1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Nachhaltigkeit
  4. Betriebliches Gesundheitsmanagement: Warum sich Unternehmen um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern

Betriebliches GesundheitsmanagementWarum sich Unternehmen um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern

Die Sieger des „Corporate Health Award“ kümmern sich vorbildlich um die Gesundheit ihrer Beschäftigten. Sie nutzen die Programme außerdem, um neue Arbeitskräfte anzulocken.Andreas Schulte 10.12.2023 - 19:39 Uhr

Köln. Schaufeln, hämmern, schleifen – Gleisarbeiten bei der DB Cargo sind körperlich fordernd. „Junge Leute arbeiten lieber im ICE“, räumt Kai Rappenecker ein, Leiter des Gesundheitsmanagements bei DB Cargo, der Gütersparte der Deutschen Bahn. Im umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) sieht Rappenecker einen wichtigen Grund, warum DB Cargo im Wettbewerb auch um Nachwuchskräfte dennoch gut mithalten kann.

Für kalte Wintertage stellt DB Cargo den Beschäftigten seit dem vergangenen Jahr beheizbare Kleidung zur Verfügung. Im Hochsommer gibt es Kühlwesten und kühlende Kopftücher. Auch Kolleginnen und Kollegen in der Instandhaltung erhalten auf ihre Tätigkeit abgestimmte Bekleidung. So schonen Rückenstützgurte die Wirbelsäule. Zudem leiten Trainingsvideos zu Übungen an, die ständig wiederholende körperliche Anstrengungen ausgleichen sollen – also etwa Überkopfarbeiten bei der Wartung von Zügen. „Unsere Maßnahmen werden positiv wahrgenommen“, sagt Rappenecker.

Seit 2015 ist das BGM bei DB Cargo verankert – mit einem festen Budget seit 2018. Zwölf regionale Arbeitskreise legen jedes Jahr ein Schwerpunkthema fest. Das strukturierte Vorgehen zahlt sich aus. „Mit unseren Maßnahmen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement konnten wir die Mitarbeiterzufriedenheit steigern. Das zeigen unsere Umfragen“, sagt Rappenecker. Auch das Unternehmen weiß Erfolge des BGM zu nutzen. Im Nachhaltigkeitsbericht wird es als eigener Punkt gesondert aufgeführt.

Damit steht DB Cargo exemplarisch für einen Trend. „Corporate-Health-Management ist zunehmend fester Bestandteil der unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsstrategien“, sagt Steffen Klink. Er ist bei EUPD Research als COO verantwortlich für den „Corporate Health Award 2023“. Gemeinsam mit dem Handelsblatt hat das Bonner Beratungs- und Marktforschungsunternehmen am Donnerstag 20 Branchenpreise und zwölf Sonderpreise für herausragendes betriebliches Gesundheitsmanagement verliehen. DB Cargo erhielt den Sonderpreis „Innovation“. Bei der Veranstaltung wurde zudem Bernhard Badura für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Soziologe gründete im Jahr 2009 an der Universität Bielefeld die Fakultät für Gesundheitswissenschaften.

Basis der Auszeichnungen sind Audits von EUPD. „Wir sehen in diesem Jahr einen Bedeutungsanstieg des BGM für die eigene Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung“, sagt Klink. Dieser Punkt wurde von 30,7 Prozent der befragten Firmen als wichtigstes Organisationsziel benannt. Eng damit verknüpft ist die „Förderung von Recruitingprozessen“, was mit 9,3 Prozent am dritthäufigsten genannt wurde. Die ursprüngliche Aufgabe des BGM, die „Gesundheits- und Leistungsfähigkeit“, gilt mit 28,8 Prozent noch als zweitwichtigstes Ziel.

Bei Hammerer Aluminium Industries im österreichischen Ranshofen, Award-Sieger bei mittelständischen Produktionsbetrieben, stehen diese beiden Punkte im Vordergrund. Seit 2015 konnte der Krankenstand der gewerblichen Beschäftigten von zehn auf 7,5 Prozent reduziert werden. „Gerade bei den gewerblichen Mitarbeitern wollen wir mit präventiven Maßnahmen die Arbeitsfähigkeit möglichst lange erhalten“, sagt Bettina Bogner, Leiterin der Personalentwicklung. Hydraulische Hebehilfen kommen zum Einsatz, wo Lasten von mehr als 15 Kilogramm bewältigt werden müssen.

