. Die globale Krise hat aber einen Nebeneffekt: „Weil viele Firmen in Not gerieten, ist es keine Schande mehr, sich kurzzeitig Hilfe ins Haus zu holen, etwa in Gestalt eines Sanierer“, so Rüsen.

Weit weniger Berührungsängste haben Familienunternehmen heute mit Spezialberatungen – etwa für IT, Vertrieb, Prozessoptimierung, Einkaufsmanagement oder Nachfolgeregelungen. Sie geben handfeste Ratschläge, die konkret auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und sich in barer Münze auszahlen. Porsche Consulting, die die Meyer-Werft heute in Sachen „Kaizen“ berät, kann mit einem zusätzlichen Pfund wuchern: Sind sie doch selbst Familienunternehmen und haben alle Methoden im eigenen Hause erprobt.

Mandate in Familienfirmen ergattern Berater ohnehin fast nur über persönliche Empfehlungen anderer Unternehmer. Peter Liebert, Geschäftsführer von Erdinger Weißbier, hat sich vor dem Auftrag an Porsche Consulting genau vergewissert: „Wir haben uns selbst angeschaut, wie zufrieden die Mitarbeiter von Porsche-Kunden waren.“Etliche aus der Erdinger Belegschaft waren anfangs argwöhnisch gegenüber den Beratern. Die Erfolge überzeugten schließlich auch Skeptiker. Trotzdem war eins für Erdinger ganz wichtig: „Die Porsches irgendwann wieder vom Hof zu kriegen.“

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