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Fußball im Fernsehen

ARCHIV - ILLUSTRATION - Überschlagene Beine vor einem Fernsehgerät, auf dem ein Fußballspiel übertragen wird, aufgenommen am 13.06.2012 in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd (zu dpa "Große Spannung vor Ende des Milliarden-Pokers um Bundesliga-Rechte" vom 09.06.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Streamingdienst Millionen Menschen streamen Fußball kostenlos im Internet. Ist das legal?

Seiten wie livetv.sx oder Cricfree locken mit kostenlosen Live-Übertragungen für Fußball. Aber ist das legal? Wir fragen einen Anwalt für Internetrecht.
19.02.2020 - 12:23 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 19. Februar 2020 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: „LiveTV ist eine kostenlose Seite für Live-Video-Übertragungen von Sportereignissen im Internet.“ Das Angebot: „eine einzigartige Möglichkeit zahlreiche Sport-Ereignisse Live zu verfolgen, wie zum Beispiel Fußballspiele der UEFA Champions League, 1. und 2. Bundesliga“ – und so ziemlich jede weitere Liga, die Fußballfans irgendwo auf dieser Welt begeistert.

Kostenloses Livestreaming von Fußball: Sind Seiten wie Livetv.sx legal?

Wenn am Dienstag oder Mittwochabend die Championsleague läuft oder am Wochenende die Fußball-Bundesliga spielt, besuchen Millionen Menschen diese Seite. Sie wollen ihre Mannschaft live spielen sehen – und das Abo für Bezahlsender wie Sky oder DAZN sparen. Monatlich klicken laut Similarweb weltweit rund 17.000.000 Nutzer auf livetv.sx, einer von acht kommt aus Deutschland.

Aber ist das überhaupt erlaubt? Oder ein grobes Foul gegen die Spielregeln des Urheberrechts? Anpfiff für ein Interview mit Ray Migge, Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht. Das Gespräch haben wir im Sommer 2018 geführt.

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    Ray Migge, zum Start der Bundesliga werden Millionen Menschen in Deutschland Fußball im Internet schauen – viele von ihnen auf Streaming-Seiten wie livetv.sx oder Cricfree. Ist das illegal?
    Ja. Im April 2017 hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil entschieden, dass sich Nutzer strafbar machen, wenn sie sich „freiwillig und in Kenntnis der Sachlage zu einem kostenlosen und nicht zugelassenen Angebot geschützter Werke“ Zugang verschaffen.

    Was bedeutet das konkret?
    Jeder muss selbst beurteilen, ob die Seite, auf der er Fußballspiele live schaut, ein zulässiges Angebot darstellt. In Deutschland weiß jeder, dass Bundesliga gucken Geld kostet, denn Abos bei Sky oder Eurosport sind teuer. Wenn also eine Website wie livetv.sx Links zu kostenlosen Streams anbietet, dann muss dem Nutzer klar sein, dass dieses Angebot nicht zulässig und damit nicht legal sein kann.

    Mit welchen Strafen müssen Nutzer rechnen?
    Bisher sind mir noch keine Abmahnungen bekannt für jemanden, der „nur“ gestreamt hat. Denn es ist fast unmöglich, die IP-Adresse der Nutzer herauszufinden und damit Rückschlüsse auf die illegalen Zuschauer zu ziehen.

    Warum?
    Die Betreiber der Streams sitzen häufig in Russland, China oder anderen Ländern außerhalb der EU – und nur die wissen, wer die Nutzer sind. Die deutschen Behörden kommen da gar nicht ran oder die Portale speichern die Adressen gar nicht erst. Daher ist es sehr schwer, das Zuschauen zu beweisen. Wenn aber der Server in Deutschland steht – was extrem selten ist – und diese Server beschlagnahmt werden, dann können Nutzer möglicherweise identifiziert werden und Schadensersatzforderungen von drei bis zehn Euro anfallen.

    Ist das alles?
    Das sind erstmal nur die Kosten, die man sonst zahlen müsste, um ein Spiel legal zu schauen. Ein Tagesabo für Live-Sport bei Sky oder Eurosport kostet zum Beispiel zehn Euro. Dazu kommt aber noch die Abmahngebühr und Rechtsverfolgungskosten

    … und die kosten wieviel?
    150 bis 200 Euro. Diese Kosten fallen dem Rechteinhaber an, um die IP-Adresse des illegalen Nutzers nachzuverfolgen. Der Sender Sky könnte zum Beispiel eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragen, das illegale Streaming-Portal anzuschreiben und nach den IP-Adressen zu fragen. Danach müsste noch der Anschlussinhaber hinter der IP-Adresse identifiziert werden. Die Kosten für diese Verfahren muss dann der illegale Nutzer erstatten.

