Trigema-Chef Die heile Welt des Wolfgang Grupp

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„Ich bin doch nicht besoffen, ich bin doch normal“
Seinen 70. Geburtstag feierte Textilunternehmer Grupp unter anderem mit einem Affen, der Trigema bereits als Werbefigur diente. Quelle: dpa

Seinen 70. Geburtstag feierte Textilunternehmer Grupp unter anderem mit einem Affen, der Trigema bereits als Werbefigur diente.

(Foto: dpa)

Es führt also kein Weg drum herum: Nachdem Grupp ausführlich seine Idee erläutert hat, persönlich haftenden Inhabern von Firmen die Hälfte der Einkommensteuer zu erlassen, um durch mehr Verantwortung „Gier und Größenwahn“ zu stoppen, muss man ihn fragen: Hat er keine Sorge, skurril zu wirken? „Ist doch lächerlich, das ist doch alles Presse, ich bin doch nicht besoffen, ich bin doch normal“, sagt er zunächst, bis man nachhakt. Ein Wolfgang Grupp mache nichts umsonst, meint er dann und spricht über die kostenlose Werbung, die ihm die Berichte bringen, die Marotten. „Der Bekanntheitsgrad von Trigema ist nicht nur Werbung, sondern auch unbezahlte PR, egal ob das der Butler war, der Hubschrauber oder der Swimmingpool, der 45 Meter lang ist. Wenn man schreibt, der hat ein viereckiges Schwimmbad, das liest doch keiner. Ich bringe das in den Zusammenhang mit: garantiert Arbeitsplätze, hat noch nie jemanden entlassen - den Werten, die dahinterstehen.“

Diese Werte, die kann er am besten draußen zeigen, in seinem Wald. Also geht man zum Hinterausgang, zur Garage und steigt in seinen Lada mit Allradantrieb. Fährt über Waldwege, passiert funkgesteuerte Tore bis hin zur Alpe, dem Unterstand für die vier Traktoren. Dann zu Fuß weiter in den Wald. Wolfgang Grupp redet über Verantwortung, kommt auf Adolf Merckle, den Gründer von Ratiopharm. Ein königlicher Kaufmann, findet Grupp, der dann „in der Gier“ sein Vermögen verspekuliert habe. Merckle habe sich selbst gerichtet, formuliert Grupp. Dass sich der Unternehmer 2009 umgebracht hat, als die Firma verspielt schien, nötigt Grupp Respekt ab. Über die anderen aber, die keine Verantwortung übernehmen, die Banker, die Versager vom gescheiterten Daimler-Chrysler-Größenwahn, erregt er sich gleich wieder so lautstark, dass eine recht große Gruppe Rotwild ins Unterholz flieht. Grupp hält inne, zeigt auf ein paar Kötel am Waldboden: „Losung“, bemerkt er waidmännisch.

Wolfgang Grupp – der Schneider von Burladingen

Denn eigentlich will Grupp ja zeigen, weshalb er ein „Dümpler“ ist, wie er sagt. Weshalb die letzten veröffentlichten Bilanzen im Bundesanzeiger vor der Umfirmierung zum eingetragenen Kaufmann nur Stagnation zeigen: Grupp spricht gerne von einem Umsatz von 100 Millionen Euro, doch konsolidiert sind es netto nur 50 Millionen, davon mehr als zehn von den paar Tankstellen, die Grupp nebenbei betreibt. Der Rest kommt aus inzwischen 46 eigenen Geschäften und aus der Produktion. Weil Grupp als so ziemlich einziger in der Branche noch Stoffe selbst webt, färbt und vernäht, arbeiten so viele Mitarbeiter in Deutschland für so wenig Umsatz. Ein bis zwei Millionen Euro Gewinn kamen in den letzten veröffentlichten Bilanzen dabei rum, stagnierend, dümpelnd eben.

Die Marke, vor einem Vierteljahrhundert noch bei mehreren Bundesliga-Vereinen auf der Brust, hat inzwischen nur noch einen Werbeträger: Wolfgang Grupp. 45 Jahre lang habe er keinen Verlust geschrieben, dass man anderes gelesen hat, schiebt Grupp auf Sonderabschreibungen, die will er operativ nicht gelten lassen.

