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Strategien mit Zukunft Familienfreundlichkeit rentiert sich

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Erstmals konnte nun in einer Untersuchung wissenschaftlich klar belegt und nicht nur vermutet werden: Familienbewusste Unternehmen sind klar messbar wirtschaftlich erfolgreicher. Die Studie des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP), eine Kooperation der Universität Münster und der Steinbeis-Hochschule Berlin, liegt dem Handelsblatt vorab exklusiv vor.

Helmut Schneider, Studienleiter und Professor für Betriebswirtschaft an der Steinbeis-Hochschule Berlin, erläutert die Methodik: "Erstens haben wir untersucht: Bei welchen betriebswirtschaftlich relevanten Faktoren gibt es durch Familienbewusstsein positive Effekte? Und zweitens: Wie stark sind diese Effekte?"

Dazu haben Schneider und sein Team 1 001 Unternehmen aus allen Branchen und Größenklassen detailliert unter die Lupe genommen: Wie familienbewusst sind die Unternehmen und wie gut schneiden sie bei wirtschaftlich bedeutsamen Faktoren ab? "Für die Messung des Familienbewusstseins haben wir auf den erprobten Beruf-und-Familie-Index zurückgegriffen", erklärt Schneider. Das Viertel der Firmen mit dem höchsten Familienbewusstsein wurde dann der Vergleichsgruppe mit dem niedrigsten Familienaffinität gegenübergestellt.

Das Ergebnis dürfte selbst Skeptiker überzeugen: In 21 von 25 betriebswirtschaftlich relevanten Faktoren waren deutlich positive Einflüsse durch Familienbewusstsein festzustellen. Im Schnitt erreichten die familienbewussten Unternehmen um 15 Prozent bessere Werte als die nicht familienbewussten Firmen (siehe Grafik).

So gelingt es familienaffinen Unternehmen beispielsweise besser, wichtige Mitarbeiter zu binden und damit nachhaltig Wissen aufzubauen (+ 23 Prozent). Zugleich steigen Motivation und Produktivität (jeweils + 17 Prozent), Ausfallzeiten durch Krankheit oder Elternzeit sinken um jeweils 16 Prozent. Außerdem erhalten familienbewusste Arbeitgeber deutlich mehr Bewerbungen auf wichtige Stellen (+ 26 Prozent). Die Studie zeigt, familienbewusste Personalpolitik ist eine effektive Investition für die Firmen und nicht unter die Rubrik "Gutmenschentum" abzuhandeln, kommentiert Becker von Beruf und Familie.



Für Christian Rödl, Geschäftsführender Partner der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner, war schon immer klar: "Familienfreundlichkeit rentiert sich für uns, da brauche ich gar nicht mit spitzem Bleistift nachzurechnen - die Vorteile sind so offenkundig. Jeder investierte Euro zahlt sich vielfach aus." Und die internationale Kanzlei aus Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Anwälten hat so einiges investiert. Vor drei Jahren baute sie inmitten des Nürnberger Stammhauses mit seinen 650 Mitarbeitern eine hochmoderne Krippe für Kinder von null bis drei Jahren. Eine Investition von etwa 120 000 Euro. Betrieben wird die Krabbelkita vom Bayerischen Roten Kreuz. Rödl: "Eltern zahlen dort Marktpreise, wir subventionieren nur indirekt, da uns Mieteinnahmen von 20 000 Euro im Jahr entgehen."

Die Kita fiel bei den Mitarbeitern auf fruchtbaren Boden. "Seitdem wir die Krippe haben, erlebt unsere Kanzlei einen Babyboom", witzelt Rödl, dessen zehn Monate alte Tochter ebenfalls seit kurzem die hausinterne Krippe besucht. Die Kita stärke spürbar das Bewusstsein für Kinder in der Kanzlei. Auch Mandanten fragten schon an, wie sie selbst Krippen für ihre Mitarbeiter einrichten könnten.

Früher fehlten die Mütter oft drei Jahre in der Kanzlei, heute kommen sie meist nach einem Jahr Elternzeit oder sogar früher zurück. "Da liegen Welten dazwischen", sagt Rödl. Die Studie von Ökonom Schneider untermauert dies mit Fakten: In familienbewussten Unternehmen liegt die Rückkehrquote aus der Elternzeit im Schnitt 19 Prozent höher als bei Unternehmen ohne Familiensinn. Ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung: "Vorher haben die Mütter fachlich oft den Anschluss verloren, denn das Steuerrecht entwickelt sich rasant. Viele sind deshalb dann ganz zuhause geblieben," erinnert sich Rödl. "Doch wir können uns nicht leisten, auf die Hälfte der High Potentials zu verzichten."

Fallen solch hochqualifizierte Mitarbeiter familienbedingt aus, fällt für die Wirtschaftskanzlei ein sehr wichtiger Umsatzträger weg. Zumal die Bindung zu den Mandanten sehr bedeutsam ist. Rödl: "Es ist teuer, gute Mitarbeiter zu ersetzen, man betrachte nur die Kosten für Headhunter oder Anzeigen, die Einarbeitung, die Unruhe unter den Kollegen." Davon abgesehen investiert die Kanzlei ganz erheblich in die Mitarbeiter, von denen sich viele über mehrere Jahre zum Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Fachanwalt ausbilden lassen. Um Mitarbeitern auch als Eltern das Weiterarbeiten zu erleichtern oder überhaupt zu ermöglichen, hat Rödl zudem über 50 000 Euro in ein hochsicheres Homeoffice-Netz investiert. Das kommt auch Mitarbeitern ohne Kinder zu Gute.

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