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Neue Impfstoffe Nicht nur Curevac: Impfstoff-Nachzügler weltweit setzen auf die zweite Welle der Pandemiebekämpfung

Dutzende Firmen insbesondere in Asien arbeiten trotz ihres Rückstands mit großen Ambitionen an zusätzlichen und neuen Corona-Impfstoffen. Doch ihre Perspektiven sind unsicher.
09.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Große Ambitionen hat auch Indien, wo mit dem Vakzin Covaxin bereits ein erstes Produkt aus heimischer Entwicklung zugelassen ist. Quelle: dpa
Impfen in Indien

Große Ambitionen hat auch Indien, wo mit dem Vakzin Covaxin bereits ein erstes Produkt aus heimischer Entwicklung zugelassen ist.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Bangkok, Tokio Obwohl die Studienresultate für den Covid-Impfstoff von Curevac enttäuschend sind und eine Zulassung unsicher ist, zeigt sich die Biotech-Firma entschlossen, im Kampf gegen die Covid-Pandemie mitzumischen. Ein verbessertes Nachfolgeprodukt gibt dem Tübinger Unternehmen und seinem Partner Glaxo-Smithkline (GSK) Hoffnung, in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle im Geschäft mit Covid-Impfstoffen zu spielen.

Curevac ist nicht das einzige Unternehmen, das auf die zweite Welle in der Pandemiebekämpfung setzt. Weltweit arbeiten Dutzende Firmen an zusätzlichen und neuen Impfstoffen gegen das Virus. Auch eine ganze Reihe asiatischer Firmen demonstriert erheblichen Ehrgeiz in der Impfstoffentwicklung – trotz ihres Rückstands.

Die Zahl der Entwicklungsprojekte ist weltweit in den vergangenen Monaten weiter gewachsen, obwohl inzwischen ein Dutzend Impfstoffe zugelassen ist, eingesetzt wird und einige in der Praxis hohe Wirkungsgrade bewiesen haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt in ihrer jüngsten Übersicht 184 präklinische Projekte und 104 Produktkandidaten in klinischen Tests. Insgesamt hat sich die Zahl der Impfstoffprojekte seit Jahresbeginn damit um rund 25 Prozent erhöht.

Zwei Faktoren treiben den Run bei der Covid-Impfstoffforschung weiter an. Zum einen ist es die schiere Größe des Bedarfs. Um 80 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen, werden mindestens zehn bis zwölf Milliarden Impfstoffdosen benötigt.

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    Das ist ein Vielfaches der bisher jährlichen Verkaufsmengen im Impfstoffmarkt. Schon ein geringer Anteil an diesem Geschäft kann insbesondere für kleinere Pharmafirmen sehr lukrativ sein. Zum anderen treibt die Firmen an, dass aufgrund der hohen Mutationsrate des Coronavirus wiederholte und wahrscheinlich auch modifizierte Impfungen notwendig sein werden.

    Bedarf an modifzierten Impfstoffen völlig offen

    Doch ob für die vielen Akteure aus der zweiten Reihe Platz sein wird, ist unklar. Bisher weiß niemand, wie schnell und wie viele modifizierte Vakzine benötigt werden.

    Außerdem zeigen die führenden, bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson und Astra-Zeneca solide Wirkungsgrade gegen die neueren und ansteckenderen Varianten. Jüngste Studien deuten zudem daraufhin, dass die Immunisierung womöglich über Jahre anhalten könnte.

    Darüber hinaus arbeiten insbesondere auch die aktuellen Marktführer Biontech und Moderna bereits selbst intensiv an Modifikationen ihrer hochwirksamen Vakzine. Mit dem Impfstoff der US-Firma Novavax befindet sich zudem ein weiterer Impfstoff mit ähnlich hohen Wirkungsgraden auf dem Weg zur Zulassung. Die Nachzügler in der Covid-Impfstoffforschung müssen sich also gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen – wenn sie noch Erfolg haben wollen.

    Japans Pharmafirmen entwickeln Impfstoffe – hängen aber hinterher

    Dessen ungeachtet haben sich bislang nur wenige Firmen aus diesem Wettlauf verabschiedet. In Europa und den USA arbeiten insbesondere die Pharmakonzerne Sanofi und GSK sowie die Biotechfirmen Valneva und Inovio an Vakzinen in fortgeschrittenen Testphasen.

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    In früheren Stadien der klinischen Prüfungen befinden sich Produkte von Biotechfirmen wie Arturus und der mRNA-Firma Translate Bio (in Kooperation mit Sanofi). Etliche junge Biotechfirmen forschen an inhalierbaren Covid-Impfstoffen sowie an Vakzinen, die besonders breit gegen diverse Coronaviren wirken und damit auch vor künftigen Pandemien schützen könnten.

    In etlichen asiatischen Ländern wird die Impfstoffentwicklung unterdessen auch stark von industriepolitischen Motiven getrieben. Sie wollen die offensiven Aktivitäten der Volksrepublik China kontern, deren Unternehmen bereits mehrere Covid-Vakzine auf den Markt gebracht haben und international vermarkten.

