Waldbrand-Katastrophe Weitere Tote durch Brände in Kalifornien

In Kalifornien steigt die Zahl der Toten durch die Waldbrände weiter. Ein Energieversorger gerät als möglicher Verursacher in Verdacht – die Aktie des Unternehmens stürzt ab.
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In den Trümmern der völlig zerstörten Ortes Paradise in Nordkalifornien suchen Helfer nach Opfern der Brandkatastrophe. Quelle: dpa
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In den Trümmern der völlig zerstörten Ortes Paradise in Nordkalifornien suchen Helfer nach Opfern der Brandkatastrophe.

(Foto: dpa)

Los Angeles/ParadiseDie Großbrände in Kalifornien sind noch lange nicht unter Kontrolle und fordern jeden Tag mehr Opfer. Beim „Camp“-Feuer im Norden des Bundesstaats stieg die Zahl der Toten inzwischen auf 56, nachdem in Trümmern acht weitere Leichen gefunden wurden, wie Kory Honea, der Sheriff von Butte County, am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilte.

Das nordkalifornische Feuer hat inzwischen eine Fläche von fast 550 Quadratkilometern verkohlt, wie ein Sprecher der Brandschutzbehörde sagte. Es sei erst zu einem Drittel eingedämmt. Immerhin hätten die starken Winde nachgelassen und die Luftfeuchtigkeit sei gestiegen.

Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wütet weiter das „Woolsey“-Feuer. Hier wurde eine weitere Leiche entdeckt, die Zahl der Toten in diesem Gebiet stieg damit auf drei. Insgesamt sind hier bislang rund 400 Quadratkilometer Land von den Feuern betroffen.

Waldbrände in Kalifornien – Noch immer mehr als 220 Personen vermisst

Seit einer Woche sind mehrere tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen in beiden Brandgebieten zu bekämpfen. Der Ort Paradise nördlich von Sacramento glich nach dem „Camp“-Inferno einer Geisterstadt. Suchteams und Spürhunde arbeiten sich dort durch die Trümmer, um nach Leichen zu suchen.

Mehrere Todesopfer seien noch nicht identifiziert, sagte Sheriff Honea. DNA-Tests sollen dabei helfen. Die Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen, 130 Menschen werden laut Honea derzeit noch vermisst.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown äußerte sich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung. „Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet“, sagte er. US-Innenminister Ryan Zinke, der die betroffenen Gebiete am Mittwoch besuchte, sprach von einer verheerenden Tragödie und betonte: „Das ist das schlimmste Feuer, das ich je gesehen habe.“

Wiederaufbau ein langer und frustrierender Prozess

Der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, sagte, es handele sich um eine komplexes Desaster, insbesondere wegen der völligen Zerstörung des Ortes Paradise. Die Helfer müssten sich dort zunächst vorsichtig durch die Trümmer arbeiten, um nach Toten zu suchen. Danach müssten die Trümmer weggeschafft werden. Der anschließende Wiederaufbau werde Jahre dauern. „Das wird ein sehr langer und sehr frustrierender Prozess für die Menschen in Paradise“, so Long.

Derzeit sind viele Menschen in Notunterkünften untergebracht. Die Behörden sind besorgt, dass sich dort Krankheiten schnell ausbreiten könnten. Die Gesundheitsbehörde im Butte County rief die Bevölkerung auch auf, sich und besonders Kinder vor der rauchverschmutzten Luft zu schützen und drinnen zu bleiben.

Bei der Suche nach der Brandursache gerät der Stromversorger Pacific Gas & Electric zunehmend in den Blick. Die Aktie des Unternehmens stürzte ab, nachdem mehrere Opfer des nordkalifornischen Brandes Klage eingereicht haben. Sie beschuldigen PG&E, das Feuer durch schlecht gewartete Anlagen verursacht zu haben.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Haftpflichtversicherung für Waldbrände, die Schäden bis 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) abdeckt. Falls Firmenanlagen die Schuld an dem Feuer hätten, könnten die Kosten die versicherte Summe übersteigen und sich erheblich auf die Unternehmensfinanzen auswirken, warnte PG&E.

Die Aktie stürzte am Mittwoch um mehr als 20 Prozent ab. Innerhalb von vier Tagen hat sie etwa die Hälfte ihres Werts verloren.

  • dpa
  • ap
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