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Strategien mit Zukunft Familienfreundlichkeit rentiert sich

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Trotz aller finanziellen Zuschüsse: Was für Christian Rödl in Sachen Familienbewusstsein wirklich zählt, ist die Unternehmenskultur, die innere Einstellung. "Die Kita ist da nur ein Sahnehäubchen." Ob diese innere Einstellung stimmt, zeigt der tagtägliche Lackmus-Test: Ist zum Beispiel ein Kind krank, ist dies gegenüber Mandanten keine Entschuldigung. Rödl: "Dann halten die Mitarbeiter im Team zusammen und fangen den Ausfall auf."

Die kinderfreundlichen Angebote haben in der stark männer- und vollzeitdominierten Branche die Runde gemacht. "Wir können leichter gute Leute rekrutieren", erzählt Rödl. "Familienfreundlichkeit ist für uns ein großes Plus auf dem Arbeitsmarkt." Und interessierte Bewerber bekommen regelmäßig Gelegenheit, sich mit den Mitarbeitern, die Kinder haben, zu unterhalten. Die sind glaubwürdiger als jeder noch so bunte Hochglanzprospekt über Familienfreundlichkeit. Rödls Fazit: "Unternehmen können sich heute nicht leisten, Familie zu ignorieren. Ansonsten geraten sie im Wettbewerb um die besten Köpfe ganz schnell ins Hintertreffen."

In den deutschen Unternehmen hat ein Umdenken eingesetzt. Stefan Becker von Beruf und Familie erinnert sich: "Noch vor zehn Jahren war der dominierende Tenor der Wirtschaft: Der Staat und der Einzelne sind in der Verantwortung, aber doch nicht die Arbeitgeber. Seitdem hat ein Paradigmenwechsel begonnen hin zu gemeinsamer Verantwortung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie."

Doch noch immer spukt in einigen Arbeitgeberköpfen herum, Unternehmen würden allzu einseitig die Last für Mitarbeiter mit Familie tragen. Als "unzumutbar" kritisierte etwa Dieter Hundt, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeber (BDA), jüngst die von der EU-Kommission angedachte Verlängerung der Mutterschutzfrist um vier Wochen. Schon heute zahlten die deutschen Betriebe 1,6 Mrd. Euro im Jahr für die Lohnfortzahlung während der 14-wöchigen Mutterschutzzeit. Nun würden sie noch um 500 Mio. Euro mehr im Jahr belastet, klagte der BDA-Präsident.

Doch längst nicht alle Arbeitgeber denken in erster Linie an finanzielle Belastungen, wenn es um Familien geht. Wolfgang Malchow, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von Bosch und selbst Vater zweier Kinder, betont: "Bei uns ist Familienfreundlichkeit Chef- und Herzenssache zugleich. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Privates gut miteinander in Einklang bringen." Wer Wert legt auf motivierte Mitarbeiter, muss ihnen auch entsprechende Angebote zur Vereinbarkeit machen.

Erst recht in Zeiten, in denen der Nachwuchs knapper wird." Für den Bosch-Geschäftsführer ist Familienfreundlichkeit in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden: "Nicht mehr nur Gehalt, Dienstwagen und Aufstiegschancen spielen eine Rolle bei der Arbeitgeberwahl. Auch Kinderfreundlichkeit und flexible Arbeitszeiten sind wichtige Entscheidungskriterien."

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