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Energiewende So will die Ölbranche die Wende schaffen

Fallende Preise, sinkende Nachfrage, hohe Verluste: Die Ölbranche muss sich schneller anpassen als geplant – und investiert in die Energiewende.
07.12.2020 - 19:01 Uhr Kommentieren
Auch die Ölindustrie sucht einen Weg, um sich der neuen Realität anzupassen. Quelle: dpa
Öl in der Nordsee

Auch die Ölindustrie sucht einen Weg, um sich der neuen Realität anzupassen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In der fossilen Energiewelt waren sie Konkurrenten – jetzt werden Ørsted und BP zu Partnern. Der dänische Windriese und der britische Öl- und Gaskonzern steigen gemeinsam in die Produktion von grünem Wasserstoff ein. Aus Offshore-Windenergie vor der dänischen Küste will BP in seiner Raffinerie in Lingen klimafreundlichen Wasserstoff produzieren und für die Produktion synthetischer Kraftstoffe nutzen.

Das geplante Projekt ist mit einer Kapazität von 50 Megawatt eines der bislang größten im Bereich grüner Wasserstoff und Teil der ganz persönlichen Energiewende von BP selbst. Bis 2050 will der fossile Konzern klimaneutral werden und seine Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent reduzieren. 

In den nächsten zehn Jahren sollen die Investitionen in Erneuerbare dafür schrittweise auf fünf Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen. Für den Ölkonzern ist das ein radikaler Schritt – mit dem er mittlerweile nicht mehr allein dasteht. Auch Konkurrent Shell will deutlich weniger Geld in die Förderung und Produktion von Öl und Gas stecken und stattdessen mehr in erneuerbare Energien investieren, genauso wie Total, Equinor und Eni.

Die großen Ölkonzerne Europas haben sich zum ersten Mal in der Geschichte eigene Klimaziele verordnet. Aber wo Ørsted schon am Ende der Transformation steht, fangen die Ölriesen jetzt erst an. Und das auch nur, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt.

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    Die schwierige Marktlage sowie der Aufstieg erneuerbarer Energien stellen die gesamte Branche vor große Herausforderungen. Lockdowns, Homeoffice und Reisebeschränkungen haben die weltweite Kraftstoffnachfrage bereits im Frühjahr um mehr als ein Drittel einbrechen lassen.

    Knapp 60 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs entfallen immerhin auf den Transportsektor. Der abrupte Nachfrageeinbruch hat den Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zwischenzeitlich sogar ins Minus rutschen lassen.

    Die Einigung der Opec-plus-Staaten hat die Ölpreise zuletzt etwas stabilisiert. Vergangene Woche hatte sich die 23-Staaten-Allianz darauf verständigt, ab Januar wieder etwas mehr Öl zu fördern. Der Beschluss sieht vor, im neuen Jahr die Menge des gruppenweit geförderten Rohöls gegenüber der aktuellen Förderung um 500.000 Barrel pro Tag anzuheben. 

    Damit weicht die Ölallianz um die Staaten Saudi-Arabien und Russland allerdings von dem bislang geltenden Deal ab, demzufolge die Produktionsmenge 2021 um zwei Millionen Barrel pro Tag steigen sollte.

    Zwar hat sich der Konsum mittlerweile wieder etwas erholt, er bleibt aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau als noch vor einem Jahr. Dass die Ölnachfrage sich nach der Pandemie wieder komplett erholen wird, glaubt mittlerweile noch nicht einmal mehr die Branche selbst.

    Der britische BP-Konzern hat den Ölboom sogar schon für beendet erklärt. In seinem aktuellen Energy Outlook warnt das Unternehmen, dass die Nachfrage absolut gesehen sogar sinken könnte. Deshalb bauen zumindest die europäischen Ölmultis ihr Geschäftsmodell langsam, aber sicher um: Sie streichen Tausende Stellen, setzen sich klare Klimaziele und investieren Milliardensummen in erneuerbare Energien.

    Für die neue Zeit stellt auch Shell das Geschäft neu auf. Die Kosten bei der Förderung und Produktion von Öl und Gas sollen massiv sinken. Stattdessen soll das Geld nun in den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbaren Energien und Strom investiert werden. „Wir müssen sukzessive neue Geschäftsmodelle entwickeln und kosteneffizienter werden“, erklärte Shell-Vorstandsmitglied Huibert Vigeveno die Neuausrichtung des Milliardenkonzerns in einem Handelsblatt-Interview.