    Rechtsanwalt Ray Migge: „In den allermeisten Fällen geht’s ums Geld.“

    Die Deutsche Fußball-Liga verkauft die Fernsehrechte an Sender wie Sky und Europsort (neuerdings an DAZN). Denen entsteht also jede Woche ein Schaden von rund 20 Millionen Euro. Warum tut niemand was dagegen?
    Es ist sehr schwierig, gegen den Portalbetreiber vorzugehen. Livetv zum Beispiel stellt die Streams nicht auf eigenen Servern zur Verfügung, sondern verlinkt zu jedem Spiel auf verschiedene Anbieter, die auch wechseln können. Wenn man diese Betreiber nach IP-Adressen fragt, werden sie nicht reagieren, da sie sich im Ausland sicher vor dem Zugriff deutscher Behörden fühlen und zumeist auch sind.

    Unterm Strich müssen die Besucher von Seiten wie Livetv trotz des Urteils also keinen Brief vom Anwalt befürchten…
    … ganz so einfach ist es nicht: Denn wenn das Streaming nicht nur ein Download der Daten bedeutet, sondern die Nutzer den Stream auch anderen Nutzern zur Verfügung stellen, wird es gefährlich. Dann wird der Konsument zum Dealer – und das ist leichter zu verfolgen und kann teuer werden.

    Wie erkenne ich diesen Unterschied?
    Einige Streamingseiten bieten Software an, mit denen sich – ähnlich wie bei Netflix oder Amazon Prime – bestimmte Streams direkt ansteuern lassen. Bei Livetv ist das zum Beispiel ein Player namens SopCast.

    Was hat es mit SopCast auf sich?
    Dahinter steckt kein einseitiger Download-Stream, sondern ein P2P-Netzwerk. Was viele nicht wissen: Wer hier streamt, lädt die Daten gleichzeitig hoch und stellt sie anderen Nutzern zur Verfügung. So kann jeder von jedem gleichzeitig runterladen. Und der Schaden, den ein Nutzer produziert, wird viel größer.

    Inwiefern?
    Nehmen wir an, man streamt ein Bundesligaspiel und 100 Nutzer saugt gleichzeitig die Daten ab, die man parallel hochlädt. Dann entsteht durch den Upload im Hintergrund des Streams ein Schaden von 1.000 Euro. Und die Gefahr, erwischt zu werden, ist ungleich größer.

    Warum?
    Wer den Wohnort eines Nutzers herausfinden will, muss sich einfach nur als Streamingnutzer tarnen und kann beim Download sofort die IP-Adresse des Nutzers sehen, welcher den Stream zur Verfügung stellt. Mit der IP-Adresse kann in einem gesonderten Verfahren der Wohnort des Nutzers ermittelt werden. Und dann geht man den Ermittlern ins Netz.

    „LiveTV erfüllt nicht die Vorgaben der DSGVO“

    Abgesehen von den Geldstrafen: Wie gefährlich sind illegale Streaming-Seiten für Nutzer?
    Livetv selbst scheint verhältnismäßig safe zu sein, da gibt es wenig Meldungen. Aber die Seite speichert viele Daten der Nutzer. Wer zum Beispiel bei Facebook eingeloggt ist, lässt zu, dass Livetv Daten aus dem Profil an Firmen verkauft, die Marktforschung machen oder möglicherweise andere Dienstleistungen in Deutschland anbieten wollen, die interessant sind für Menschen, die gerne Fußball schauen. Livetv erfüllt nicht die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung, weil der Server außerhalb von Europa steht und damit hat der Nutzer fast keine Handhabe darüber, welche Daten von ihm erhoben werden und was mit diesen Daten geschieht.

    Wie sieht es mit Viren oder Schadsoftware aus?
    Hier wird es erst gefährlich bei den Links, auf die man klicken muss, um den Stream anzuschauen. Da besteht natürlich auch immer die Gefahr eines Skripts, das den eigenen Rechner angreift – oder Viren, Trojaner und andere Schadsoftware verbreitet.

    Warum werden überhaupt Streams angeboten?
    Kaum ein Stream-Anbieter stellt einen illegalen Stream online, weil er einfach nur der Überzeugung ist, die Bundesliga sollte jedem kostenfrei zugänglich sein. Stattdessen geht es letztlich in den allermeisten Fällen ums Geld. Entweder, die Anbieter verdienen mit den Werbeanzeigen Geld, weshalb man auch immer so unendlich viele Werbeanzeigen und Pop-up-Banner wegklicken muss. Oder sie machen ein Geschäft mit dem Verkauf von Daten oder der Einspielung von Schadsoftware.

    Wie funktionieren diese Streams eigentlich technisch?
    Viele Streams stammen aus dem arabischen oder russischen Fernsehen, wo Fußball teilweise kostenlos gezeigt wird. Die Anbieter fangen das TV-Signal ab und übertragen es dann auf einen Server. Das Gleiche funktioniert auch bei Streams, welche die Übertragung von Eurosport oder Sky auf Deutsch anbieten. Heutzutage läuft TV-Empfang komplett digital. Daher ist es kein Problem, das Signal zu vervielfältigen und als Stream anzubieten.

    Danke für das Gespräch.

    Hinweis der Redaktion: Das Interview ist im August 2018 erstmals auf Orange erschienen. Zur entscheidenden Phase der Champiosleague- und der Bundesliga-Saison 2019/2020 haben wir den Artikel für euch nochmal aktualisiert.

    Mehr: Bundesliga will illegale TV-Übertragungen unterbinden – mithilfe eines Start-ups

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