Indien im Aufbruch „Unser Boom ist Eure Chance“

Indien hat das jüngste Finanzbeben besser als andere Schwellenländer überstanden – und Deutschland könnte daran verdienen. Doch auf dem Weg nach oben gibt es auch große Rückschläge.
Der Subkontinent Indien mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen hat einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung hingelegt. Quelle: dpa

Der Subkontinent Indien mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen hat einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung hingelegt.

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BerlinWer erwartet hat, Jyotsna Suri und Anurag Singh Thakur würden nach dem Finanzbeben der vergangenen Tage in vielen Schwellenländern mit gesenktem Haupt durch Berlin laufen, wird positiv überrascht. Die Chefin des indischen Industrieverbandes FICCI und der führende Politiker der Regierungspartei BJP sprühen geradezu vor Optimismus. „Das ganze Land ist im Aufbruch“, sagt Suri. Indien werde auch die jüngsten Turbulenzen überstehen und seinen Aufstieg fortsetzen. Suri und Thakur führen eine Gruppe von indischen Politikern und Wirtschaftsvertretern an, die für ihre Gesprächspartner in der deutschen Hauptstadt vor allem eine Botschaft haben: „Indien boomt und Deutschland kann daran verdienen.“

Ganz so reibungslos, wie die beiden "Botschafter" des indischen Subkontinents behaupten, läuft es natürlich nicht. Auch Indien hat unter der jüngsten Finanzkrise gelitten. So ist die Landeswährung Rupie in den von China ausgelösten Abwertungssog geraten und im Vergleich zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Auch das Wirtschaftswachstum erhielt mit einem Plus von „nur“ sieben Prozent im zweiten Quartal einen kleinen Dämpfer, hatte doch die Regierung in Delhi mit 7,5 Prozent gerechnet. „Das Fundament der Wirtschaft ist sehr stark“, sagt Thakur, „die Probleme kommen von außen.“

Tatsächlich hat der Subkontinent mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Menschen seit dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg hingelegt. Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ist Indien im Moment die einzige Wachstumsstory der Weltwirtschaft. Zwei Zahlen aus der Finanzbranche machen die Wachstumsdynamik deutlich: Innerhalb eines halben Jahres hätten 170 Millionen Inder erstmals ein Bankkonto eröffnet, berichtet Thakur. Die Versicherungsbranche habe in nur einem Monat 120 Millionen neue Policen abgeschlossen.

Die Brics-Schwellenländer stecken in der Krise
Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika
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Es ist eine radikale Maßnahme: Chinas Notenbanker schwächten vor kurzem die Landeswährung Yuan (Renminbi) per Beschluss so stark wie nie zuvor an einem Tag. Das soll, so Experten, den Export ankurbeln. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kriselt. Und das Reich der Mitte ist nicht der einzige Staat aus der Riege der sonst so selbstbewussten Schwellenländer, der mit Wirtschaftsproblemen zu kämpfen hat. Ein Überblick über die Brics-Gruppe.

Brasilien
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Richtig düster steht es um Brasilien. Die Industrie im fünftgrößten Land der Erde ist in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

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Innenpolitisch ist die Lage ähnlich brisant: Korruptionsskandale reichen in höchste Regierungskreise, und in Umfragen sprechen sich zwei Drittel gegen Präsidentin Dilma Rousseff aus. Dabei muss das Ausrichterland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 dringend sparen und reformieren, denn die Investoren werden zunehmend skeptisch.

Russland
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Die russische Wirtschaft steckt in der Klemme. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Riesenreich mächtig zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen im Zuge der Ukrainekrise. Der zeitgleich schwache Rubel macht alles noch schlimmer und treibt die Inflation auf über 15 Prozent.

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Gleichzeitig wollen die Notenbanker mit möglichst niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. Das aber schwächt den Rubel weiter. Die Folgen sind verheerend: Die russische Wirtschaft ist laut Zahlen vom Montagabend von April bis Juni um fast 5 Prozent geschrumpft.

Indien
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Mit einem jüngst gemeldeten Wachstum von 7,3 Prozent kommt die indische Wirtschaft anscheinend wieder in Fahrt. Doch auch der Zentralbankchef sieht diese Zahlen mit Skepsis, denn die Regierung hat die Berechnungsmethode geändert - und sich mehr als zwei Prozent dazu addiert. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach.

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Und die Opposition legt das Parlament lahm, so dass wichtige Gesetze zum Landerwerb und zur Mehrwertsteuerreform feststecken. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen. Und auf dem Subkontinent steigt die Konsumlaune, was sich etwa an anziehenden Autoverkäufen sehen lässt.

Der Charismatiker Modi aus dem Bundesstaat Gujarat hat mit seinem Reformprogramm im Inland eine Euphorie erzeugt und im Ausland hohe Erwartungen geweckt. „Die Inflation ist unter Kontrolle, die Wirtschaft wächst kräftig“, sagt der BJP-Politiker Thakur. Notenbank-Chef Raghuram Rajan, ehemaliger Chefökonom des IWF, ist es gelungen, die Preissteigerungen auf unter sechs Prozent zu drücken. Allerdings haben die Preise für einige Grundnahrungsmittel in den vergangenen Wochen stark angezogen.

Schwer auszurottende Korruption
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