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Vaude-Chefin Antje von Dewitz „Die CO2-Steuer sehe ich als Innovationsmotor“

Die Unternehmerin fordert ein Umsteuern in der Klimapolitik. Im Interview spricht sie über Fleecejacken aus Holzfasern und Diskussionen am Mittagstisch.
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Antje von Dewitz: „Die CO2-Steuer sehe ich als Innovationsmotor“ Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt
Antje von Dewitz

Die Vaude-Chefin engagiert such für einen stärkeren Klimaschutz.

(Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt)

Frau von Dewitz, gehen bei Ihnen in der Firmenzentrale von Vaude in Tettnang am 20. September die Lichter aus?
Zum weltweiten Protesttag für den Klimaschutz werden wir auf jeden Fall ein klares Zeichen setzen. Diese Woche werden wir gemeinsam im Team entscheiden, was wir genau machen werden.

Was war für Sie der Anstoß, Teil der „Entrepreneurs for Future“ zu werden?
Es gab die konkrete Anfrage vom Bundesverband der grünen Wirtschaft bei der Bewegung mittelständischer Unternehmer für den Klimaschutz mit zu machen. Sie rannten bei uns offene Türen ein, weil wir uns bereits seit vielen Jahren für nachhaltiges Wirtschaften und umweltbewusste Outdoor-Produkte engagieren. Denn wir wollen nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein.

Was tut Vaude denn heute schon für den Klimaschutz?
Vor zehn Jahren habe ich die Firmenleitung von meinem Vater übernommen. Damals habe ich mit meinem Team beschlossen, dass unser Unternehmen durch und durch nachhaltig werden soll. Die ersten fünf Jahre waren extrem anstrengend. Und es war kostspielig, für uns als Mittelständler alle Prozesse im Unternehmen und die Firmenkultur entsprechend zu verändern.

Und ist es Ihnen gelungen?
Wir haben viel erreicht, vor allem in den letzten fünf Jahren haben sich unsere Anstrengungen immer mehr ausgezahlt. Unser eigenes, strenges Bewertungssystem für umweltfreundliche und faire Produkte namens Green Shape hat sich im Handel und beim Kunden etabliert. Mittlerweile tragen 98 Prozent unserer Bekleidung das Label, das den gesamten Produktlebenszyklus umfasst. Seit 2012 sind unser Firmenstandort in Tettnang und alle dort hergestellten Produkte klimaneutral. Und mit unseren Fleece-Jacken aus Holzfasern, die kein Mikroplastik in den Gewässern freisetzen, ist uns eine große Innovation gelungen.

Welche weiteren Schritte haben Sie für die kommenden Jahre geplant?
Wir arbeiten daran, dass alle unsere Produkte von Regenjacken über Rucksäcke bis zu Zelten in den nächsten fünf Jahren aus recyceltem Material oder Naturstoffen hergestellt werden. Als weiteres großes Ziel machen wir uns auch künftig für die Kreislaufwirtschaft und ein langes Leben unserer Produkte stark. Wir haben eine hauseigene Reparaturwerkstatt, stellen Reparaturanleitungen und Ersatzteile über die Online-Plattform iFixit zur Verfügung und bieten die Möglichkeit, unsere Ausrüstung zu mieten.

Wie schaffen Sie es, ihre Lieferanten in Asien zu überzeugen?
Wir setzen auf Zusammenarbeit und entwickeln gemeinsam mit unseren Lieferanten neue, umweltfreundliche Materialien. Wir erklären ihnen den Hintergrund und den Nutzen und überzeugen sie davon, ihre Produktion zu verändern und auch ihre Vorlieferanten zu beeinflussen. Es ist toll, dass wir als vergleichsweise kleiner mittelständischer Auftraggeber so viel bewegen können.

Welchen Wert haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Ihrem persönlichen Leben?
Einen ganz großen Wert! Mein Sohn ist Vegetarier und entwickelt sich gerade zum Veganer. Mein Mann ist in seinem ersten Beruf Metzger. Sie können sich vorstellen, was es da für Gesprächsstoff bei uns am Mittagstisch gibt. Auch ich muss mich vor ihm immer wieder rechtfertigen, da ich zwar selten, aber noch ab und zu Fleisch esse. Außerdem bauen wir privat gerade eine sehr kleine Ökolandwirtschaft auf.

Können Sie nachvollziehen, dass der Klimaaktivistin Greta Thunberg so viel Hass entgegenschlägt?
Ja, das kann ich mir vorstellen. Auch wir haben in den vergangenen Jahren viel Gegenwind erlebt, weil wir kritische Themen offen ansprechen oder Haltung beziehen wie bei der Integration von Geflüchteten.

Was sind die Hauptverdienste der „Fridays for Future“-Proteste der Schüler?
Das Bewusstsein, dass die Zeit drängt und endlich gehandelt werden muss, hat sich bei einer breiten Bevölkerung verankert. Zugleich hat die Offenheit für Klimaschutz-Gedanken in der Politik und in den Unternehmen extrem zugenommen. Das sehen wir auch daran, dass wir inzwischen häufig als Vorbild und Mutmacher für andere Unternehmen eingeladen werden.

Müsste die Politik mehr tun, um der globalen Erderwärmung entgegenzuwirken?
Keine Frage! Eine CO2-Steuer wäre der wichtigste Schritt. Nur so kann es gelingen, dass auch Produkte wie beispielsweise Flugreisen endlich so viel kosten, wie es dem wahren Wert entspricht.

Aber eine solche Steuer wird von vielen in der Wirtschaft vor allem als Belastung kritisiert.
Mittel- bis langfristig ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die CO2-Steuer sehe ich als Innovationsmotor für die Wirtschaft. Die Unternehmen müssen sich dann darauf konzentrieren, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die umweltfreundlich, aber auch wirtschaftlich sind. Damit machen Sie sich fit für die Zukunft.

Frau von Dewitz, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Prominente Unternehmer solidarisieren sich mit den Schülern von „Fridays for Future“. Am 20. September werden einige sogar ihre Niederlassungen schließen.

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