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Wirtschaftsregion Erzgebirge Räuchermännchen in schwerer Not

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Billigkonkurrenz aus China

Zwar sieht Uhlmann nur geringe Schnittmengen zwischen den Freunden der Originalprodukte aus dem Erzgebirge und den Kunden der überwiegend importierten Billigprodukte, aber diese Sichtweise entspricht wohl eher der Verbandsräson als der Marktsituation.

Preislich sind die "Chinamännel" ohnehin nicht zu schlagen. "Auf dreißig Prozent der Kosten bei 80 Prozent der Qualität" beziffert Johannes Schulte den Wettbewerbsvorteil seiner in der Nähe von Schanghai gefertigten Räuchermänner und Nussknacker. Der Emsländer Schulte hat das Format eines schwäbischen Cleverle mit einer guten Portion Chuzpe. Der ehemalige Propagandist und Inhaber einer kunstgewerblichen Import- und Großhandelsfirma zahlt den chinesischen Arbeiterinnen und Arbeitern etwa einen Euro die Stunde, 150 Euro im Monat und Vorarbeitern 250 Euro im Monat zuzüglich freier Verpflegung und Unterkunft.

Er hatte den Betrieben aus dem Erzgebirge schon lange mit seinen Billigimporten zu schaffen gemacht. 2006 wehte der kalte Wind der Globalisierung dann von den Kämmen des Erzgebirges hinab bis in das Spielzeugdorf Seiffen. Schulte machte damals im Herzen des "Deutschen Weihnachtslands" ein Ladengeschäft auf.

"Aufruhr im Erzgebirge" und "Der Chinakracher" titelten die Zeitungen. Bis weit auf die Straße standen die Menschenschlangen, die Schultes Kunsthandwerk kaufen wollten. In diesem Jahr hat er seinen Laden wieder aufgegeben. Der Grund war aber nicht die eingeschlagene Scheibe seines Lkw, sondern ein massiver Umsatzrückgang. Der Pressewirbel war für Schulte kostenlose Werbung. Als er verstummte, blieben auch die Kunden aus.

Der Verband der Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge hat Schulte und andere Importeure mit einer Kampagne "Original statt Plagiat" bekämpft. Einige Betriebe aus dem Erzgebirge haben Schulte vor Gericht gezerrt, Prozesse gewonnen oder sich mit dem Importeur verglichen. Gewendet hat der Kampf vor den Gerichten das Blatt allerdings nicht zugunsten der heimischen Handwerker.

Schulte lässt sich durch Prozesse nicht vom Markt verdrängen, so wenig wie andere noch größere Importeure. Selbst so mancher Schulte-Gegner aus dem Erzgebirge räumt ein, dass seine Imitate immer besser werden. Hinter vorgehaltener Hand beklagt auch der eine oder andere Betriebsinhaber, dass selbst in ihren Reihen von einander abgekupfert wird.

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7 Kommentare zu "Wirtschaftsregion Erzgebirge: Räuchermännchen in schwerer Not"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Mc Pommes

    in Vielem stimme ich zu. Der entscheidnde Fehler ihrer Argumetation ist aber, dass diese Männchen überhaupt zu unserem typischen deutschen Weihnachtsfest gehören, so wie ich es jedenfalls als Kind erlebt habe und noch heute schön finde! Dazu brauche ich weder Konsum, noch Räuchermännchen und schon gar keinen "Weihnachtsmann" (Der ist ja bekanntlich von Coca-Cola erfunden worden).
    Zu Weihnachtem gehören Familie, Tannenzweige, Kerzen, beschaulichkeit, Familienspiele, Weihnachtslieder im Familienkreis, das Christkind, Mandarinen, Nüsse Vorlesen von Weihnachtsgeschichten und Einiges mehr.

    Technik von Mario barth, Cassetten mit Weihnachtsliedern von Caruso, Pakete von Douglas oder Männchen aus dem ehemaligen Ostblock brauche ich nicht, um nur wenige beispiele zu nennen.

    So bleibt es ihnen überlassen, worüber Sie sich freuen. Dass die Männchen aus dem Erzgebirge für ein besinnliches Weihnachtsfest erforderlich sein sollen, verweise ich ins Reich der (Konsum-)Fabeln.

    So haben Sie zwar grundsätzlich recht, sollten den bogen aber viel, viel weiter spannen!

  • Es wird eine ander Zeit kommen, da werden wir wieder mehr Wert auf Handarbeit legen. im Grunde steht diese Zeit bereits vor der (industriell gefertigteb)Tür und klopft an. Es dauert nicht lange, da werden wir die Tür öffnen und erkennen, dass Geld und industrie kein Wohlstand sind. Wohlstand hat etwas mit Wohlgefühl zu tun. Das spricht für die Rächermänchen.
    Derjenige, der das noch nicht erkannt hat, ist nichts anderes als ein Kind des industriezeitalters. Er ist schnell gefertigt, billig hergestellt und schnell ersetzbar. An einen Menschen erinnert nur noch das Äußere. innen sieht es nicht viel anders aus - eben innen wie Außen. ich nehme mich da nicht heraus. Auch ich bin ein solches Kind, das aber inzwiswchen erkannt hat, dass die Zeit des Umbruchs gekommen ist. Das Zeitalter der industrie geht zu Ende. Die Jüngste Finanzkrise ist eines von vielen Anzeichen dafür.
    Jetzt könnte man zum Schutz einiger der Kommentatoren sagen, dass das Design des Rächermänchens Geschmacksache ist. Doch dem muss ich widersprechen. Das Räuchermänchen gehört zu Weihnachten und damit zur Zeit der besinnlichkeit. Einem industriell gefertigten Produkt sieht man es an, dass es nur um den Preis ging. Von Sinnlichkeit und Wohlgefühl ist da nichts zu spüren, das war auch nicht das Ziel. Ein industrieprodukt ist wie Fastfood. Nicht das Wohlgefühl, sondern nur die Sättigung ist das Ziel. Wenn man jedoch gesättigt ist, dann beginnt die Sehnsucht nach Wohlgefühl und man sucht ein gescheiteres Restaurant auf.
    Das alles zu erkennen bedarf jedoch einer gewissen Reife.

