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Finanzierung Eigenkapitaldecke des Mittelstands schrumpft

Die historisch dünne Kapitaldecke des deutschen Mittelstands schrumpft. Im internationalen Vergleich waren die kleinen und mittleren Unternehmen des Bundesgebiets zwar nie mit einer hohen Eigenkapitalausstattung gesegnet. Seit rund 18 Monaten sprechen Experten jedoch von einer ausgeprägten Krisensituation.
  • Axel Bauer
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Viele Mittelständler fürchten um ihre Eigenkapitaldecke. Quelle: dpa

Viele Mittelständler fürchten um ihre Eigenkapitaldecke.

(Foto: dpa)

KÖLN. Eine Lösung des Finanzierungsproblems von Mittelständlern sind Kapitalangebote professioneller Eigenkapitalgeber. Im Wesentlichen kommen sie von halb-öffentlichen mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) sowie von den sparkassen- und genossenschaftsbanknahen Beteiligungsgesellschaften. Darüber hinaus gibt es auch einige wenige private Kapitalgeber, die bankenunabhängig und ohne Rücksicht auf etwaige Kreditengagements des Mutterhauses agieren.

Die Kapitalspritze einer Beteiligungsgesellschaft geht meist über die reine Finanzierung hinaus: Ein Unternehmen wird im Vorfeld der Investition sorgfältig geprüft und während der Beteiligungsphase in den strategischen Fragen der Unternehmensführung begleitet. Das Beteiligungsunternehmen stellt sein Netzwerk zur Verfügung und vermittelt in Einzelfällen auch Beratungsleistungen. Diese können sich auf Controlling-Fragen beschränken, laufen allerdings auch auf eine Unterstützung bei der Absatzsteigerung hinaus. Denn beide Seiten haben ein großes Interesse daran, die Profitabilität des Unternehmens nachhaltig zu steigern.

Was zuerst verlockend klingt, ist für viele kleine und mittlere Unternehmen allerdings oft reine Theorie. Die meisten Kapitalanbieter definieren den Mittelstand ab 25 Mio. Euro Umsatz und versuchen, entsprechend größere Volumen bei den Zielunternehmen zu platzieren. Denn mit zunehmender Beteiligungshöhe sinkt der relative Prüfungsaufwand. Kaum eine Beteiligungsgesellschaft investiert daher kleine Tranchen - die Mindestsumme liegt meist bei 500 000 Euro. Kleine Unternehmen bleiben dabei häufig auf der Strecke, weil sie als Investitionsziel vermeintlich uninteressant gelten. Dann muss der Staat einspringen und bietet so genannte Beteiligungsgarantien für Kapitalgeber an. Im Fall der Insolvenz des Zielunternehmens erhält die betroffene Beteiligungsgesellschaft dann bis zu 80 Prozent des investierten Kapitals vom Staat zurück. Hierdurch sinkt das Ausfallrisiko ganz erheblich und macht die Investition in mittelständische Unternehmen deutlich attraktiver. Und der Aufwand, der bei einer Beteiligungsprüfung entsteht, kann auch bei kleinen Losgrößen durchaus gerechtfertigt werden.

Diese Beteiligungsgarantien sind jedoch Subventionen, die der Kontrolle durch die Europäische Union unterliegen und sie seit Mitte 2007 neu bewertet. Bestehenden Förderangebote der Bundesländer müssen seitdem neu notifiziert werden. Lediglich Niedersachsen kam dem schon nach. Auch die KfW bestätigte auf Anfrage, dass ihr Garantieprogramm derzeit überarbeitet wird. Es steht aktuell nicht für neue Anträge offen.

Diese Situation ist jedoch fatal: Denn die Zeit drängt, der deutsche Mittelstand sieht schwierigen Zeiten entgegen und kann jede Unterstützung gebrauchen. Die Krise wird in den Bilanzen des Jahres 2009 bei vielen Mittelständlern Schrammen hinterlassen und die Kreditwürdigkeit weiter verschlechtern. Einzig frisches Eigenkapital ist die Rettung aus der Misere. Die Beteiligungsgesellschaften stehen den Mittelständlern zwar Gewehr bei Fuß. Zuvor müssen sie aber die Rechtslage bei den Beteiligungsgarantien klären. Im besten Fall finden sie eine bundesweit einheitliche Regelung - möglichst unter Einbindung der KfW.

Axel Bauer ist Vorstand und Geschäftsführer der MIDAS Unternehmensgruppe.

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