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Milliarden-Geschäfte So wirbt Iran um deutsche Unternehmen

Die Regierung in Teheran will ihre petrochemische Industrie für 55 Milliarden Dollar ausbauen und wirbt verstärkt um deutsche Unternehmen. Doch es gibt noch einige Hürden bei der geplanten Rückkehr nach Persien.
Der Iran hofft auf massive Investitionen deutscher Unternehmen. Quelle: Reuters
Gasflamme in einer iranischen Anlage zur Ölproduktion

Der Iran hofft auf massive Investitionen deutscher Unternehmen.

(Foto: Reuters)

BerlinGerade deutsche Firmen könnten vom Investitionsstau profitieren, der durch die jahrelangen Sanktionen gegen den Iran entstanden ist. Die zweitgrößte Volkswirtschaft am Persischen Golf plant ein milliardenschweres Investitionsprogramm. „Wir hoffen sehr, dass die sehr lange und sehr gute Kooperation mit deutschen Unternehmen so schnell wie möglich wieder beginnt“, sagte die neue Präsidentin der National Petrochemical Company des Irans (NPC), Marzieh Shahdaee, am Rande der Iran-Konferenz des Nah- und Mittelost-Vereins (Numov) in Berlin.

Besonders die chemische Industrie könnte davon profitieren: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll den Worten Shahdaees zufolge die Kapazität von Irans petrochemischen Anlagen von derzeit 60 auf 100 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden, in zehn Jahren solle die Kapazität dann sogar 160 Millionen Tonnen betragen. Das Land brauche dafür 55 Milliarden Dollar an Investitionen, sagte die NPC-Präsidentin Shahdaee, die auch Vize-Ölministerin ist.

Um diese gewaltige Summe aufzubringen, will Teheran nicht nur die Milliardenguthaben auf ausländischen Konten entsperrt bekommen, die bislang wegen der Sanktionen eingefroren waren, sondern setzt auch auf Kooperation mit ausländischen Chemiekonzernen. Branchenkreisen zufolge gelten BASF und Linde sowie einige deutsche Anlagenbauer als potenzielle Partner. Laut Shahdaee seien sowohl technologische Kooperation als auch Investitionen gefragt.

Neben der iranischen Staatsgesellschaft NPC expandieren derzeit auch die arabischen Golfanrainer mit ihren petrochemischen Anlagen: So erweitert der saudische Branchenriese Sabic seine Produktion, und auch die Vereinigten Arabischen Emirate schmieden große Pläne. Shahdaee ficht das nicht an. "Iran hat im Vergleich zu seinen Nachbarn große Vorteile": Öl und Gas in großen, freien Mengen sowie zahlreiche eigene Firmen in dem Sektor, die bereitstünden für Industriekooperationen.

Deutsche Firmen haben großes Interesse an einer breit angelegten Rückkehr nach Persien. Der Elektrokonzern Siemens schloss bereits mit dem iranischen Mapna-Konzern ein Gasturbinen-Liefer- und -Produktionsabkommen.

Daimler, VW, Lufthansa, Airbus, Allianz, Herrenknecht, SAP und andere deutsche Firmen begleiteten Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) bei ihrem Besuch in Iran. Gabriel leitet Anfang Mai die deutsch-iranische Wirtschaftskommission in Teheran, die erstmals nach 15 Jahren wieder zusammenkommt.

Eine heikle Mission: Denn es geht auch um 500 Millionen Euro, die Iran dem deutschen Kreditversicherer Euler-Hermes noch aus Sanktionszeiten schuldet. Teheran sagt, es konnte wegen der sanktionsbedingten Abkopplung vom internationalen Zahlungssystem Swift nicht zahlen. Solange aber die Altschulden-Frage ungeklärt sei, gebe es keine neuen Hermes-Deckungen für Iran-Exporte, heißt es beim Versicherer und der Bundesregierung.

Dieses Problem - gepaart mit der Tatsache, dass kein deutsches Kreditinstitut bis auf die Europäisch-Iranische Handelsbank in Hamburg bisher Irangeschäft abwickelt - ist nach Angaben vieler Unternehmen die größte Hürde bei der geplanten Rückkehr nach Persien.

Diese deutschen Unternehmen drängen in den Iran
Gabriel bei Irans Ministerpräsident Rohani
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Sigmar Gabriel schüttelt dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani zwar schon die Hand, doch noch müssen sich deutsche Unternehmen gedulden. Die Hoffnungen aber sind groß. Der Iran ist ein reiches Land, gemessen an der Kaufkraft lag die Wirtschaftsleistung 2014 hinter Spanien und der Türkei weltweit auf Rang 18. Das Land hat zudem laut US-Energieagentur die weltweit viertgrößten nachgewiesenen Erdölreserven.

Freude nach dem Atom-Abkommen
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Die Erwartungen wachsen allerdings nicht in den Himmel: Vor den Sanktionen 2005 importierte der Iran Waren „Made in Germany“ im Wert von nur rund 4,4 Milliarden Euro. 2014 waren es weniger als 2,4 Milliarden – Rang 50 der deutschen Handelspartner. Am deutlichsten gelitten hätten vor allem Maschinen- und Fahrzeugexporte, schreibt der Deutsche-Bank-Experte Heiko Peters.

Siemens
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„Wir reden hier über 80 Millionen Menschen, die Energieversorgung benötigen, die natürlich auch Gesundheitsversorgung brauchen, die im Öl- und Gasgeschäft wieder auf die Beine kommen wollen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Chancen habe der Elektrokonzern durchaus. Ab 2010 hatte Siemens keine neuen Aufträge aus dem Iran mehr angenommen – das Umsatzvolumen wurde damals auf rund eine halbe Milliarde Euro beziffert.

Autokonzerne
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Die deutschen Autohersteller geben sich vorsichtig. Man sei erst am Anfang, heißt es bei BMW, bei VW werden erste Gespräche auf politischer Ebene geführt. Laut Daimler-Chef Dieter Zetsche sind die Nutzfahrzeuge der Stuttgarter im Land begehrt. Branchenkenner sind aber skeptisch, ob deutsche Oberklassewagen im Iran schnell viele Käufer finden.

Chemiebranche
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Die deutsche Chemie bewertet die jüngste Entwicklung wohlwollend. Es könne sich „nur belebend“ auswirken, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann. Die Branche habe in der Region eine „lange Tradition“. Das gilt seit den 1970er-Jahren auch für den Konsumgüterkonzern Henkel. „Derzeit erwirtschaften wir in dem Land einen dreistelligen Millionenumsatz und sind zuversichtlich, dass wir dort auch weiter wachsen werden“, sagte Vorstandschef Kasper Rorsted. Henkel ist Rorsted zufolge im Iran führend bei Waschmitteln, aber auch gut im Rennen im Geschäft mit Klebstoffen.

SAP
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Auch Softwarekonzerne stehen im Iran in den Startlöchern. SAP-Finanzchef Luka Mucic meint: „Der Iran kann für uns ein sehr interessanter Markt werden. Historisch haben wir im Iran eine Industriestruktur, die uns bei SAP entgegenkommt, eine starke Öl- und Gasindustrie etwa.“

Münchener Rück
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Unter den Finanzunternehmen verspricht sich der weltgrößte Rückversicherer Munich Re einiges. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Rückversicherer dort eine Rolle spielen“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard.

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