Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP 2: Gerresheimer gewinnt Großaufträge und baut Geschäft mit Übernahme aus

(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Chefsuche geht weiter, Analystenkommentar Goldman Sachs)
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  • dpa

DÜSSELDORFGroßaufträge und die Übernahme eines Medizintechnikherstellers stimmen den Verpackungsspezialisten Gerresheimer mittelfristig optimistisch. Das Unternehmen erhofft sich einen Wachstumsschub, nachdem die Umsatzentwicklung zuletzt eher träge war. Aber auch für 2018 gibt sich der Konzern in Erwartung eines stärkeren zweiten Halbjahres etwas zuversichtlicher. Bei den Anlegern kam das gut an: Die Aktien näherten sich am Donnerstag mit einem Kurssprung bis auf 77,95 Euro ihrer Bestmarke 78,25 Euro aus dem Juni 2017. Zuletzt führten sie den Index der mittelgroßen Werte MDax noch mit einem Plus von 8,62 Prozent auf 76,25 Euro an.

Für das bis Ende November laufende Geschäftsjahr 2018 peilt der MDax-Konzern angesichts der sich abzeichnenden Nachfrage auf Basis konstanter Wechselkurse nun einen Umsatz von 1,38 bis 1,40 Milliarden Euro an. Bisher hatte das untere Ende der Prognose bei 1,35 Milliarden Euro gelegen. Für das bereinigte Ebitda auf Basis konstanter Wechselkurse werden weiterhin 305 bis 315 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Dem liegt allerdings ein Wechselkurs von 1,12 US-Dollar zugrunde. In den vergangenen Monaten war der Dollar im Vergleich zum Euro allerdings deutlich schwächer.

Die zwei Großaufträge für Inhalatoren und vorfüllbare Spritzen werden aber in den kommenden Jahren leicht auf der Profitabilität lasten. Kosten für den Produktionsanlauf und Mitarbeitertrainings dürften die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) 2019 und 2020 im Vergleich zu 2017 um einen Prozentpunkt belasten, wie das Unternehmen am Mittwochabend in Düsseldorf mitgeteilt hatte. Ab 2021 soll die Profitabilität dann aber steigen.

Unberücksichtigt bei dem Ausblick blieb noch die Übernahme des Schweizer Medizintechnikunternehmens Sensile Medical für maximal 350 Millionen Euro. Zunächst legt Gerresheimer dafür 175 Millionen Euro und Ende des Jahres nochmal 25 Millionen Euro auf den Tisch. Der Rest fließt erfolgsabhängig.

"Sensile Medical ist der Grundstein für eine maßgebliche Verbreiterung unseres Geschäftsmodells in innovativen Anwendungsgebieten", sagte Vorstandssprecher und Finanzvorstand Rainer Beaujean laut Mitteilung. Der Zukauf werde in einen neuen, dritten Geschäftsbereich eingebracht, sagte der Manager dann während einer Telefonkonferenz am Donnerstag. Mögliche weitere Übernahmen im Medizintechnik-Segment sollen ebenfalls in dieser Sparte aufgehen.

Mit dem Kauf richtet sich das Unternehmen laut der Analystin Veronika Dubajova von der Investmentbank Goldman Sachs stärker auf einen schneller wachsenden Bereich des Pharmamarktes aus. Für das laufende Jahr schätzt Gerresheimer den Umsatz der neuen Tochter auf Basis erster vorläufiger Erwartungen auf rund 15 Millionen Euro. 2027 könnten es dann schon 400 Millionen Euro sein.

Im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal bekamen die Düsseldorfer derweil erneut den im Vergleich zum Euro schwächeren Dollar zu spüren und blieben teilweise hinter den durchschnittlichen Markterwartungen zurück. So stieg der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurseffekte im Vergleich zum Vorjahr zwar um 2,1 Prozent auf 343 Millionen Euro, fiel de facto aber um 2 Prozent auf rund 333 Millionen Euro.

Das bereinigte operative Ergebnis sank um etwas mehr als 6 Prozent auf 71,1 Millionen Euro. Selbst unter Ausklammerung des schwachen US-Dollar blieb ein Minus von etwas mehr als 1 Prozent. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 26 Millionen Euro und damit 14,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Hier schlugen auch Kosten im Zusammengang mit der Übernahme von Sensile zu Buche. Zudem litt die Profitabilität im Geschäft mit medizinischen Kunststoffprodukten unter einer geringeren Nachfrage einiger Kunden.

Positiv äußerte sich Gerresheimer derweil zur Nachfrage nach Kunststofffläschchen für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA. Die Umsatzerlöse mit Primärverpackungen aus Glas seien in Nordamerika höher gewesen als im Vorjahresquartal, hieß es. Auch die entsprechenden Umsätze in China und mit Kosmetikglas entwickelten sich gut.

Der Konzern stellt vor allem pharmazeutische Verpackungen wie vorfüllbare Spritzen und Ampullen, aber auch Tiegel und Fläschchen für die Kosmetikindustrie her. Keine Neuigkeiten gab bei der Suche nach einem neuen Konzernchef. Die Stelle ist nun schon seit Februar vakant.

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