Vorwerk Kobold ist in Deutschland ein Sorgenkind

Die Vorwerk-Gruppe schreibt mit Staubsaugern in Deutschland rote Zahlen. Binnen zehn Jahren hatte sich der Umsatz des Familienunternehmens im Inland halbiert. Darauf reagiert der Staubsaugerhersteller nun und stellt den Vertrieb um.
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Montage eines "Kobold" - Staubsaugers. Quelle: dpa

Montage eines "Kobold" - Staubsaugers.

(Foto: dpa)

WUPPERTAL. Das Staubsaugergeschäft der Wuppertaler Vorwerk-Gruppe ist in Deutschland gehörig unter Druck geraten. Der Umsatz seiner Marke Kobold ist im Heimatmarkt um sieben Prozent auf 200 Mio. Euro gesunken, teilten die drei persönlich haftenden Gesellschafter der Vorwerk & Co. KG, Walter Muyres, Peter Oberegger und Reiner Strecker auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens mit. Damit habe sich der Umsatz mit dem bekanntesten Produkt des 1883 gegründeten Familienunternehmens im Inland binnen zehn Jahren halbiert. Vorwerk gehört der Familie Mittelsten-Scheid.

Kobold in den roten Zahlen

Aufgrund von Sonderaufwendungen für den Umbau des Vertriebs schrieb Kobold in Deutschland 2009 sogar einen „merklichen Verlust“, wie Strecker sagte. Konkrete Angaben zur Ergebnisentwicklung macht Vorwerk nicht. Bei Staubsaugern ist Vorwerk nach eigenen Angaben die Nummer drei in Deutschland nach Siemens und Miele, aber noch vor Dyson. Der Marktanteil wird auf neun Prozent beziffert.

Die Restrukturierung des Staubsaugervertriebs in Deutschland dürfte auch auf das Ergebnis vor Steuern der gesamten Vorwerk-Gruppe durchgeschlagen haben, das im zweistelligen Prozentbereich gesunken ist, während der Umsatz um sieben Prozent auf 2,27 Mrd. Euro zurückgegangen ist.

Zur Gruppe gehören neben dem Staubsaugergeschäft noch die Bereiche Haushaltsgeräte (u.a. Thermomix), Kosmetika (Jafra Cosmetics), Teppiche, Gebäudedienste (Hectas) und die akf Bankgruppe. Der Umsatzrückgang der Teppichsparte machte dem Unternehmen ebenfalls zu schaffen, vor allem aber das geringe Neugeschäft der auf die Finanzierung mittelständischer Unternehmen spezialisierten akf Bank. Dagegen konnte im Direktvertrieb, also dem Geschäft an der Haustür, mit Elektrogeräten wie dem Küchenhelfer Thermomix der Umsatz gesteigert werden.

Während die Staubsaugersparte in Deutschland mit Absatzproblemen kämpfte, legte sie im Ausland ordentlich zu. Denn insgesamt konnte die Staubsaugersparte mit einem Anteil von 30 Prozent den Umsatzes der gesamten Gruppe stabil halten.

Für 2010 zeigt sich die Vorwerk-Führung optimistisch und rechnet wieder mit einem Umsatz- und Ergebnisplus in der Gruppe. Das sei auch ein Erfolg der Umstrukturierung, betonte Finanzchef Strecker. In der Verwaltung fallen in Deutschland wegen der Absatzprobleme mit dem Kobold 160 Stellen weg. 2009 sind am Wuppertaler Firmensitz bereits 30 Stellen gestrichen worden. Außerdem gab es einige Monate Kurzarbeit in den Werken. In Deutschland beschäftigt Vorwerk knapp 8 000 Mitarbeiter, konzernweit sind es 22 000. Weltweit sind für Vorwerk 611 000 Menschen tätig, davon 31 500 Vertreter für Haushaltsgeräte und 558 000 bei Jafra Cosmetics.

Der Vertrieb des Kobold in Deutschland – seit 80 Jahren unangetastet – wird komplett neu ausgerichtet. Zwar wird am Direktvertrieb grundsätzlich festgehalten, doch wird er durch das Onlinegeschäft und neue Läden ergänzt. Erstmals können Kunden dann auf den Hausbesuch eines Staubsaugervertreters verzichten. Noch in diesem Jahr sollen in Berlin, München und Wuppertal „Flagship-Stores“ eröffnet werden, in denen Vorwerk seine Marken präsentieren will.

Umstellung auf Festgebiete

Der Tür-zu-Tür-Vertrieb des Kobold durch 2 000 Vertreter wird zudem „von Rotation auf Festgebiete“ umgestellt. Ein Konzept, das dem von Versicherungen ähnelt. Vorwerk verspricht sich davon eine größere Attraktivität für den Job des Vertreters, der nun außerdem auch Zubehör verkaufen kann. Dies ist notwendig, denn diese werden gesucht: „Wir könnten locker 4 000 aufnehmen“, sagte Muyres.

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3 Kommentare zu "Vorwerk: Kobold ist in Deutschland ein Sorgenkind"

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  • VORWERK ist und bleibt der Staubsaugerhersteller in Deutschland mit der besten Qualität. Klar, der Kobold ist nicht für jeden bezahlbar. Wenn man aber auch nach 10 Jahren mit fast der gleichen Saugleistung arbeiten kann, haben sich zu diesem Zeitpunkt andere schon drei neue Sauger kaufen müssen. ich bin gespannt, ob das neue Vertriebssystem mit regionalen, festen Ansprechpartnern das deutsche Familienunternehmen wieder beflügelt.

  • Dyson zeigt den Deutschen auf ihrem ureigensten Feld, technische innovation und Erfindungen, wie man sowas macht.
    Den Vorwerk Leuten sollte mal jemand erklären das Telefone auch keine Wählscheibe mehr haben.

  • Kleine Kobolde sind keine kleine iRobot´s. Kobold schlief. Andere werden einfach besser und haben höhere Produktionszahlen. Also schlicht ein Mangel an innovation und Produktion. Lediglich das bewährte Direktvertriebsmodell ist noch ein Wachstumsanker.

    VORWERK könnte mit Forschungseinrichtungen sicher Robotiksauger mit Wohnungsüberwachungsfunktionen (Option, Modellalternativen) herstellen. Gmeinsam mit einem Massenhersteller sicher auch zu auskömmlichen Kosten.

    Vielleicht wartet VORWERK aber noch auf einen Prinzen, wie es Schneewittchen tat ...

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