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Internetdienste Der Charme der Provinz

Das große Rennen: Google und der Rivale Facebook entdecken Indien für sich und stürzen sich fernab der Metropolen auf die Kunden auf dem Subkontinent. Es gleicht einem Schachspiel mit hohen Einsätzen.
11.11.2016 - 10:07 Uhr Kommentieren
350 Millionen Inder besitzen einen Zugang zum Internet. Quelle: Getty Images
Mächtiger Markt

350 Millionen Inder besitzen einen Zugang zum Internet.

(Foto: Getty Images)

Sainthal, San Francisco Der neue Wachstumsmarkt von Google riecht nach Bauernhof. Durch die staubigen Wege des Dorfes Sainthal, etwa anderthalb Autostunden von der Millionenstadt Jaipur entfernt, laufen Kühe und Ziegen. Der einzige Stolz des Städtchens ist ein kleiner Tempel. Wer kann, zieht in eine der Megastädte, um dort sein Glück zu suchen.

Doch abgeschiedene Dörfer wie Sainthal rücken immer stärker in das Interesse der Internetkonzerne. 9.000 Internet-Lehrerinnen hat Google ausgebildet, um Dorfbewohnerinnen Grundlagen über das Internet beizubringen. Als Erstes lernen sie dort, wie man mit Googles Suchmaschine etwas findet. Mit einem Fahrrad klappern die Dozentinnen abgeschiedene Städtchen ab, auf dem Gepäckträger ein Dutzend Smartphones - und damit auch die ganze Welt.

Es ist nur eine Initiative von vielen, mit denen der US-Konzern die Eroberung der indischen Provinz plant. Und Google ist nicht allein: Auch Rivale Facebook stürzt sich auf die abgeschiedenen Kunden auf dem Subkontinent. Wie Google-Chef Sundar Pichai ist mittlerweile auch Mark Zuckerberg ein guter Bekannter von Regierungschef Narendra Modi. Beide suchen den Schulterschluss mit dem Politiker, der mit seiner Initiative "Digital India" die Vernetzung des Subkontinents vorantreiben will. Der indische Internetunternehmer Mahesh Murthy nennt das Rennen um Indien "ein Schachspiel mit hohen Einsätzen".

Die Unternehmen präsentieren sich gerne als Entwicklungshelfer - doch letztendlich geht es um den wichtigsten Zukunftsmarkt der Branche. Erst rund 350 Millionen Inder haben einen Internetzugang, schon damit ist es laut den Vereinten Nationen nach der Zahl der Nutzer der zweitgrößte Markt hinter China. 2020 könnten es 600 Millionen sein. Zwar seien die Umsätze der Unternehmen gering, sagt Nikhil Prasad Ojha, Partner bei dem Beratungsunternehmen Bain. "Aber es ist eine Wette auf die Zeit." Wer die Inder möglichst früh an sich bindet, ist klar im Vorteil.

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    Das sind die ehemaligen Wachstumsländer
    Konferenz in Goa
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    Einst galten die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als zukünftige Wirtschaftsmächte. Doch mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Selbst Klassenprimus Indien gelingt es nicht, alle Teile seiner Bevölkerung auf seinem Wachstumspfad mitzunehmen. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

    (Foto: AFP)
    Brasilien
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    Schlimmer geht zwar bekanntlich immer, aber in Brasilien ist das kaum noch vorstellbar. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen.

    (Foto: dpa)
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    Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

    (Foto: AP)
    Russland
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    Auch Russland geht es nicht besonders gut: Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise.

    (Foto: dpa)
    Russland
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    Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er Jahren - doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Das Ölpreise legten daraufhin weltweit zu.

    (Foto: dpa)
    Indien: Präsident Narendra Modi
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    Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Zudem ist eine allgemeine Steuer auf Güter und Dienstleistungen in Arbeit, die das Abgabendickicht der 29 Bundesländer entwirren und dem Land ein zusätzliches Wachstum von einem bis zwei Prozentpunkten verschaffen soll.

    (Foto: AFP)
    Indien
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    Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung ist von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118, mit Abstand die schlechteste Bewertung aller Brics-Länder.

    (Foto: Reuters)

    Es geht nicht nur um die Masse möglicher Nutzer, sondern um einen Blick in die Zukunft. "Die meisten Inder erleben das Internet zu allererst über das Smartphone", sagt Rajan Anandan, Google-Chef von Indien und Südostasien im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Und genauso wird es auch für die kommenden Generationen in entwickelten Staaten sein."

    Das Marktforschungsunternehmen eMarketer schätzt, dass der Suchmaschinen-Riese 2015 die Hälfte seiner Werbeeinnahmen über das mobile Internet generierte. 2017 sollen es 70 Prozent sein. Facebook erzielt schon heute rund 85 Prozent seiner Werbeeinnahmen über Reklame auf Mobilgeräten.

    Google muss sich also etwas einfallen lassen: Der Suchmaschinenanbieter vermag Nutzer und deren Verhalten zwar in Echtzeit zu erfassen. Doch was die Nutzungszeit der Plattformen angeht, hängt Facebook die Konkurrenz inzwischen ab. 50 Minuten pro Tag ist der Fan laut Konzernangaben durchschnittlich im sozialen Netzwerk unterwegs, inklusive der Ableger Messenger und Instagram.

    Auch Whatsapp macht sich fit für Indien
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