Mittelmäßige Wachstumsmärkte Geht den Schwellenländern die Puste aus?

Viele Industrie- und Schwellenländer leiden unter einer chronischen Wachstumsschwäche. Die Hoffnung liegt auf der digitalen Revolution. Doch die lässt auf sich warten.
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Die Konjunkturaussichten in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indonesien und der Türkei haben sich zum Teil dramatisch eingetrübt.
Geht den BRICs die Puste aus?

Die Konjunkturaussichten in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indonesien und der Türkei haben sich zum Teil dramatisch eingetrübt.

BerlinDer Weltwirtschaft fehlt eine Wachstumsstory. Ende der 90er-Jahre wurden die Wachstumshoffnungen von den Fantasien der amerikanischen Internetpioniere beflügelt. Dann sorgte der ebenso konsumfreudige wie kredithungrige US-Verbraucher für hohe Drehzahlen des globalen Konjunkturmotors. Nach der großen Finanzkrise bestand die Wachstumsstory nur noch aus einem Wort: China.

Und jetzt? Die Volkswirtschaften der Euro-Zone stagnieren. Die US-Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten 2015 sogar geschrumpft. Japan erholt sich mühsam von der vierten Rezession in den vergangenen zehn Jahren. China hat alle Mühe, sein reduziertes Wachstumsziel von sieben Prozent zu halten.

Schlimmer als diese Konjunkturschwächen ist jedoch, dass die langfristigen Wachstumskräfte erlahmen. "Das Wachstumspotenzial geht in vielen Ländern zurück, und das drückt auf die Stimmung, schwächt die Nachfrage und bremst so die wirtschaftliche Entwicklung", warnt IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Er wünscht sich eine höhere Produktivität. Doch von der digitalen Revolution, die die nächste Wachstumsstory liefern soll, ist noch wenig zu sehen.

Mitten hinein in diese Tristesse kommt nun noch die Zinswende in den USA. Zwar hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsschraube noch nicht auf ihrer Sitzung am letzten Mittwoch angezogen. Aber für September rechnen die meisten Ökonomen mit der ersten Leitzinserhöhung in Amerika seit Juni 2006. "Wir raten insbesondere den Schwellenländern, sich anzuschnallen", sagt Kaushik Basu, Chefökonom der Weltbank. "Es wäre besser, die Fed würde die Zinserhöhung auf das nächste Jahr verschieben."

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Container im Hamburger Hafen
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Dass sich mittelständische Unternehmen, die im Ausland neue Absatzmärkte erschließen möchten, nicht alleine auf die derzeitige Schwäche des Euro verlassen sollten, zeigt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Demnach können die deutschen Unternehmen zwar in diesem Jahr mit zusätzlichen Ausfuhren im Wert von 36 Milliarden Euro rechnen (+2,7 Prozent), im letzten Jahr konnte die Exportbranche jedoch noch um 45 Milliarden Euro wachsen. Unter anderem die schwere Russland-Krise wird die Exporte bremsen, so die Experten von Euler Hermes. Sie raten deshalb dazu, gezielt wachstumsstarke Länder zu erschließen, in denen die hiesige Wirtschaft bislang unterrepräsentiert ist.

15. Südafrika
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In Südafrika wird für das Jahr 2015 eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwartet. Zum Vergleicht: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert für Deutschland im selben Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent.

14. Estland
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Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 2,5 Prozent steht Estland noch ein wenig besser da. Der seit 1991 unabhängige Staat mit der malerischen Hauptstadt Tallinn (Bild) ist seit 2011 Mitglied der Eurozone.

13. Slowakei
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Auch die Slowakei ist Euro-Mitglied und dies schon seit 2009. Das Bild zeigt die Hauptstadt Bratislava. Für die Slowakei prognostizieren die Experten von Euler Hermes ein Wachstum von 2,7 Prozent des BIP.

12. Uruguay
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Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Uruguay. Bei ausländischen Investoren ist das Land bisher eher unbekannt. Das prognostizierte Wachstum beträgt 2015 2,8 Prozent.

11. Lettland
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Lettlands Bruttoinlandsprodukt soll voraussichtlich um 3,2 Prozent wachsen. Seit 2004 ist das baltische Land in der Europäischen Union, seit 2014 in der Euro-Zone. Diese verliert für die deutschen Exporteure zunehmend an Gewicht. 2014 machten sie nur noch 36,6 Prozent ihres Auslandsumsatzes in den Ländern der Währungsgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch 44,7 Prozent betragen. Grund für den Rückgang ist die Finanz- und Wirtschaftskrise.

10. Polen
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Gleichzeitig werden die EU-Mitgliedsstaaten, die nicht der Währungsunion angehören, immer wichtiger. Deren Anteil an den deutschen Exporten erhöhte sich von 2013 auf 2014 von 20,1 auf 21,4 Prozent. 1993 lag er bei nur 16,2 Prozent. Zu diesen Staaten gehört auch Polen, welches einen Aufschwung erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt wird voraussichtlich um 3,3 Prozent wachsen.

Viele Schwellenländer könnte eine Zinserhöhung in den USA wie ein Schock treffen. Denn der Boom in Asien und Südamerika wurde zum großen Teil mit Kapital aus den Industrienationen finanziert. Wenn aber die Renditen in den USA steigen und das Wachstum in den Emerging Markets nachlässt, werden viele Anleger ihr Geld zurückholen. "Das schwache Wachstum würgt die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer ab", sagt Charles Collyns, Chefökonom des Institute for International Finance (IIF). Im ersten Quartal 2015 flossen nur noch 150 Milliarden Dollar in die Emerging Markets, das ist der niedrigste Stand seit sechs Jahren.

Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Gerade hat die Weltbank ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft auf nur noch 2,8 Prozent in diesem Jahr gekürzt - und das trotz Anschubhilfe durch die niedrigen Ölpreise. "Es handelt sich um eine strukturelle Schwäche", warnen die Weltbank-Ökonomen. Mit anderen Worten: Dies ist keine Atempause, sondern es ist Sand im Getriebe der bisherigen Wachstumsmotoren. Besonders deutlich sieht man das in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indonesien und der Türkei, wo sich die Konjunkturaussichten zum Teil dramatisch eingetrübt haben.

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