Auf dem Weg nach Teheran Deutschen Firmen lockt das große Geschäft

Der deutschen Industrie eröffnet sich ein neuer Markt: Iran. Nach Jahren der Isolation mangelt es dem Land an vielem: Autos, Maschinen, Kraftwerken. Technik „made in Germany“ hat einen guten Ruf, doch die Konkurrenz wächst.
Die deutschen Unternehmen hoffen auf Straßen- und Tunnelprojekte. Quelle: dpa
Tohid-Tunnel in Teheran

Die deutschen Unternehmen hoffen auf Straßen- und Tunnelprojekte.

(Foto: dpa)

München, Frankfurt, DüsseldorfWolfgang Bernhard hat keine Zeit verstreichen lassen. Kaum waren in der Nacht Ende Januar die Sanktionen gegen Iran gefallen, da saß der Chef der Daimler-Lastwagensparte schon im Flieger in Richtung Teheran. Flugs waren zwei Verträge unterschrieben. Schon bald werden die Stuttgarter in Iran wieder Motoren, Achsen und Lastwagen fertigen. „Es besteht ein großer Nachholbedarf für Nutzfahrzeuge, allen voran Lkws“, freut sich Bernhard. Denn die Laster mit dem Stern hätten in Iran „seit jeher einen hervorragenden Ruf“.

Für Daimler ist es eine Rückkehr in bekannte Gefilde. Bis zum Beginn des Embargos im Jahr 2010 haben die Schwaben vor Ort Lastwagen gefertigt. Dann versank die Fabrik im Dornröschenschlaf: Die Maschinen wurden sauber in Kisten verpackt, die Belegschaft nach Hause geschickt – aber vom iranischen Staat weiterbezahlt. Denn die Sanktionen, so waren sich alle Beteiligten sicher, sollten nur eine Episode sein. Die Fabrik kann nun zügig wieder angefahren werden.

Heute ist Iran einer der wenigen großen Hoffnungsträger für das Jahr 2016. Während der Boom in China schwächelt und die einstigen Wachstumsmärkte Russland und Brasilien regelrecht abstürzen, ist Teheran das Reiseziel der Wahl. Deutsche Unternehmen verkauften 2014 Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro in die Islamische Republik – allerdings waren es 2005 fast doppelt so viel. Doch der Blick geht nach vorn: Nach Schätzungen der Deutschen Industrie- und Handelskammer könnten es demnächst zehn Milliarden sein. Nach einem Jahrzehnt von Isolierung und Sanktionen mangelt es dem Land an allem: Lastwagen, Autos, Maschinen, Kraftwerke, Medizintechnik und nicht zuletzt Konsumgüter für die 80 Millionen Einwohner, von denen die Hälfte unter dreißig Jahren alt ist.

Diese deutschen Unternehmen drängen in den Iran
Gabriel bei Irans Ministerpräsident Rohani
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Sigmar Gabriel schüttelt dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani zwar schon die Hand, doch noch müssen sich deutsche Unternehmen gedulden. Die Hoffnungen aber sind groß. Der Iran ist ein reiches Land, gemessen an der Kaufkraft lag die Wirtschaftsleistung 2014 hinter Spanien und der Türkei weltweit auf Rang 18. Das Land hat zudem laut US-Energieagentur die weltweit viertgrößten nachgewiesenen Erdölreserven.

Freude nach dem Atom-Abkommen
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Die Erwartungen wachsen allerdings nicht in den Himmel: Vor den Sanktionen 2005 importierte der Iran Waren „Made in Germany“ im Wert von nur rund 4,4 Milliarden Euro. 2014 waren es weniger als 2,4 Milliarden – Rang 50 der deutschen Handelspartner. Am deutlichsten gelitten hätten vor allem Maschinen- und Fahrzeugexporte, schreibt der Deutsche-Bank-Experte Heiko Peters.

Siemens
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„Wir reden hier über 80 Millionen Menschen, die Energieversorgung benötigen, die natürlich auch Gesundheitsversorgung brauchen, die im Öl- und Gasgeschäft wieder auf die Beine kommen wollen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Chancen habe der Elektrokonzern durchaus. Ab 2010 hatte Siemens keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr angenommen – das Umsatzvolumen wurde damals auf rund eine halbe Milliarde Euro beziffert.

Autokonzerne
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Die deutschen Autohersteller geben sich vorsichtig. Man sei erst am Anfang, heißt es bei BMW, bei VW werden erste Gespräche auf politischer Ebene geführt. Laut Daimler-Chef Dieter Zetsche sind die Nutzfahrzeuge der Stuttgarter im Land begehrt. Branchenkenner sind aber skeptisch, ob deutsche Oberklassewagen im Iran schnell viele Käufer finden.

Chemiebranche
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Die deutsche Chemie bewertet die jüngste Entwicklung wohlwollend. Es könne sich „nur belebend“ auswirken, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann. Die Branche habe in der Region eine „lange Tradition“. Das gilt seit den 1970er-Jahren auch für den Konsumgüterkonzern Henkel. „Derzeit erwirtschaften wir in dem Land einen dreistelligen Millionenumsatz und sind zuversichtlich, dass wir dort auch weiter wachsen werden“, sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. Henkel ist Rorsted zufolge im Iran führend bei Waschmitteln, aber auch gut im Rennen im Geschäft mit Klebstoffen.

SAP
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Auch Softwarekonzerne stehen im Iran in den Startlöchern. SAP-Finanzchef Luka Mucic meint: „Der Iran kann für uns ein sehr interessanter Markt werden. Historisch haben wir im Iran eine Industriestruktur, die uns bei SAP entgegenkommt, eine starke Öl- und Gasindustrie etwa.“

Münchener Rück
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Unter den Finanzunternehmen verspricht sich der weltgrößte Rückversicherer Munich Re einiges. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Rückversicherer dort eine Rolle spielen“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard.

Die deutsche Industrie hat den Kontakt nicht abreißen lassen. Zwar haben Daimler und Siemens – auch mit Blick auf mögliche Verwerfungen mit den US-Behörden – ihre Beziehungen zu Teheran offiziell komplett gekappt. Andere wie der Stahlkonzern SMS oder der Gipshersteller Knauf blieben mit den Büros vor Ort. Es dürfte „nicht schwerfallen“ mit Iran wieder ins Geschäft zu kommen, hatte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard bereits im August gesagt. Vorsichtiger ist die Bankenbranche: Die Institute würden Iran-Geschäfte erst wieder aufnehmen, wenn es Klarheit darüber gebe, welche Transaktionen genau wieder erlaubt seien, sagte ein Sprecher des Privatbankenverbands (BdB) Ende Januar im Gespräch mit dem Handelsblatt. Immerhin wurde die Commerzbank in der Vergangenheit wegen Verstößen gegen US-Sanktionen mit einer Strafe von 1,45 Milliarden Dollar belegt.

Einige Hürden bleiben
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