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Kapital Derzeit ist Cash das Unternehmensziel Nummer eins

Viele Unternehmen könnten ihre Liquidität verbessern, wenn sie das im Vermögen gebundene Kapital – das Working Capital – besser nutzen würden. Laut einer Studie machen aber nur wenige Firmen von dieser Möglichkeit Gebrauch.
  • Chris Löwer
1 Kommentar
Hochregallager sind für moderne Produktionsbetriebe unverzichtbar: Kurze Lagerzeiten können die Liquidität beträchtlich erhöhen.

Hochregallager sind für moderne Produktionsbetriebe unverzichtbar: Kurze Lagerzeiten können die Liquidität beträchtlich erhöhen.

BERLIN. Helmut Schreiner vertraut lieber auf eigene Kräfte statt auf Banken zu bauen. Der Geschäftsführer der Schreiner Group GmbH & Co. KG in Oberschleißheim weiß, wie man im Unternehmen schlummernde Kapitalreserven hebt, ohne den Rotstift kreisen zu lassen: Working Capital Management (WCM) heißt sein Zauberwort. Dabei geht es darum, so wenig Geld wie möglich in der Firma arbeiten zu lassen, damit es für Investitionen frei wird. Viele Unternehmen verschenken aber kostbare Liquiditätsreserven, wie eine Studie der Managementberatung Horváth & Partners zeigt. Danach erreichen nur fünf Prozent der befragten Unternehmen eine dauerhafte Reduzierung des Working Capital und somit eine Umwandlung gebundenen Kapitals in Liquidität.

Nicht so beim Familienunternehmer Schreiner, das unter anderem Produktetiketten und Identifikationssysteme entwickelt. Er verfolgt einen umfassenden Ansatz, um auch im letzten Winkel der Firma nicht mehr Geld als nötig schlummern zu lassen. „So tragen kurze Durchlaufzeiten und schnelle Produktionsprozesse zu einer Reduzierung der Lagerkosten bei“, berichtet er. Zur Liquiditätssteuerung zählt auch, Mindestbestände und Obergrenzen bei der Lagerhaltung genau festzulegen und tagesgenau zu überwachen.

Auf diese Weise lassen sich die finanziellen Mittel optimal einsetzen und schlummern nicht im Lager. „Durch die Integration der Lieferanten in die Wertschöpfungskette waren weitere Lagerreduzierungen möglich“, berichtet Schreiner. Zusätzlich wurde über eine Standardisierung der Produkte die Materialvielfalt verkleinert, was eine höhere Umschlaghäufigkeit mit sich brachte. Schreiner: „Dadurch konnten die Kosten für das Rohmateriallager um 20 Prozent gesenkt werden.“ Und: Über Lean Management hat das Familienunternehmen die Durchlaufzeiten um 20 Prozent reduziert. „In der Summe wurde das Working Capital bereits um 17 Prozent verringert“, bilanziert Schreiner, der keinen Liquiditätsengpass mehr fürchten muss.

Doch dürfe man nicht übertreiben, warnt Schreiner: „Zu kleine Lager gefährden kurze Lieferzeiten.“ Und beim Rechnungen eintreiben ist Fingerspitzengefühl gefragt: „Zu strenges Forderungsmanagement kann Kunden kosten.“

Gleichwohl ist die Erfahrung von Roland Schwientek, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger und verantwortlich für die Bereiche WCM und Einkauf, dass viele Familienunternehmer von sich aus viel zu früh Rechnungen zahlen. In der Regel bereits nach 21 Tagen.

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1 Kommentar zu "Kapital: Derzeit ist Cash das Unternehmensziel Nummer eins"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die idee, Rechnungen erst später zu bezahlen, mag kurzfristig die eigene Liquidität schonen. Es ist ansonsten aber kurzsichtig. Denn die Liquidität des Lieferanten sinkt in gleichem Maße. Zur Regel gemacht, wird nichts gewonnen. im Gegenteil: es steigen die Rechtsdurchsetzungskosten.

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