Weltbank-Studie Hilft die Globalisierung den Armen?

Während in den einzelnen Ländern die Einkommens-Schere weiter auseinander geht, wird global gesehen die Ungleichheit geringer. Besonders asiatische Schwellenländer profitieren.
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Nicht alle macht die Globalisierung reich. Quelle: dpa
Fabrik in China

Nicht alle macht die Globalisierung reich.

(Foto: dpa)

KölnOb in Deutschland, Japan oder in den USA – überall ist der Trend gleich: Vor allem das obere Prozent in der Einkommensstatistik verdient immer mehr, während die Einkommen der Mittelschicht stagnieren. Über die Ursachen für dieses Phänomen streiten sich Ökonomen mit neuer Leidenschaft, seit Thomas Piketty der steigenden Ungleichheit seinen Besteller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ gewidmet hat. Doch in der hitzigen Debatte um stagnierende Löhne, steigende Kapitaleinkommen und Gerechtigkeit im Kapitalismus geht ein wichtiger Befund unter: Schaut man sich die Welt als Ganzes an, steigt die Ungleichheit nicht, sie sinkt.

Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Ökonomen Christoph Lakner (Weltbank) und Branko Milanovic (Universität New York) in einer Studie, die die Weltbank veröffentlicht hat. Die Forscher werteten für ihre Untersuchung Daten aus Haushaltsbefragungen in rund 120 Ländern aus und analysierten, wie sich die Einkommen unterschiedlicher Bevölkerungsschichten über die Jahrzehnte entwickelt haben. Um das Einkommen von Bauern in Indien mit Mittelschichtfamilien in den USA und Topmanagern in Japan vergleichen zu können, bezogen sie die jeweiligen Inflationsraten und das allgemeine Preisniveau in den untersuchten Ländern in ihre Berechnungen ein.

Der größte Gewinner: Die globale Mittelschicht

Auf den ersten Blick bestätigen die Daten Piketty und andere Ungleichheitsforscher: Die Reichen auf der Welt sind in den vergangenen 20 Jahren tatsächlich immer reicher geworden. Zwischen 1988 und 2008 stieg inflations- und kaufkraftbereinigt das Einkommen auch des global reichsten Prozents der Bevölkerung – das sind alle, die mehr als rund 64.000 Dollar im Jahr verdienen – um fast 70 Prozent. Aber Lakner und Milanovic fanden noch etwas: Der größte Gewinner – zumindest prozentual gerechnet – war nicht dieses reichste Prozent, sondern die globale Mittelschicht.

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Container im Hamburger Hafen
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Dass sich mittelständische Unternehmen, die im Ausland neue Absatzmärkte erschließen möchten, nicht alleine auf die derzeitige Schwäche des Euro verlassen sollten, zeigt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Demnach können die deutschen Unternehmen zwar in diesem Jahr mit zusätzlichen Ausfuhren im Wert von 36 Milliarden Euro rechnen (+2,7 Prozent), im letzten Jahr konnte die Exportbranche jedoch noch um 45 Milliarden Euro wachsen. Unter anderem die schwere Russland-Krise wird die Exporte bremsen, so die Experten von Euler Hermes. Sie raten deshalb dazu, gezielt wachstumsstarke Länder zu erschließen, in denen die hiesige Wirtschaft bislang unterrepräsentiert ist.

15. Südafrika
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In Südafrika wird für das Jahr 2015 eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwartet. Zum Vergleicht: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert für Deutschland im selben Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent.

14. Estland
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Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 2,5 Prozent steht Estland noch ein wenig besser da. Der seit 1991 unabhängige Staat mit der malerischen Hauptstadt Tallinn (Bild) ist seit 2011 Mitglied der Eurozone.

13. Slowakei
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Auch die Slowakei ist Euro-Mitglied und dies schon seit 2009. Das Bild zeigt die Hauptstadt Bratislava. Für die Slowakei prognostizieren die Experten von Euler Hermes ein Wachstum von 2,7 Prozent des BIP.

12. Uruguay
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Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Uruguay. Bei ausländischen Investoren ist das Land bisher eher unbekannt. Das prognostizierte Wachstum beträgt 2015 2,8 Prozent.

11. Lettland
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Lettlands Bruttoinlandsprodukt soll voraussichtlich um 3,2 Prozent wachsen. Seit 2004 ist das baltische Land in der Europäischen Union, seit 2014 in der Euro-Zone. Diese verliert für die deutschen Exporteure zunehmend an Gewicht. 2014 machten sie nur noch 36,6 Prozent ihres Auslandsumsatzes in den Ländern der Währungsgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch 44,7 Prozent betragen. Grund für den Rückgang ist die Finanz- und Wirtschaftskrise.

10. Polen
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Gleichzeitig werden die EU-Mitgliedsstaaten, die nicht der Währungsunion angehören, immer wichtiger. Deren Anteil an den deutschen Exporten erhöhte sich von 2013 auf 2014 von 20,1 auf 21,4 Prozent. 1993 lag er bei nur 16,2 Prozent. Zu diesen Staaten gehört auch Polen, welches einen Aufschwung erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt wird voraussichtlich um 3,3 Prozent wachsen.

Wer in der Nähe des Medians in der globalen Verteilung lag, also bei rund 1150 Dollar im Jahr, sah sein Einkommen im untersuchten Zeitraum um fast 80 Prozent steigen. Die Gruppe zwischen zehn und zwanzig Prozent, die bei einem Jahreseinkommen von 251 Dollar anfängt, steigerte ihr Einkommen auch noch ansehnlich um rund 40 Prozent. Damit holte sie im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung in Industrieländern auf, denn deren Einkommen stiegen in dieser Zeit nur um etwa fünf Prozent.

Die Welt wird gleicher
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2 Kommentare zu "Weltbank-Studie: Hilft die Globalisierung den Armen?"

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  • Insbesondere was die Entwicklung der Schwellenländer betrifft, nehme ich diese Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht zur Kenntnis. Im Rahmen der Globalisierung werden strategisch eigentlich nur die Schwellenland-Metropolen als Hubs, also Knotenpunkte im Globalisierungsnetzwerk, benötigt.
    Deren Gedeihen zieht sicher schon auch Arbeitskräfte aus unterentwickelten Landesteilen nach. Die armen Subsistenz-Bauern in der Fläche dürften in diesem Prozess allerdings eher noch ärmer werden.
    Es geht nicht in erster Linie darum, diese Entwicklung zu stoppen, aber sie müsste durch Steuerrichtlinien, soziale Sicherungssysteme und eventuell auch eigentumsrechtlichtes Nachjustieren abgefedert werden. Dafür fehlt in den Schwellenländern das Bewusstsein. Und westliche Investoren haben kein Interesse, dafür Awareness zu schaffen.
    Ich hege den Verdacht, dass weite Strecken der Studie relativ leicht zerpflückbar sind. Auch wenn jede einzelne Zahl stimmt, möchte ich erst mal überprüfen, ob die Schwellenländer nicht einfach ihren ganz eigenen social Divide durchlaufen.
    Und vielleicht heißen Schwellenländer so, weil sie an der Schwelle zu ihrer vollständigen Entwicklung einfach stehen bleiben. Hochmoderne Metropolen neben Kleinbauern mit dem Ochsenpflug ohne Ochse.

  • sehr interessant hierzu:

    https://www.youtube.com/watch?v=EMU8YvOjRXc&list=PLxaUSBUUlSviRg_aw1fkph1Ug_uasIimA&index=4

    winners/loosers in a Digital age

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