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Starkoch Ein Platzl-Hirsch patzt – Alfons Schuhbeck meldet Insolvenz an

Der Münchener Starkoch meldet Insolvenz für Gastronomie und Partyservice an. Die Show des Gewürz-Gurus war deutlich besser als die Qualität seiner Bilanzen.
20.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Als Koch für den FC Bayern München dürfte Schuhbeck weiterwirken. Quelle: www.imago-images.de
Alfons Schuhbeck

Als Koch für den FC Bayern München dürfte Schuhbeck weiterwirken.

(Foto: www.imago-images.de)

München Wer sich in München früher „Am Platzl“ neben dem Hofbräuhaus niederließ, konnte oft eine ganz in Weiß gekleidete Gestalt beobachten. Wie ein leicht entrückter Imperator durchschritt Alfons Schuhbeck sein Revier, auf seiner Jacke prangte über dem schwungvollen Namensschriftzug der bayerische Löwe nebst weiß-blauer Raute.

Vieles hier, im Herzen von Bayerns Landeshauptstadt, war das Werk des „Platzl-Hirschs“: Restaurants, Kochschule, Teeladen, Gewürzhandel, Schoko-Shop, Eisdiele – alles in unmittelbarer Nähe zueinander. Und natürlich kannten die angereisten Touristen den Starkoch mit den blonden Haaren aus seinen kaum zu zählenden Brutzelsendungen im Fernsehen oder von seinen fast zwei Dutzend Büchern.

Doch die Show des humorigen Oberbayern aus Traunstein war schon lange deutlich besser als die Bilanzen seiner diversen Firmen, bei denen er als Geschäftsführer fungiert. Nun musste der umtriebige Schuhbeck, 72, Insolvenz für seine Gaststätten am Platzl („Südtiroler Stuben“, „Orlando“) und den Partyservice anmelden.

Die Coronakrise hat ihm, branchenüblich, schwer zugesetzt. Es fehlte aber erkennbar auch an Reserven für magere Jahre. Zudem war eine Razzia in den Gastro-Geschäftsräumen Ende Juni 2019 wegen vermuteter Steuerhinterziehung weder Image noch Geschäft förderlich. Angeblich geht es um eine strittige Summe in Millionenhöhe, das Verfahren soll noch laufen.

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    Alfons Schuhbeck, der „Küchenkünstler“ („Süddeutsche Zeitung“), hat eine plakative Erklärung für den aktuellen Flurschaden: Die Politik war‘s. Die „vollmundig angekündigten Staatshilfen“ seien bis heute ausgeblieben, wettert der Maître de Plaisir von der Isar.

    Seine Pressemitteilung übertitelt er im Boulevardstil mit: „Das nächste Corona-Opfer“. Es handele sich um einen „wirklich schweren Schritt“, schreibt Schuhbeck. Er wolle aber auf jeden Fall weitermachen und versuche, Gewürzhandel und Beratungsgeschäft zu retten. Die Insolvenz sei „vielleicht sogar eine Chance“, ein „Neustart“ sei möglich. „Aber meine rund 50 Mitarbeiter trifft das richtig hart“, ist in der Mitteilung zu lesen.

    Wirecard-Insolvenzverwalter soll es richten

    Bei der nun verbrannten Partyservice GmbH tritt ein Anwalt aus der Münchener Kanzlei Jaffé, die mit Aufträgen bereits ordentlich eingedeckt ist, als vorläufiger Insolvenzverwalter auf. Die im Bundesanzeiger publizierten Geschäftszahlen aus dem Jahr 2016 – frischere gibt es nicht – vermitteln jedoch nicht gerade die Solidität von Edelstahl.

    So wies Schuhbecks Holding einen Fehlbetrag der Kommanditisten von fast 2,2 Millionen Euro auf, der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckt war. Gegenüber dem Gesellschafter gab es eine hoch anmutende Forderung von fast 4,6 Millionen Euro. Bei Schuhbecks Am Platzl GmbH wiederum war ein Fehlbetrag von gut 86.000 Euro nicht durch Eigenkapital gedeckt, in der Partyservice GmbH fehlten rund 94.000 Euro. Hier fiel auch ein steiler Anstieg der Steuerverbindlichkeiten um mehr als halbe Million auf 1,282 Millionen Euro auf.

    Es verdichtet sich der Eindruck, dass Schuhbeck mit überschaubaren Ressourcen ein sehr großes Rad drehte. Zu den Aktivitäten des Prominentenkochs gehörte etwa ein „Teatro Spiegelzelt“ mit Erlebnisgastronomie. Corona war auch hier ein Stimmungskiller.

    In seinem Element war der Vater von vier Kindern immer, wenn es um sein Lieblingsthema ging: exotische Gewürze. So schwärmte er regelmäßig von der Kraft der Ingwerwurzel. Trotz seiner frechen Schärfe sei Ingwer ein „Teamplayer“, weil er die Qualitäten anderer Aromen unterstütze. Und den Schweinsbraten jazzte er zur „bayerischen Weltsensation“ hoch. Bei solchen Themen gab sich der gelernte Fernmeldetechniker wie ein Start-up-Comedian.

    Seine Karriere hatte einst auf den Zufall gegründet, dass der als Alfons Karg geborene Unterhalter mit seiner damaligen Rockband „Die Scalas“ in den 1960er-Jahren im Ferienort Waging am See abhing. Dort überzeugte ihn Gastwirt Sebastian Schuhbeck vom Nutzen einer Koch-Lehre, adoptierte ihn später und machte ihn zum Erben. Mit dem „Kurhausstüberl“ in Waging wurde der Aufsteiger zum Geheimtipp in den besseren Kreisen von München und Salzburg.

    Dass in seinem verschachtelten Imperium etwas anbrennen könnte, war erstmals zu erahnen, als das mit einem Michelin-Stern bedachte „Schuhbecks fine dining“ im einstigen Traditionsrestaurant „Boettners“ wieder zumachte. Was auch geschieht: Als Koch für den FC Bayern München dürfte Schuhbeck weiterwirken. Es ist nicht zu erwarten, dass der Fußballklub den Mann, der sich mit Verve zur Marke machte, fallen lässt.

    Mehr: Block-House-Chef Stephan von Bülow: „Ein Kalbsschnitzel muss mindestens 25 Euro kosten“

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