Das Engagement des Unternehmens für die Gesundheit geht über die Belegschaft hinaus. In der kostenlosen vierwöchigen Ferienbetreuung sind nicht nur die Kinder der Beschäftigten willkommen, sondern auch Enkelkinder. Für die Betreuung des Nachwuchses heuert Hammerer Aluminium Industries qualifizierte Tagesmütter an. Mit dem Lockmittel eines attraktiven Arbeitsplatzes samt Kinderbetreuung sollen nun auch mehr Frauen ins Unternehmen geholt werden. Das Vorbild ist der eigene Standort in Rumänien. „Der Anteil an Frauen liegt dort bei 45 Prozent, in Österreich sind es zehn“, sagt Bogner.

Juristen meditieren

Auch die internationale Anwaltskanzlei Gleiss Lutz – Platz eins bei „Recht/Legal“ – bekennt sich zum doppelten Nutzen des BGM. „Neben dem Wohlbefinden unserer Mitarbeiter spornt uns bei der Gestaltung der BGM-Programme auch das Ziel an, unsere Arbeitgeberattraktivität weiter zu steigern“, erklärt HR-Leiterin Claudia Marx. Bei den eigenen mehr als 350 Anwälten verspürt sie ein wachsendes Interesse und auch mehr Akzeptanz für BGM-Maßnahmen. „Vor fünf Jahren wäre die Offenheit für beispielsweise Meditationsworkshops meist nicht gegeben gewesen. Heute wird es gut angenommen“, erläutert Marx. Derzeit läuft im Unternehmen eine zehnwöchige Meditationsreihe. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, Momente der Ruhe zu schaffen und daraus neue Kraft zu schöpfen.

Um mögliche Vorbehalte gegenüber dem Meditieren zu zerstreuen, hat Gleiss Lutz den millionenfach geklickten Rapper, Autor und Coach Michael Curse Kurth für einen Impulsvortrag zum Auftakt des Kurses engagiert. „Es ist wichtig, dass die handelnden Personen des BGM zu uns als Kanzlei und unserem Qualitätsanspruch passen“, sagt Marx.

Mehr als 100 der gut 750 Beschäftigten an acht Standorten haben sich zum Meditationsprogramm angemeldet. Nach zwei Dritteln der Kursdauer ist noch niemand abgesprungen. Die Anzahl der Teilnehmer habe sich seit Beginn der Veranstaltung nicht verringert, berichtet Marx. Solche Erfolge stärken die Arbeitgebermarke. „Das kanzleieigene BGM kommt in der Branche gut an“, sagt Marx. „Dies spiegeln uns Bewertungen und Kommentare auf Jobportalen und Aussagen von Bewerbern.“

Der Award
Auszeichnung
Initiatoren
Bewertung
Mission

Die ebenfalls ausgezeichnete Atruvia, ein IT-Dienstleister im Bankensektor mit 5000 Mitarbeitern, hat den Begriff des BGM durch „Health, Family & Life“ ersetzt. „Unser Anspruch ist es, unsere Mitarbeitenden auch in Lebensbereichen zu unterstützen, die über das rein Gesundheitliche hinausgehen“, sagt die Verantwortliche Lara Herzberg. Den Beschäftigten stehen 30 Sportgruppen zur Verfügung.

Verwandte Themen
Deutschland

Alle zwei Jahre überprüft das vierköpfige Team „Health, Family & Life“ in umfangreichen Gesundheitsbefragungen die Bedürfnisse der Belegschaft. Alle sechs Monate werden diese großen Umfragen durch sogenannte Pulse Checks ergänzt: Wie steht es um die Mitarbeiterzufriedenheit, wie um das Werteerleben im Unternehmen? Aus der Gesamtheit der Befragungen leitet „Health, Family & Life“ die Maßnahmen für das Gesundheitsmanagement ab. In den zurückliegenden Jahren habe das Team so einen hohen Bedarf an psychischer Gesunderhaltung erkannt, sagt Herzberg. „In diesem Bereich haben wir dann noch einmal aufgestockt.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt