Klimawandel in Megacitys Wenn das Wasser steigt

Mit milliardenschweren Investitionen bereiten sich Megacitys auf den Klimawandel und die Folgen vor. Doch die Projekte sind bei der lokalen Bevölkerung umstritten – und für beteiligte Firmen ein Reputationsrisiko.
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Überschwemmungen gibt es in der Region um den drittgrößten See der Philippinen häufig. Quelle: (c) 2016 Kathrin Harms, Misereor
Laguna del Bay in Manila

Überschwemmungen gibt es in der Region um den drittgrößten See der Philippinen häufig.

ManilaEine Viertelstunde starker Regen reicht aus, um das philippinische Dorf Malaban am Rand der Metropolregion Manila unter Wasser zu setzen. Der Fischer Jasse Carlos stapft in Gummistiefeln durch die überfluteten Gassen. Mit Hochwasser hat der Ort an der Küste von Südostasiens drittgrößtem Binnensee Laguna de Bay regelmäßig zu kämpfen. Dennoch wehrt sich Carlos gegen ein Infrastrukturprojekt, das seine Heimat eigentlich vor den Wassermassen schützen soll: „Wenn der Deich kommt, verliere nicht nur ich meinen Job“, sagt der 57-Jährige. „Es wäre für den ganzen Ort eine wirtschaftliche Katastrophe.“

Der Deich, vor dem sich Carlos fürchtet, ist eines von vielen Großprojekten, mit denen sich die Megacitys Südostasiens vor Überflutungen durch Unwetter und einen steigenden Meeresspiegel schützen möchten. Allein in der philippinischen Hauptstadt will die Regierung in den kommenden Jahren mehr als sieben Milliarden Dollar ausgeben, damit die 13 Millionen Einwohner der Region gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet sind. Das bietet auch deutschen Technologieanbietern neue Absatzchancen. Doch die milliardenschweren Projekte sind bei der lokalen Bevölkerung oft umstritten. Für ausländische Investoren bringt das Risiken mit sich.

Um zu zeigen, weshalb er die Pläne zum Deichbau so vehement ablehnt, marschiert Carlos auf einen Hügel, von dem das Seeufer gut zu sehen ist. „Seit ich die Grundschule abgeschlossen habe, fahre ich da raus, um zu fischen“, sagt er. 20 Pesos pro Kilo, umgerechnet rund 40 Cent, verdient er damit. „Die Fische im See sind in den vergangenen Jahren zwar immer weniger geworden“, sagt Carlos. „Aber als Einnahmequelle sind sie für uns immer noch unverzichtbar.“ Carlos ist Dorfvorsteher in Malaban, „Chief“ steht in großen Buchstaben auf seinem Hemd. Er vertritt Dutzende Männer in dem Dorf, die das Bauprojekt bekämpfen: „Wenn der Deich kommt, wird es hier keinen einzigen Fisch mehr geben.“

Geht es nach den philippinischen Behörden, soll das 47 Kilometer lange Bauwerk 500 Meter vom Ufer entfernt entstehen und so die umliegenden Gebiete vor Wassermassen abschirmen. Auf der Deichkrone ist eine Mautstraße geplant. Die Bewohner von Malaban klagen: Wie sich das auf ihr Leben auswirken würde, interessiere die Behörden nicht. Den Einwohnern geht es nicht nur um den Fischfang, sondern auch um ihr Zuhause. Rund 2500 Familien müssten für das Vorhaben umgesiedelt werden, um Platz für Zufahrtsstraßen und Pumpstationen zu machen.

Das sind die ehemaligen Wachstumsländer
Konferenz in Goa
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Einst galten die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als zukünftige Wirtschaftsmächte. Doch mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Selbst Klassenprimus Indien gelingt es nicht, alle Teile seiner Bevölkerung auf seinem Wachstumspfad mitzunehmen. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

Brasilien
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Schlimmer geht zwar bekanntlich immer, aber in Brasilien ist das kaum noch vorstellbar. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen.

Brasilien
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Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

Russland
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Auch Russland geht es nicht besonders gut: Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise.

Russland
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Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er Jahren - doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Das Ölpreise legten daraufhin weltweit zu.

Indien: Präsident Narendra Modi
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Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Zudem ist eine allgemeine Steuer auf Güter und Dienstleistungen in Arbeit, die das Abgabendickicht der 29 Bundesländer entwirren und dem Land ein zusätzliches Wachstum von einem bis zwei Prozentpunkten verschaffen soll.

Indien
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Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung ist von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118, mit Abstand die schlechteste Bewertung aller Brics-Länder.

Aus Sicht von Almuth Schauber vom Hilfswerk Misereor ist der Fall beispielhaft für ein Problem, das in vielen Schwellenländern zunehmend zutage tritt: Um sich auf den Klimawandel vorzubereiten, sind Großinvestitionen in Umwelttechnik und gigantische Infrastrukturprojekte nötig. „Dabei entstehen jedoch soziale Probleme, die vor allem die Ärmsten treffen“, sagt Schauber, die beim katholischen Hilfswerk Misereor den Fachbereich für städtische Armut leitet.

