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Carlos von Hardenberg „Manche Frontier-Märkte profitieren gerade“

Der Fondsmanager über Schwellenländer aus der zweiten Reihe, die mit Ölpreisverfall und Chinas Wachstumsschwäche gut zurechtkommen.
23.09.2015 - 10:47 Uhr
Templeton-Fondmanager Hardenberg: Afrika ist der spannendste Kontinent für ihn derzeit. Quelle: Kerem Uzel/NarPhotos/laif

Templeton-Fondmanager Hardenberg: Afrika ist der spannendste Kontinent für ihn derzeit.

(Foto: Kerem Uzel/NarPhotos/laif)

Der Fondsmanager des US-Fondsanbieters Templeton kennt „seine“ Länder aus der Nähe. Mit dem Handelsblatt telefonierte Carlos von Hardenberg aus seiner Ex-Wahlheimat Istanbul, auf der Durchreise nach Nigeria. Afrika ist derzeit seine Favoritenregion.

Herr von Hardenberg, wie stark leiden die sogenannten Frontier-Länder unter den gleichen Problemen wie die entwickelteren Schwellenländer?
Vom gravierendsten Problem vieler Schwellenländer, dem Verfall der Preise ihrer Exportgüter, den Rohstoffen, sind auch viele Frontier-Länder betroffen. Doch am allerstärksten leiden unter den eingebrochenen Preisen für Rohöl, Eisenerz, andere Metalle sowie Gold und Silber die klassischen Schwellenländer als größte Rohstoffförderer.

Wer ist denn resistent etwa gegen den Ölpreisverfall oder profitiert gar?
Es gibt Netto-Importeure von Rohstoffen unter den Frontier-Ländern wie Kenia, das einer der größten Energieimporteure unter den Ländern ist. Ölexporteur Nigeria geriet schon unter Druck durch den Preisverfall, hat dann aber konsequent auf andere Sektoren wie etwa Dienstleistungen gesetzt. Und Argentiniens Ölförderer etwa bekommen eine Subvention des Staates. Sie werden so gestellt, als läge der Ölpreis bei 75 Dollar je Fass.

Was ist mit der Abschwächung des Wachstums in China?
Wenn der einzige signifikante Wachstumsmotor der Welt schwächelt, leiden alle Länder - auch die Frontier-Staaten. Beispiel Nigeria: Vor rund fünf Jahren hat das Land fast 80 Prozent seines Öls in die USA verkauft, heute geht nahezu alles nach China.

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    Und was bedeutet die US-Zinswende für die Frontier-Länder?
    Viele Länder sind längst nicht mehr so verschuldet wie früher. Die Sparquoten sind relativ hoch, Pensionsfonds stellen zunehmend Kapital zur Verfügung, und China ist ein bedeutender Kapitalgeber und Financier von Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Häfen.

    Welche Länder favorisieren Sie aktuell?
    Meine Lieblingsregion ist derzeit Afrika.

    Und warum?
    Der Kontinent mit seinen über einer Milliarde Konsumenten ist im Aufschwung. Es gibt radikale Reformen in vielen Ländern, die Unternehmensführung verbessert sich, die Börsen haben aber viele Firmen im Konsumsektor übertrieben abgestraft. So will die weltgrößte Brauerei Anbev den Konkurrenten Sab Miller wegen dessen Afrika-Stärke übernehmen.

    Was sind konkret Ihre Lieblingsländer?
    Ghana, Kenia, Nigeria, Ruanda und Tansania. In Lateinamerika sind die anstehenden Wahlen vielversprechend für Argentinien. Und in Asien ist Vietnam das aufstrebende Land, das in der Wertschöpfungskette steil nach oben steigt. Gut ausgebildete Menschen, die Englisch sprechen, ziehen viel Produktion aus China ab, auch weil die Kosten dort deutlich niedriger sind. Auch Bangladesch ist spannend.

    Herr von Hardenberg, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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