Müll in Indonesien Jenseits der Abfallberge

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Müllmafias dominieren
Kinder waten knietief in einer toxischen Suppe aus Haushaltsgiften, Kot und verrottenden Lebensmitteln. Quelle: Anadolu Agency/Getty Images
Bitterarme Menschen suchen nach Verwertbarem.

Kinder waten knietief in einer toxischen Suppe aus Haushaltsgiften, Kot und verrottenden Lebensmitteln.

(Foto: Anadolu Agency/Getty Images)

Der Weltbank zufolge werden in Asien pro Jahr 440 Millionen Tonnen Müll produziert, 36,7 Prozent des weltweiten Abfalls. Der weitaus größte Teil wandert auf die offene Deponie. Oft fehlt es an Gesetzen und Vorschriften, die eine Wiederverwertung fördern oder gar vorschreiben würden. So gibt es auch nur wenige privatwirtschaftliche Anstrengungen, die vielen Wertstoffe zu sammeln, die sich im Müll verbergen. Auch deutsche Unternehmen - viele von ihnen zu Hause führend im Milliardengeschäft mit Müll und Recycling - sind nur in Ausnahmefällen in Asien tätig.

Eine der wenigen deutschen Firmen, die in China nennenswerte Geschäfte betreibt, ist die Alba Group. In Hongkong stachen die Berliner fast ein Dutzend Wettbewerber aus, um einen öffentlichen Auftrag für Elektroschrott-Recycling zu ergattern. Nahe Schanghai stieg Alba in ein Gemeinschaftsunternehmen ein, das Altautos wiederverwertet. Das China-Geschäft der Berliner, das zuletzt rund 500 Millionen Euro umsetzte und bislang als defizitär gilt, wird allerdings zum Jahreswechsel mehrheitlich an einen Wettbewerber aus dem Reich der Mitte gehen. Das börsennotierte Familienunternehmen Techcent wird dann 60 Prozent der Anteile übernehmen. So bleibt es vielerorts karitativen Organisationen wie der Bremer Borda überlassen, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Bremer unterstützen in Indonesien 16 Wiederverwertungsanlagen.

Auch in Lateinamerika steht die Abfallwirtschaft noch ganz am Anfang. Bis auf Pilotprojekte aus der Entwicklungszusammenarbeit gibt es kaum größere Vorhaben mit deutscher Beteiligung. Das liege unter anderem daran, dass der Abfallmarkt größtenteils fest in der Hand des informellen Sektors liegt, wie Günther Wehenpohl von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, GIZ, feststellt. Es gebe deswegen vielfach politische und wirtschaftliche Widerstände, die Deponieverwaltung zu privatisieren. Die informellen Müllsammler seien zum Teil in mächtigen „Müllmafias“ organisiert, die jede Zusammenarbeit mit privaten Konzernen ablehnten.

Die Brics-Schwellenländer stecken in der Krise
Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika
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Es ist eine radikale Maßnahme: Chinas Notenbanker schwächten vor kurzem die Landeswährung Yuan (Renminbi) per Beschluss so stark wie nie zuvor an einem Tag. Das soll, so Experten, den Export ankurbeln. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kriselt. Und das Reich der Mitte ist nicht der einzige Staat aus der Riege der sonst so selbstbewussten Schwellenländer, der mit Wirtschaftsproblemen zu kämpfen hat. Ein Überblick über die Brics-Gruppe.

Brasilien
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Richtig düster steht es um Brasilien. Die Industrie im fünftgrößten Land der Erde ist in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

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Innenpolitisch ist die Lage ähnlich brisant: Korruptionsskandale reichen in höchste Regierungskreise, und in Umfragen sprechen sich zwei Drittel gegen Präsidentin Dilma Rousseff aus. Dabei muss das Ausrichterland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 dringend sparen und reformieren, denn die Investoren werden zunehmend skeptisch.

Russland
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Die russische Wirtschaft steckt in der Klemme. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Riesenreich mächtig zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen im Zuge der Ukrainekrise. Der zeitgleich schwache Rubel macht alles noch schlimmer und treibt die Inflation auf über 15 Prozent.

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Gleichzeitig wollen die Notenbanker mit möglichst niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. Das aber schwächt den Rubel weiter. Die Folgen sind verheerend: Die russische Wirtschaft ist laut Zahlen vom Montagabend von April bis Juni um fast 5 Prozent geschrumpft.

Indien
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Mit einem jüngst gemeldeten Wachstum von 7,3 Prozent kommt die indische Wirtschaft anscheinend wieder in Fahrt. Doch auch der Zentralbankchef sieht diese Zahlen mit Skepsis, denn die Regierung hat die Berechnungsmethode geändert - und sich mehr als zwei Prozent dazu addiert. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach.

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Und die Opposition legt das Parlament lahm, so dass wichtige Gesetze zum Landerwerb und zur Mehrwertsteuerreform feststecken. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen. Und auf dem Subkontinent steigt die Konsumlaune, was sich etwa an anziehenden Autoverkäufen sehen lässt.

Neben einem Mangel an Infrastruktur, fehlenden Gesetzen und politischem Willen ist in Entwicklungs- und Schwellenländern das fehlende Bewusstsein für Müllverhinderung und Recycling die wichtigste Herausforderung. Kultur und Aufklärung hinken einem rasenden wirtschaftlichen Wachstum hinterher. In modernen Ländern und Städten Asiens wie Singapur oder Hongkong ist der Trend zur Wiederverwertung seit einigen Jahren sogar wieder rückläufig. Es fehle an wirtschaftlichen Anreizen, klagen Experten. Das hat die Regierung von Hongkong erkannt. Im vergangenen Jahr steckte sie 129 Millionen US-Dollar in einen „Recycling-Fonds“, um die Wiederverwertungsindustrie anzukurbeln.
Mitarbeit: Alexander Busch, Christoph Schlautmann

Die Serie

Hoffnungsträger, Absatzchance, Wettbewerber: In einer Serie widmet sich das Handelsblatt den globalen Wachstumsmärkten. Jeden zweiten Mittwoch untersuchen die Autoren, wie sich die Kraftzentren verschieben und was dies für deutsche Unternehmen bedeutet.

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1 Kommentar zu "Müll in Indonesien: Jenseits der Abfallberge"

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  • Der Müll ist nicht Schuld an der Armut. Der Müll gibt den Armen eine Aufgabe und etwas Einkommen für das Überleben in Indonesien oder auch wo anders auf dieser Welt. Wie bei uns die Pfandflaschen - Schrott- oder sonst welche Sammler und Verwerter auch.
    Das Problem in Indonesien ist die Poltiik. Eine Politik die zu wenig Bildung und Ausbildung vermittelt. Die mehr Unternehmen und den Mittelstand fördern muss um genügend gut bezahlte Arbeitsplätze für das Volk zu generieren.
    Es ist immer die Politk die am Mangel und der Armut einer Gesellschaft Schuld trägt.

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