Das Entrée von Grupps Berghütte wirkt wie ein Luxus-Kuhstall
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66 Kommentare zu "Trigema-Chef: Die heile Welt des Wolfgang Grupp"

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  • Trigema, immer ein beruhigender Kauf. Und gute Ware.

     
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ich bewundere Herrn Grupp auch, aber ich sehe auch täglich wie die Welt von ein paar
    wenigen gierigen Menschen weiter zerstört wird.
    Leider können sich immer weniger die Trigema Bekleidung leisten und Arbeitsplätze
    sind unserer Regierung sowieso nichts wert
    Wir müssen Banken retten weil sie für unser System notwendig sind, koste es was es
    wolle. Auch die Arbeitsplätze bei Praktiker, Bahr oder Schlecker interessieren nicht
    nur noch Effizienz und Börsenkurse

  • Das große Geld verdienen einfache Arbeitnehmer hierzulande z.B. bei McDonald, DHL und bei Wach- und Sicherheitsunternehmen, richtig? Oder doch eher unqualifizierte Bankangestellte und Versicherungsagenten in dem unwissenden Sparern Schiffs- und sonstige Schrottbeteiligungen als risikofreie Altersvorsorge vermittelt werden.

    Trigema zahlt entsprechend den gültigen Tarifvereinbarungen der Branche und entlang diesen Vereinbarungen verdient niemand das "große Geld". Wie überhaupt Arbeiter und Angestellte noch nie das große Einkommenslos gezogen haben.

  • AN MENSCHEN (1)
    DIE NOCH MENSCHEN SIND!
    zur Kenntnisnahme:
    Wir stehlen den Drittländern ihre Werte, bezeichnen sie als Wilde und Kriminelle, mauern uns mit der Beute ein, hinterlassen der Zukunft unseren Atommüll, setzen
    unseren, von uns selbst, verschütteten und vergewaltigten Kindern, allabendlich Hörner auf,
    und sagen uns untereinander:
    WARUM AUFREGEN WIR HABEN DOCH ALLES WAS WIR BRAUCHEN HAUPTSACHE:
    ES GEHT UNS GUT!
    Gleichzeitig rauchen, saufen und drögelen sich Jugendliche in ihrer AUSSICHTSLOSIGKEIT, hochverschuldet aus Frust mit dem Blick in der Erwartung einer trostlosen Zukunft und MANGELNDER LIEBE zu, oder nehmen sich gleich das Leben!
    Mit anderen Worten:
    NACH UNS DIE SINTFLUT!

    Vetternwirtschaft (hoch 3)
    BEI UNS BLEIBT ALLES
    BEIM GUTEN (beim Alten)!

    VERDECKTE DIKTATUR
    Monopolgesellschaften
    manipulieren die Preise für
    GRUNDBEDÜRFNISSE
    vergiften die Nahrung,
    ERPRESSEN UND UNTERDRÜCKEN DAS VOLK!

    MENSCHENRECHTE
    werden nur vorgeheuchelt und mit Füßen getreten!

    DENUZIANTENTUM UND MOBBING BLÜHT
    Verhaltensgestörtheit und Heuchelei prägt das Stadtbild!

    VIEL ARBEIT
    für die Sklaven,
    die nicht arbeiten
    zählen die Goldbarren,
    KEIN GELD
    für die Armen,
    zuviel zum sterben,
    zuwenig zum leben!
    KEINE ZEIT
    für Liebe!
    GESUNDHEIT
    gleich NULL !

    GELD UND SEX
    die Formel für
    MACHT
    und Unterdrückung!
    HIERACHIEGEHABE
    Bei den Affen
    zählt noch Persönlichkeit,
    Bei den Leuten, defekten Gehirnen
    das Diplom
    (Merkfähigkeit ohne Intelligenz)

    UND ZU GUTER LETZT TV
    vormittags, abends und zwischendurch: KÜCHENDRAMAS,
    abends:
    Erbärmlich,
    Pistölchen in Bankerkleidung
    JAMES BOND, HORROR GRUSELKABINETT und
    KAPUTTE FAMILIENGESCHICHTEN, TRAGÖDIEN
    lassen grüßen zur besten Sendezeit
    FRAGEN SIE IHREN ARZT ODER APOTHEKER (am besten gehen sie gleich zum PSYCHIATER)
    statt auf dem
    SOFA ZUR VOLKSVERDUMMUNG,
    statt Wertevermittlung
    BEWEGUNSKRÜPPEL,
    invalid und sterbenskrank!
    RANHALTEN, AUSHALTEN
    UND'S MAUL HALTEN
    Glauben, Beten, warten?
    Besser:
    WISSEN, HANDELN, STARTEN!
    wenn nicht jetzt wann

