Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Diversity 4.0 Auf die Schulbank im Silicon Valley

Die scheinbare Leichtigkeit, mit der Google, Facebook, Apple & Co. ihre Expansionsstrategien umsetzen, löst Neidgefühle aus. Woher kommen Innovationskraft und Reichweite, durch die in kurzer Zeit der Marktwert steigt?
  • Peter Kinne, Hans Strikwerda
Google, Facebook & Co: Woher kommen die Innovationskraft und Reichweite, von der traditionsreiche Dax-Unternehmen nur träumen können? Quelle: Getty Images
Aufsteiger aus dem Valley

Google, Facebook & Co: Woher kommen die Innovationskraft und Reichweite, von der traditionsreiche Dax-Unternehmen nur träumen können?

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfGlobalisierung und Digitalisierung fordern die Wandlungsfähigkeit von Unternehmen heraus. Eine Herkulesaufgabe, die sich nur mit einem guten Diversity-Management bewältigen lässt. Das glauben die beiden Autoren (Diversity 4.0 Zukunftsfähig durch intelligent genutzte Vielfalt), Dozenten und Forscher Peter Kinne und Hans Strikwerda, die für unsere Serie zu globalen Wachstumsmärkten einen Gastbeitrag geschrieben haben. Ihre Botschaft: Die Erkenntnis, dass Innovationskraft und gutes Management nicht mehr auf simplen Kausalitäten beruht, bedarf keiner Reise ins Silicon Valley. Es ist aber allemal spannend, dort nach Anregungen zum Überleben in der Vierten industriellen Revolution zu suchen.

Das kalifornische Silicon Valley erlebt derzeit eine neue Besucherwelle. Vertreter deutscher Organisationen, Firmen natürlich, aber auch Ministerien und sogar Kirchen, kommen, um zu lernen. Oft kommt die oberste Führungsriege. Lernstoff ist die Art und Weise, wie im geistigen Zentrum der digitalen Revolution gedacht und gehandelt wird. Die scheinbar spielerische Leichtigkeit, mit dem die Googles, Facebooks und Apples dieser Welt ihre Expansionsstrategien umsetzen, löst zuweilen Neidgefühle aus. Woher kommen die Innovationskraft und Reichweite, durch die in respektlos kurzer Zeit der Marktwert in Höhen getrieben wird, von der traditionsreiche Dax-Unternehmen nur träumen können?

Innovation im digitalen Wandel erfordert mehr als die Abschaffung der Krawattenpflicht für Manager. Man sollte aber nicht darauf hoffen, den Geist des Silicon Valley in Gänze erfassen und auf die eigenen Verhältnisse übertragen zu können, abgesehen davon, dass die amerikanischen IT-Giganten in der Nutzung datenbasierter Geschäftsmodelle längst einen uneinholbaren Vorsprung haben. Sicher können z.B. Acceleratoren (Programme zur zeitlich begrenzten Zusammenarbeit mit Start-ups) oder Coworking Spaces (kooperative Arbeitsräume) wichtige Impulse liefern. Die eigene, Identitäts- und Kontext-spezifische Change-Strategie können sie nicht ersetzen.

So macht billiges Rohöl den Exporteuren zu schaffen
Ölexporteure in Not
1 von 9

Die starke Verbilligung des Rohöls macht allen Exporteuren zu schaffen - aber durchaus unterschiedlich. „Besonders Länder mit relativ geringen finanziellen Reserven trifft der Ölpreisverfall sehr“, sagte Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi, Anfang Februar im Gespräch mit dem Handelsblatt. Günstiger stünden Länder da, deren Wirtschaft wie etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) besser diversifiziert sei. „Sie haben frühzeitiger Maßnahmen ergriffen, um sich auf die dauerhaft niedrigen Ölpreise einzustellen“, sagt Witte. Eine Übersicht.

Nigeria
2 von 9

Wenn die Staatseinnahmen eines Landes zu mehr als 70 Prozent vom Öl abhängen und der gleiche Rohstoff für praktisch all seine Deviseneinkünfte verantwortlich ist, muss man sich bei einem massiven Einbruch des Ölpreises größte Sorgen um dessen Wirtschaft machen. Nigeria ist dieses Land, Afrikas größte Volkswirtschaft vor Südafrika und Angola. In seiner Not hat Nigeria kürzlich Weltbank und Afrikanische Entwicklungsbank um einen Notkredit in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar gebeten. Damit will die Regierung das stark angewachsene Haushaltsdefizit ausgleichen und die abgestürzte Währung Naira stabilisieren. Zu deren Verteidigung hatte die Zentralbank in den vergangenen 18 Monaten rund neun Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt geworfen - ohne größeren Erfolg.
Eigentlich wäre der Preisverfall eine gute Gelegenheit für Nigeria, die notwendige, aber stets versäumte Diversifizierung seiner Wirtschaft voranzutreiben. Doch davon ist kaum etwas zu spüren. Auf der einen Seite produziert das Land zwei Millionen Barrel Öl am Tag. Auf der anderen Seite befinden sich Nigerias Raffinerien in einem derart maroden Zustand, dass der Ölproduzent noch immer auf massive Benzineinfuhren angewiesen ist.

Venezuela
3 von 9

Als der Linkspopulist Hugo Chávez vor 16 Jahren als Präsident antrat, predigte er, die Wirtschaft diversifizieren zu wollen - weg vom Öl, dem „Exkrement des Teufels“. Doch das misslang gründlich: Heute ist Venezuela abhängiger denn je vom Öl. 85 Prozent der Exporte und die Hälfte der Staatseinnahmen hängen davon ab. Inzwischen ist das Fass venezolanisches Öl nur noch 25 Dollar wert - und das Land steckt in einer tiefen Krise: Es droht eine Hyperinflation, die Wirtschaft steckt seit zwei Jahren in der Rezession. Investoren stellen sich nun die bange Frage: Wird Venezuela seine Anleihen bedienen? Zehn Milliarden Dollar an Rückzahlungen stehen nächstes Jahr für Anleihen des Ölkonzerns PdVSA und des venezolanischen Staates an.

Brasilien
4 von 9

Auch in Rio wurde das Fell verteilt, bevor der Bär erlegt war: Als der staatlich kontrollierte Petrobras-Konzern 2007 die größten neu entdeckten Ölvorkommen der Welt seit mehreren Jahrzehnten verkündete, war für die brasilianischen Politiker ausgemacht, dass man spätestens in einer Dekade zu den ganz großen Ölexporteuren weltweit gehören würde. Daraus wurde nichts: Brasilien kann sich bis heute knapp selbst mit Öl versorgen. Bei einem Ölpreis von unter 40 Dollar ist es viel zu teuer, die Offshore-Vorkommen anzuzapfen. Das Öl bleibt vorerst unterm Meeresboden, Petrobras ist inzwischen marode. Derweil steigt die Inflation: Der Staat muss Geld drucken, um die gewachsenen Staatsausgaben zahlen zu können - ohne die Einnahmen aus der erwarteten Ölproduktion.

Mexiko
5 von 9

Der Staatskonzern Petroleos mexicanos (Pemex) ist nicht nur das größte Unternehmen Lateinamerikas, sondern auch der größte Steuerzahler in Mexiko, rund 40 Prozent des Staatshaushalts steuert der Ölmonopolist bei. Und das vergangene Jahr war das schwärzeste für Pemex seit 1994: Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sanken um 46 Milliarden Dollar, ein Drittel weniger als 2014. In der Folge kündigte die mexikanische Regierung jetzt an, 25.000 Arbeitsplätze zu streichen. 15.000 davon im Staatsdienst. 10.000 Mitarbeiter müssen allein bei Pemex gehen. Der niedrige Ölpreis richtet auch in Mittelamerika volkswirtschaftlichen Schaden an.

Aserbaidschan
6 von 9

Der Export von Öl und Gas machte vor der Krise etwa 80 Prozent der Einnahmen des Staates in Vorderasien aus. „Wir haben etwa 20 Milliarden Dollar pro Jahr durch den Verkauf von Öl eingenommen. Nach dem Preisverfall sind unsere Einnahmen um fünf bis sechs Milliarden Dollar gesunken“, räumte Energieminister Natig Alijew ein. Wegen der schwachen Wirtschaft und der angespannten Haushaltslage verhandelt die Kaukasus-Republik derzeit mit IWF und Weltbank über einen Vier-Milliarden-Dollar-Kredit.

Russland
7 von 9

Der Staatshaushalt basiert nur noch knapp zur Hälfte auf den Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Rohstoffe. Zudem hat Moskau in besseren Zeiten ein Sicherheitspolster angelegt - durch den Abbau von Schulden und die Schaffung eines Reservefonds. Dennoch ist auch hier die Lage ernst. Die seit Jahren geforderte Umstrukturierung und Modernisierung der Wirtschaft hat nicht stattgefunden, die von Präsident Wladimir Putin bei seiner Wiederwahl 2012 versprochenen 25 Millionen High-Tech-Arbeitsplätze sind nach wie vor Fiktion. Die Konsequenz: Die Wirtschaft trudelt gemeinsam mit dem Ölpreis neuen Tiefs entgegen. Der Rubel hat stark nachgegeben, der private Konsum ist eingebrochen, auch dem Staat sind wegen der fallenden Öleinnahmen die Hände bei den Investitionen gebunden. Finanzminister Anton Siluanow warnte vor einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 2,5 bis 2,7 Prozent, sollten sich die Ölpreise nicht erholen.

Die wahren Herausforderungen liegen außerdem tiefer. Noch nie waren Erfolgsfaktoren so unscharf und widersprüchlich. Wandel zu gestalten ist nach einer Korn Ferry-Studie mit 7.500 Führungskräften die aktuell wichtigste Anforderung an Entscheiderinnen und Entscheider. Die Mehrheit glaubt jedoch nicht, dass die eigene Gilde diese Anforderung erfüllen kann, was angesichts der neuen Paradoxien nicht weiter verwundert:

Kreativität – klar, Effizient – selbstredend, Freiräume gewähren – eine Kernanforderung, Kontrolle ausüben – geht nicht ohne. Agilität – super wichtig, Stabilität – braucht man auch. Neues Wissen erwerben – zukunftsweisend, altes Wissen ausschöpfen – bringt aktuell den Cash.

Genauso ist der Glaube an die Wirksamkeit firmeneigener Entwicklungsmaßnahmen ist begrenzt. Auch Personalentwickler stehen vor völlig neuen Herausforderungen! Jeffrey Pfeffer, einer der besten Kenner der Materie, ist der Meinung, dass die sehr gut laufende „Leadership-Industrie“, zu deren Kunden die Personalentwickler gehören, gescheitert ist – unter anderem deswegen, weil Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung nicht nach ihrer Wirkung in der Organisation, sondern dem Feedback der Teilnehmer beurteilt werden – Zitat: „Measuring entertainment value produces great entertainment, not change.“

Wie wird Scheitern bewertet?
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%