    Auch der norwegische Konzern Equinor hat sich ähnliche Ziele gesetzt. Bei der Förderung von Öl und Gas auf dem Heimatmarkt will Equinor bis 2050 klimaneutral werden. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2030 um 40 Prozent und bis 2040 um 70 Prozent zurückgehen, verspricht das Unternehmen.

    Vorreiter ist der französische Total-Konzern

    Dabei setzt Equinor vor allem auf Offshore-Wind. Diesen Bereich wollen die Norweger ausbauen. Bei der Entwicklung von Tiefsee-Windfarmen, bei denen die Windmühlen nicht im Boden verankert werden, sondern nur mit Seilen oder Ketten befestigt sind oder gar schwimmen, gilt Equinor inzwischen sogar als Pionier.

    Vorreiter unter den Ölkonzernen dürfte allerdings die französische Total sein. Der Pariser Ölmulti investiert schon länger kräftig in wichtige Zukunftsmärkte wie Solar- und Windenergie, E-Mobilität oder Wasserstoff und plant, bis 2025 mehr als 25 Gigawatt Bruttoerzeugungskapazität für erneuerbare Energien zu haben. Außerdem kamen Zukäufe im Stromsektor in Spanien, Indien und Katar hinzu sowie ein erstes Investment im Bereich Offshore-Wind in der Nordsee.

    Kritiker und Umweltschützer bemängeln allerdings, dass die Multis den Großteil ihrer Einnahmen auch weiterhin mit dem Verkauf und der Produktion von fossilen Energien machen – und damit haben sie recht. Shell, BP und Co. fangen gerade erst an, ihr Geschäft umzustellen, und setzen noch mindestens zehn bis 15 Jahre auf Milliardengewinne durch Öl und Gas.

    Die nordamerikanische Ölindustrie ist im Gegensatz zu ihrer europäischen Konkurrenz allerdings noch nicht einmal ansatzweise auf dem Weg zur Klimaneutralität. Durch die starke Unterstützung für den fossilen Energiesektor seitens US-Präsident Donald Trump in den vergangenen vier Jahren zeigen Exxon, Chevron oder Conocophillips keinerlei Ambitionen, ihren europäischen Wettbewerbern nachzueifern. Und wegen des künftigen Präsidenten Joe Biden mache man sich nicht allzu große Sorgen, hatte die US-Ölindustrie bereits vor Wochen verlautbaren lassen.

    Ölaktien fallen seit Monaten 

    Das kommt sie nun aber vor allem in Zeiten der Coronakrise teuer zu stehen. Trotz all der Ankündigungen sind die Kurse der Fördergiganten seit Ausbruch der weltweiten Pandemie immer weiter gefallen. Lediglich die Einigung der Opec-plus-Staaten und die Hoffnung auf die baldige Einführung eines Impfstoffes haben den Aktien der Ölunternehmen in den vergangenen Wochen eine leichte Erholung verschafft.

    In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben Shell, Exxon Mobil, Chevron, BP und Total ein Minus von insgesamt 36,4 Milliarden Dollar verbucht. Zum Vergleich: Im Vorjahr stand unter dem Strich noch ein Gewinn von knapp 50 Milliarden Dollar. 

    Allein im dritten Quartal musste der größte börsennotierte Ölkonzern, Exxon Mobil, ein Minus von 680 Millionen Dollar verbuchen. Einen Tag zuvor hatte CEO Darren Woods angekündigt, 15 Prozent seiner Mitarbeiter zu entlassen. Ein Novum in der Geschichte des texanischen Ölgiganten. Zusammen streichen die „Big Five“ mehr als 41.000 Stellen. In der gesamten Öl- und Gasbranche sollen es laut Energieberatungsunternehmen Rystad Energy sogar 400.000 Jobs sein.

    Einige große institutionelle Investoren aus London haben wegen der fallenden Kurse nun massive Schritte eingeleitet. Die Vermögensverwalter Fidelity International und Sarasin & Partners haben Unternehmen wie Shell und BP auf die schwarze Liste gesetzt, weil sie befürchten, dass der Hype um grüne Energien die Gewinne der Milliardenkonzerne gefährden wird.

    Währenddessen kennen die Kurse der Erneuerbare-Energie-Konzerne nur einen Weg: nach oben.

    Serie – Klimapioniere der Wirtschaft: Es gibt kaum einen Tag, an dem nicht ein neues Unternehmen auf der Welt seine frisch gesetzten Klimaziele und Ambitionen für die Energiewende erklärt. Dabei gibt es einige, die dem Trend der „Green Economy“ schon lange vorausgehen und seit vielen Jahren beweisen, dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sein müssen. In unserer Serie stellen wir ein paar dieser „Klimapioniere“ vor.

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