  • Wer diese handgefertigten Figuren (hochwertiger Kitsch) haben will, kann gerne den hohen Preis zahlen. ich nicht. ich vertraue eher der maschinellen Fertigung. Die ist weniger fehleranfällig.

    Es gibt Hunderte von Fertigkeiten, für die man heute keinen Pfifferling bekommt. So ist das Leben.

    Die bilder und basteleien meiner Kinder sind Kunst!Mit Fertigkeit, Phantasie und viel Liebe hergestellt. Kein einziges Stück biete ich ihnen, Jonas oder Yahel, an, da können Sie bieten was sie wollen!!!

  • @ Jonas

    "bitte auf CNC"

    Holz läßt sich nicht in Stahlbacken spannen, das müssen Holzaufnahmen sein und die können Sie nicht mit CNC-Technik führen. Eben Handarbeit, wie die Reparatur einer Fahrzeugkarosserie.

  • > Handarbeit hat eben ihren Preis

    Handarbeit hat ihren Lohn.

    Wer heute wie vor 150 Jahren arbeitet und jedes Teil mit den Händen anfasst (ob Kartoffeln ernten, Autobleche dengeln, oder eben Räcuhermännchen drechselt), der lebt halt auch nur in einem Wohlstand wie vor 150 Jahren.

    Und weil er das nicht will - und weil wir das als deutsches Volk alle nicht wollen - müssen wir lernen, effektiver zu arbeiten, für nicht nur dasselbe Produkt, sondern möglichst ein besseres Produkt.

    Das gilt auch für Räuchermännchen. bitte auf CNC, bitte mit automatischer Farbsprühanlage, und bitte nicht nur Vorbilder von vor 150 Jahren sondern auch mal was modernes mit Pep. Dann klappt es auch mit den Herstellungskosten, den Verkaufserlösung, und letztendlich mit dem Lohn und dem damit möglichen Wohlstand.

    Wer aber meint, mit derelben Arbeit wie vor 150 Jahren durchzukommen, und andere sollen sich gefälligst um unseren gesteigerten Wohlstand kümmern und sein Leben subventionieren, der denkt falsch.

  • @ Jonas

    „.....als daß noch ewig derselbe alte Ramsch mit denselben alten Produktionsmethoden hergestellt wird,...“

    Eine schöne Aussage über die Wertschätzung traditioneller handwerklicher Arbeit (Kunst) von jemandem, der lediglich den Preis einer Arbeit kennt aber nicht deren Wert zu schätzen weiß. Das Problem dieser Leute sind nicht die Herstellungsmethoden, sondern Kunden wie Sie und die hier im Land durch Soziallasten etc. aufgeblähten Lohnkosten.

    „Oder die Hersteller lernen mal effektivere Produktionsmethoden und Produkte mit modernerem image herzustellen,...“

    ich gehe jede Wette ein, daß Sie noch nie in ihrem Leben mit einem Drechseleisen an einer Drechselbank gestanden und unter Einsatz ihrer Grob- und Feinmotorik, ihres Formenverständnisses all das von einem Holzklotz abgedrechselt haben, was nicht aussieht wie ein Räuchermännchen.
    Wie solche Räuchermännchen hergestellt werden, darüber können Sie sich in der „Sendung mit der Maus“ informieren oder selbst mal nach Seiffen fahren. Handarbeit hat eben ihren Preis und den will in der billigbilliggesellschaft Deutschland niemand bezahlen. Sie kauft lieber zusammengekleisterte Massenfertigung aus Fernost, um sie wenig später im Hausmüll zu entsorgen, weil sie rechtzeitig nach der Verwendung auseinandergefallen ist. Die Räuchermännchen, kleinen Engel und Streicholzschachtelzimmerchen aus Seiffen hingegen sind von Menschen in liebevoller Handarbeit gefertigte Kunstwerke.

  • Wer seit 150 Jahren mit immer denselben Produktionsmethoden arbeitet,
    muss sich nicht wundern, wenn er von der Zeit überholt wird.
    Rationalisiserung ist überall gefordert, wenn man wohlhabender werden will, aber diese Räuchermännchenfabriken haben davon offenbar noch nie was gehört, aber das gnadenlose unterbieten jeglichen Mindeslohns, das haben sie tief verinnerlicht.
    besser, die betriebe gehen schnell pleite, und die Mitarbeiter finden Jobs in Firmen die wenigstens ein Auskommen sichern helfen, als daß noch ewig derselbe alte Ramsch mit denselben alten Produktionsmethoden hergestellt wird, und die Mitarbeiter in einem "Wohlstand" wie vor 150 Jahren dahinvegetieren müssen.

    Oder die Hersteller lernen mal effektivere Produktionsmethoden und Produkte mit modernerem image herzustellen, dann reicht der Gewinn auch für Mindestlöhne und mehr.

    P.S.: in Shanghai wären 300 EUR der staatliche Mindestlohn, entweder hat er es hier mit Krinimellen zu tun, oder er lügt sich einfach was vom Hörensagen zurecht weil's so gut in sein Feindbild passt.

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