Sie sieht die Wirtschaft in der Verantwortung, etwas gegen die Schattenseiten zu unternehmen. „Ich unterstelle, dass kein deutscher Mittelständler an Projekten beteiligt sein möchte, die Menschen ihre Lebensgrundlage nehmen“, sagt Schauber. „Aber vielen Firmen ist gar nicht bewusst, wie sehr sie in Sozialsysteme eingreifen.“

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14 Kommentare zu "Klimawandel in Megacitys: Wenn das Wasser steigt"

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  • "Enrico Caruso22.11.2016, 17:51 Uhr
    Ich melde mich auch ab, ich halte das nicht aus, die vielen Trolle hier..."

    Welch ein Verlust.......woohuahahuwahahahaha........

  • Ralph S. sie haben es gut, meine Verlobte ist auf der Flucht vor dem Troll in die Muckibude und wurde dort die Herzdame von einem Türken.

  • Ich melde mich auch ab, ich halte das nicht aus, die vielen Trolle hier...

  • Der eifrige HB-Troll, bekannt unter den Namen Peter Spiegel, Peter Delli, Adolf Schickelgruber, Baron von Fink, Hein Blöd etc. etc. schreibt auf einmal als Carlos Santos. Am nächsten Tag meldet sich der echte Carols Santos hier ab. Jetzt schreibt der Troll als Marc Hofmann. Auch dieser (echte) Marc Hofmann schreibt daraufhin nicht mehr. Irgendwann kommt wohl jeder dran.

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

  • @ handelsblatt-online

    Wieso ist es hier möglich, dass ein bereits bestehender Account von einer weiteren Person unter exakt demselben Namen posten kann???

    Das ist sonst in keinem Forum möglich.

    Der eifrige HB-Troll, bekannt unter den Namen Peter Spiegel, Peter Delli, Adolf Schickelgruber, Baron von Fink, Hein Blöd etc. etc. schreibt auf einmal als Carlos Santos. Am nächsten Tag meldet sich der echte Carols Santos hier ab. Jetzt schreibt der Troll als Marc Hofmann. Auch dieser (echte) Marc Hofmann schreibt daraufhin nicht mehr. Irgendwann kommt wohl jeder dran.

    Wieso unterbinden Sie das nicht?

  • Gegen das große Magdalenen-Hochwasser von 1342 aber war kein Kraut gewachsen. Damals, es regierte der Wittelsbacher Ludwig IV das Heilige Römische Reich deutscher Nation, ereignete sich eine verheerende Überschwemmungskatastrophe in großen Teilen Mitteleuropa

    Woher kam das böse CO2 damals ?

  • Sodom und Gomorrha-
    Wenn aus den Wäldern Wüsten werden, an den Polen schmilzt das Eis,
    die Fische aus dem Wasser springen, alle Pflanzen strahlen weiß,
    wenn dann die Straßen Blasen werfen, fällt dir das Atmen schwer.
    Du weißt nicht, was du tun sollst, dein Gewehr hilft dir nicht mehr.

    Wenn die Erde bebt, und die Kruste reißt, und die Häuser stürzen ein,
    wenn ein Gen mutiert, und die Ratte wächst, sie bleibt nicht länger klein,
    Deine Kinder nur noch Krüppel sind, dann ist es schon zu spät,
    den Ast, auf dem du sitzt, den hast du selber abgesägt.

    Du hast nur dein nacktes Leben, und du merkst, das ist nicht viel,
    und am Ende bringst du wieder Gott ins Spiel.
    Wie in Sodom und Gomorrha, wie in Babel und bei Noah,
    am Ende bringst du wieder Gott ins Spiel.
    Obiger Text ist von " Acapulco"Gold" aus 1982 ???

  • Folgende Wissenschaftler verfassten interessante Berichte über den "Klimawandel" mit stichhaltigen Forschungsarbeiten.
    Professor und Nobelpreisträger der Physik, Ivar Giaever
    Professor Dr. Don Easterbrook
    Meteorologe und Physiker Piers Corbyn
    Professor und Geologe Bob Carter
    Ingenieur und früherer Berater des Weissen Hauses, John Casey
    Professor Dr. Judith Curry
    Meteorologe John Coleman
    ....

  • << Mehr Lügen findet man sonst kaum .... >>

    Im Internet besteht wenigstens die Möglichkeit, auf ungeschönte Wahrheiten zu stoßen. In den Mainstreammedien hingegen findet man außer Lügen rein gar nichts mehr.

    Und der "Klimawandel" (im Deutschen auch gerne "Klimakatastrophe" genannt) ist ein von Menschenhand verursachter Schwindel. Zum Glück ist der zukünftige US-Präsident klug genug, darauf nicht reingefallen zu sein.

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