  • Dieser Artikel des HB ist mir zu spöttisch verfasst, das erwartet man eigentlich von der linken TAZ...
    Herr Grupp ist ein Ausnahmeunternehmer in Deutschland, der in einem sehr schwierigen Umfeld erfolgreich agiert. (...)

    Ich verbeuge mich von Herrn Grupp, der auch die Kommentarfunktion mit seinen Ausführungen belebt hat. Ein toller Unternehmer, ein Vorbild für alle Neugründer in dieser geschundenen Republik.


    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • In der Tat stellen die Aussagen von Herrn Grupp eine interessante Abwechslung dar zu dem immergleichen, eintönigen und flachen Manager-Gefasel von Leuten, die kein eigenes Risiko tragen und sich selbst nach ihrem Scheitern den Abschied noch versilbern lassen.
    Ein Großteil der Unternehmensphilosophie von Herrn Grupp hebt sich wohltuend davon ab und ist absolut respektabel.

    Wo man ihm aber einen Vorwurf machen kann: Herr Grupp baut offensichtlich (wie so viele) keinen Nachfolger auf. Trigema ist zu 100 Prozent auf ihn zugeschnitten.
    Bei den mittlerweile über 70 Jahren, die Herr Grupp auf dem Buckel hat, würde ich mir als Arbeitnehmer sehr genau überlegen, was die Zukunft bringt und wie es mit Trigema weitergehen könnte.
    Was ist mit der Arbeitsplatzsicherheit der 1.200 Beschäftigten, wenn Herr Grupp notgedrungen irgendwann das Unternehmen nicht mehr führen kann?

    Jedenfalls, bevor es soweit ist und Trigema den Bach runtergeht, werde ich mir noch den einen oder anderen Artikel aus den Testläden zulegen.

  • "Ein Außenhandelsüberschuss ist exportierte Arbeitslosigkeit"

    Was für Deutschland stimmt.


  • Schwachmaten an der Besserwisser- Front.

    Habt ihr schon mal Trigemaproduktelüber einen längeren Zeitraum getragen ?. Ich schon, und mäkele nicht rum.

    "HB Haus-Vollprallis sehen die Welt halt aus der Grottenmolchperspektive".


  • Schwachmaten an der Besserwisser- Front.

    Habt ihr schon mal Trigemaproduktelüber einen längeren Zeitraum getragen ?. Ich schon, und mäkele nicht rum.

    "HB Haus-Vollprallis sehen die Welt halt aus der Grottenmolchperspektive".

  • Nach BWLer-logik DARF Trigema gar nicht erfolgreich sein, weil es die dem BWLer heilige Forderung von Expansion und Wachstum nicht erfüllt.
    Die Idee der Grundversorgung mit qualitativ hochwertigen und langlebigen Waren ist die Bedrohung des Prinzips der Eroberung. Das lässt sich ja auch auf europäischer Ebene derzeit beobachten, die Expansion gibts hauptsächlich auf Kosten anderer in entwickelten Industriestaaten wie in der EU. Das Wachstum der Einen ist die Verdrängung der Anderen, und die Banken verdienen immer mit.
    Sehr angenehm, daß es noch Leute wie Grupp gibt, die sich dem verweigern und trotzdem erfolgreich sind. Ein echter Unternehmer, der noch aufs Ganze schaut und nicht nur seinen persönlichen Vorteil aus schnellen Gewinnen. In der Öffentlichkeit hier in D werden solche Leute, also echte Unternehmer leider meistens mit Managern auf eine Stufe gestellt, die grundsätzlich:
    1. Niemals persönlich haften
    2. Abzocken was geht
    3. keinerlei Hemmungen haben nach zwei Jahren zur Konkurrenz zu wechseln, wenn die mehr zahlt
    4. Praktisch null Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern zeigen, wenns nicht der Vermehrung des Gewinnes dient
    usw.

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