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Strategien mit Zukunft Familienfreundlichkeit rentiert sich

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Bosch ist hier seit vielen Jahren engagiert. So kehren Mitarbeiter im Schnitt bereits nach sechs bis zwölf Monaten aus der Elternzeit zurück. Denn für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren gibt es an 14 Standorten Kooperationen mit kommunalen Einrichtungen, wurden Elterninitiativen gegründet und sind Tagesmütter im Einsatz. Becker von Beruf und Familie sagt: "Eine Kooperation mit Partnern vor Ort ist oft viel sinnvoller, als eine eigene Kita oder ein eigenes Ferienprogramm für Mitarbeiterkinder zu stemmen. Jeder Arbeitgeber für sich ist überfordert, aber jeder ist gefordert - weil alle letztlich profitieren."

Wichtiger als der bloße finanzielle Einsatz sei ein generelles Umdenken, insbesondere bei Führungskräften, betont Bosch-Geschäftsführer Malchow. "Wir wollen Vorurteile abbauen und mit positiven Beispielen interne und externe Skeptiker überzeugen." Besonders stolz ist er darauf, dass auch immer mehr Männer in Elternzeit gehen. Im ersten Halbjahr 2008 waren es 330 Väter. Im gesamten Vorjahr waren es insgesamt 200, ein Jahr zuvor erst 50 Väter. Zwei Drittel der Väter nehmen sogar mehr als die üblichen zwei "Papa-Monate".

Doch auch nach der Kleinkindzeit will Bosch die Eltern nicht im Regen stehen lassen. Eine Teilzeit-Offensive soll dabei helfen. So wird die Zahl der Stellen in Voll- und Teilzeitvariante erhöht. Malchow berichtet: "Damit sprechen wir eine bisher völlig vernachlässigte Bewerbergruppen an: junge Väter und Mütter."

Bosch hat die Erfahrung gemacht, dass Teilzeitkräfte überdurchschnittlich flexibel sind. Für viele sei es selbstverständlich, wegen wichtiger Veranstaltungen oder in intensiven Projektphasen auch mal an Tagen ins Büro zu kommen, an denen sie normalerweise nicht arbeiten. Am Ende sei entscheidend, ob das Ergebnis rechtzeitig erreicht werde, weniger wie und wo. Malchow: "Teilzeitkräfte gehen häufig noch effizienter mit ihren Zeitfenstern um." Fazit: Familienbewusstsein rentiert sich für Unternehmen - und muss noch nicht einmal viel kosten.

Wenig Aufwand - große Wirkung

Arbeitgeber können viel für ihre Mitarbeiter mit Familie tun, ohne dafür große Summen aufwenden zu müssen. Pfiffige Ideen und vor allem flexiblere Arbeitsabläufe bringen meist mehr als teure Investitionen nach dem Gießkannenprinzip. Hier ein paar Beispiele - Nachmachen erwünscht.

Flexible Arbeitszeiten

So banal es klingt: Gleitzeit und flexible Pausen sind oft die einfachsten und trotzdem wirkungsvollsten Methoden, um Mitarbeitern zeitliche Freiräume zu ermöglichen. Dann können sie Kinder von Tagesmutter, Kindergarten oder Schule abholen oder Arzttermine mit pflegebedürftigen Angehörigen wahrnehmen - ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber Arbeitgeber und Kollegen. Voraussetzung ist Kollegialität im Team, damit jeder flexible Pausen machen kann. Vertretungen müssen klar geregelt sein, sonst leidet das Betriebsklima. Besonders familienfreundlich: wichtige Meetings zeitlich so terminieren, dass Eltern und alle Teilzeitkräfte problemlos teilnehmen können.

Längere Elternzeit mit Rückkehrrecht

Häufig möchten Eltern länger als die gesetzlich zugesicherten drei Jahre in Teilzeit arbeiten. Doch bis zur Rente auf Vollzeit verzichten, wie es das Teilzeitgesetz vorsieht? Darauf wollen sich viele Eltern dann doch nicht einlassen. Eon Ruhrgas etwa geht weit über die gesetzlich festgelegte Dauer hinaus und bietet seinen Mitarbeitern fünf bzw. sechs Jahre Elternzeit mit Wiedereinstellungsgarantie.

Familienessen in der Kantine

Was arbeitenden Eltern am meisten fehlt, ist gemeinsame Zeit mit der Familie. Gerade vielbeschäftigte Väter kommen oft noch nicht einmal dazu, ihren Kindern "Gute Nacht" zu wünschen. Die Versicherung Huk-Coburg und andere Firmen bieten deshalb ihren Mitarbeitern an, in der Betriebskantine gemeinsam zu essen und so tagsüber Zeit verbringen zu können. Mitarbeiter des Kieler Wulff Textil-Service können das Essen auch mitnehmen und fürs Wochenende einfrieren - so haben sie wieder mehr Zeit für die Familie.

Ferienaktionen für Kinder.

Wohin mit den Kindern, wenn Schulferien sind? Immer mehr Unternehmen bieten Aktionen für Schüler in den Ferien. Evonik organisiert in Degussa-Tradition sogar einen internationalen Schüleraustausch unter Mitarbeiterkindern. Positiver Nebeneffekt: Der weltweite Zusammenhalt im Unternehmen steigt.

Bündnisse schmieden

Im Alleingang ist es für Unternehmen oft schwierig, Initiativen für Familien zu starten. Viel effektiver ist es , von den Erfahrungen anderer zu lernen. In den 518 "Lokalen Bündnissen für Familie" engagieren sich bereits 4 500 kleine, mittelständische und große Betriebe. Sie profitieren gegenseitig von Know-how und Angeboten für Kinderbetreuung, flexible Randzeitenbetreuung oder Weiterbildungs- und Wiedereinstiegsprogrammen für Elternzeitler. Auch das Programm "Erfolgsfaktor Familie" fördert den Ausbau der betrieblich unterstützten Kinderbetreuung und familienfreundlicher Arbeitszeiten. Im angeschlossenen Netzwerk engagieren sich heute über 2 000 Betriebe.

Eltern-Kind-Zimmer

Mitarbeiter können im Notfall ihre Kinder in die Firma mitnehmen - etwa wenn die Tagesmutter krank ist oder die Schule für einen Brückentag dicht macht. Der Erlanger Hersteller von Spezialbrennern Promeos etwa hat eine Spielecke eingerichtet, die von vielen Schreibtischen aus einsehbar ist. So können die Eltern ungestört arbeiten und haben zugleich ein Auge auf den Nachwuchs.

Azubi-Teilzeit-Tandems

Auszubildende mit Nachwuchs haben es oft schwer, Lehre und Kind zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Die Folge: Viele brechen ihre Ausbildung ab. Beim Werkzeug- und Maschinenbauer Aschenbrenner aus Kirchhain können Azubis mit Kind in 30 Stunden Teilzeit ihre Lehre machen und sich sogar als Tandem eine Stelle teilen. Katrin Terpitz

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