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    Zwar haben Industrieländer wie Japan und Südkorea bereits genügend Impfstoffdosen geordert, um ihre Bevölkerung mehr als einmal durchzuimpfen. Aber sie haben sich auch vorgenommen, ihre Pharmaindustrie in die Weltspitze der Arzneimittelentwicklung zu führen, und suchen deshalb auch den Anschluss in der Impfstoffentwicklung.

    Japan: historisches Misstrauen gegenüber Pflichtimpfungen wie Masern und Mumps

    Dabei ist der Rückstand selbst in Japan, das gemessen am technologischen Know-how eigentlich in der Topliga mitspielen müsste, erheblich. Das hat einen historischen Grund. Japan ist beim Impfen besonders vorsichtig, nachdem es in den Neunzigerjahren Klagen gegen Pflichtimpfungen bei Masern, Mumps und Rubella gab.

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    Japans Regierung und die Pharmaindustrie drosselten in der Folge die einheimische Vakzinentwicklung. So ist etwa Japans führender Pharmakonzern Takeda im Covid-Impfstoffgeschäft nur als Kooperationspartner von Moderna und Novavax engagiert.

    Als einer der ambitioniertesten japanischen Entwickler tut sich indes die deutlich kleinere, aber auf Infektionskrankheiten konzentrierte Firma Shionogi hervor. Sie will als erstes Unternehmen in Japan einen eigenen Impfstoff herstellen.

    Shionogi entwickelt wie Novavax, Sanofi und GSK einen „rekombinanten Proteinimpfstoff“. Dabei werden gentechnisch veränderte Insektenzellen verwendet, um Kopien des Covid-19-Spike-Proteins zu produzieren. Allerdings ist bisher nicht einmal die zweite klinische Testphase abgeschlossen.

    Auch andere Hersteller liegen noch zurück. Der Großkonzern Daiichi Sankyo, der Astra-Zenecas Impfstoff in Japan vertreibt, hat erst im März mit eigenen klinischen Studien begonnen. Das Unternehmen will einen mRNA-Impfstoff entwickeln.

    Der Impfstoffhersteller KM Biologics Co. wiederum verwendet für seine Entwicklung abgetötete Coronavirus-Partikel, um eine Immunantwort zu erzeugen. Die Biotechfirma Anges testet einen Impfstoff auf Basis von DNA.

    Taiwan will Chinas Impfstoff-Diplomatie kontern

    Einen Schritt weiter scheinen die Impfstoffentwickler in Taiwan zu sein. Sie wollen auch Chinas Impfstoff-Diplomatie kontern. China verspricht, Ländern seinen Impfstoff zu liefern, und fordert im Gegenzug häufig, etwa auf Kritik an fehlenden Menschenrechten zu verzichten.

    Das taiwanisch-amerikanische Unternehmen United Biomedical (UBI) und Medigen Vaccine Biologics konnten im Juni Phase-2-Daten für ihren Impfstoffkandidaten UB-612 präsentieren, der mit Spike-Proteinen immunisieren soll. Die dritte klinische Testphase wird das Unternehmen in Indien mit dem dortigen Pharmaunternehmen Aurobindo starten.

    Die Firma Medigen hat gemeinsam mit dem National Institutes of Health in den USA ebenfalls einen rekombinanten Proteinimpfstoff entwickelt. Das Unternehmen hat die zweite Testphase abgeschlossen und Mitte Juni den Antrag auf eine Notfallgenehmigung eingereicht.

    Südkoreas Regierung kündigte unterdessen Ende Juni an, eine Handvoll heimischer Unternehmen wie SK Bioscience und Eubiologics bei den abschließenden klinischen Tests mit potenziellen Covid-Impfstoffen zu unterstützten. Allerdings werden die Unternehmen wohl erst frühestens Ende des Jahres mit der dritten Testphase beginnen.

    Neuer indischer Impfstoff zeigt Wirksamkeitsgrad von fast 78 Prozent

    Große Ambitionen demonstriert auch Indien, wo mit dem von Bharat Biotech entwickelten Vakzin Covaxin bereits ein erstes Produkt aus heimischer Entwicklung zugelassen ist. Der bereits in zahlreichen Ländern zugelassene Corona-Impfstoff ist neuen Studienergebnissen zufolge zu 77,8 Prozent effektiv. Er wirke auch gegen die bisher bekannten Varianten des Coronavirus, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Bei der zuerst in Indien festgestellten Delta-Variante beträgt der Wert demnach aber nur 65,2 Prozent.

    Darüber hinaus hat inzwischen auch der Pharmahersteller Cadila Healthcare einen Antrag auf eine Notzulassung für seinen Impfstoff gestellt. Sollten die Behörden des Subkontinents die Zulassung erteilen, würde das Unternehmen eine Weltneuheit auf den Markt bringen: den ersten DNA-Impfstoff für Menschen.

    Neben Cadila Healthcare befindet sich auch der auf Billigimpfstoffe spezialisierte Hersteller Biological E in Indien in der Phase 3 seiner Impfstoffstudie. Das Unternehmen aus der Metropole Hyderabad kooperiert bei der Impfstoffproduktion mit dem amerikanischen Baylor College of Medicine und dem kalifornischen Impfstoffhersteller Dynavax Technologies. Biological E bekommt beim Ausbau seiner Produktionskapazitäten finanzielle Unterstützung der USA.

    Mehr: Wann die Corona-Pandemie trotz Delta-Variante endet

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