„Thermoburn" in Australien Unfälle mit Thermomix – Vertriebsfirma muss Millionenstrafe zahlen

Die Kultküchenmaschine von Vorwerk sorgte in Australien für Unfälle. Jetzt muss die dortige Vertriebsfirma eine Millionenbuße zahlen, weil der Rückruf zu spät kam.
1 Kommentar
Thermomix: Millionenstrafe in Australien wegen defekter Geräte Quelle: dpa
Thermomix von Vorwerk

Mit einer Vorgängerversion des TM5 gab es in Australien Sicherheitsprobleme. Der Rückruf kam zu spät.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Thermomix, die Kultküchenmaschine des deutschen Herstellers Vorwerk, steht weltweit für Qualität und deutsche Ingenieurskunst – entsprechend hoch ist der Preis. Das neueste digitale Modell TM 5 wird für stolze 1199 Euro verkauft. Mit einem Vorgängermodell, dem TM 31, gab es allerdings Sicherheitsprobleme. In Australien verbrühten sich Kunden wegen eines defekten Dichtungsrings, weil Flüssigkeit beim Kochen herausspritzte. Die Fälle machten unter dem Begriff „Thermoburn“ Schlagzeilen.

Die australische Verbraucherschutzbehörde ACCC hatte im Namen von mindestens 14 nachgewiesenen Geschädigten bis vor dem Bundesgerichtshof in Melbourne gegen die unabhängige Vertriebsgesellschaft Thermomix in Australia (TiA) geklagt. TiA räumte nun Versäumnisse ein und einigte sich am Mittwoch auf eine Strafzahlung von 4,6 Millionen australische Dollar, umgerechnet rund 2,9 Millionen Euro.

Das Management von Thermomix in Australien habe von den Sicherheitsproblemen gewusst, aber nicht gehandelt, kritisierte Bundesrichter Bernhard Murphy laut „Sydney Morning Herald“. „Das ist ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz“, lautet das harsche Urteil des Richters. „Eine große Zahl von Verbrauchern war dem Risiko schwerer Verbrennungen ausgesetzt.“

Der Thermomix-Hype ist offenbar vorbei

Der Thermomix-Hype ist offenbar vorbei

Der Richter kritisierte das Management scharf: „Sie haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben sich bewusst entschieden, die Kunden nicht zu informieren.“ Nach australischem Recht muss ein Rückruf bei Sicherheitsproblemen binnen 48 Stunden erfolgen. Die Probleme waren nach Eingeständnis von TiA seit Juli 2014 bekannt. Der Rückruf war jedoch erst September 2014 getätigt worden. Rückerstattungen waren verweigert worden.

 „Es tut uns sehr, sehr leid und wir entschuldigen uns bei jedem, der zu Schaden kam“, sagte Bianca Mazur, Managerin von Thermomix in Australien. Die Vertriebsfirma hat den rund 9400 Kunden, die das Modell im fraglichen Dreimonatszeitraum 2014 arglos gekauft haben, angeboten, ihr Altgerät gegen ein digitales Neugerät einzutauschen.

Der Hersteller des Thermomix, das deutsche Familienunternehmen Vorwerk aus Wuppertal, äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt zu den Vorkommnissen. Der Fall betreffe ausschließlich den australischen Markt und den dortigen unabhängigen Vertriebspartner TiA. Vorwerk habe im September 2014 im Rahmen seines kontinuierlichen Qualitätsmanagements festgestellt, dass bei einigen wenigen TM31 der Dichtungsring im Deckel nicht einwandfrei funktioniert.

Daraufhin habe man einen vorsorglichen Warnhinweis veröffentlicht, alle Kunden einer bestimmten Produktionscharge angeschrieben und den Dichtungsring der Geräte kostenlos ausgetauscht. In Australien wurde der Austausch von TiA als dort verantwortlicher Distributor durchgeführt. „Der gesamte Austausch ist in enger Abstimmung mit den zuständigen deutschen und europäischen Behörden geschehen und wurde von Vorwerk im Jahr 2015 erfolgreich abgeschlossen“, betonte ein Vorwerk-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

Der TM31 sei bei sachgerechter Nutzung einwandfrei sicher. „Im Einzelfall können wir aber eine Fehlbedienung, wie zum Beispiel ein Überfüllen des Mixtopfes, nicht ausschließen.“ Das gelte für den Thermomix genauso wie für jedes andere Koch- oder Küchengerät. Vorwerk arbeitet in Australien weiter mit der unabhängigen Vertriebsgesellschaft TiA zusammen, bestätigte der Sprecher auf Anfrage.

Die Hype um die Kultküchenmaschine bekommt damit einen weiteren Dämpfer. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass der Absatz 2017 offenbar zurückgegangen ist. „Nach den beachtlichen Steigerungen im Berichtsjahr und in den Vorjahren erwarten wir für den Bereich Thermomix für das Jahr 2017 bei einem beträchtlichen Absatzrückgang eine deutliche Abschwächung im Umsatz“, hieß es im Konzernlagebericht 2016 des Teilkonzerns Vorwerk Elektrowerke.

Die Küchenmaschine Thermomix, die 2014 beim Umsatz erstmals den Staubsauger Kobold überholte, ist der große Umsatzbringer von Vorwerk. Sie erwirtschaftete 2016 mehr als 40 Prozent des Gesamterlöse der Vorwerk-Gruppe von 3,1 Milliarden Euro. Insgesamt hat Vorwerk bislang weltweit deutlich mehr als drei Millionen Thermomix TM5 verkauft, allein in Deutschland waren es mehr als eine Million der digitalen Küchenmaschine.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
Startseite

1 Kommentar zu "„Thermoburn" in Australien: Unfälle mit Thermomix – Vertriebsfirma muss Millionenstrafe zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Vertriebsfirma muss Millionenstrafe wegen defekter Thermomix-Geräte zahlen"

    Früher nannte man so etwas Risiko-Optimierung

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%