Wirtschaft, Handel & Finanzen ROUNDUP/'WAZ': Thyssenkrupp-Großaktionär Krupp-Stiftung plant Sondersitzung

Die Krupp-Stiftung plant wegen der Führungskrise bei Thyssenkrupp einem Bericht zufolge eine Sondersitzung. Bei dem nach wie vor größten Einzelaktionär des Industriekonzerns wolle das Stiftungskuratorium am Freitag zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammenkommen, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ/Mittwochausgabe) unter Berufung auf Kuratoriumsmitglieder. Unter der Leitung von Stiftungschefin Ursula Gather wolle sich das Kuratorium mit der aktuellen Lage nach dem überraschenden Rücktritt von Vorstandschef Heinrich Hiesinger befassen.
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  • dpa

Die Aktie von Thyssenkrupp entwickelte sich am Donnerstag zum schwächsten Dax-Wert, sie verlor am Mittag in einem insgesamt schwachen Umfeld fast 3 Prozent. Experten führten auch die Eskalation im Handelskonflikt als Grund an.

Gather war wegen des Rückzugs Hiesingers, der den Konzern in den vergangenen Jahren aus der größten Krise des Unternehmens geführt hatte, in die Kritik geraten. Der Stiftung wurde unter anderem vorgeworfen, im Ringen um eine neue Strategie sich zu wenig hinter Hiesinger gestellt zu haben. Dieser wollte den Konzern nicht so radikal umbauen wie es die beiden aktivistischen Investoren Cevian und Paul Singer zuletzt immer intensiver gefordert hatten. Die Stiftung, die mit rund 21 Prozent größter Einzelaktionär ist, hatte sich in der Diskussion zumindest öffentlich nicht zu Wort gemeldet.

Das Kuratorium ist das wichtigste Führungsgremium der Krupp-Stiftung. Aus dem Stiftungskuratorium ist dem "WAZ"-Bericht zufolge Verblüffung über die Darstellung von angeblich mangelnder Unterstützung für Hiesinger zu hören. Es sei davon auszugehen, dass das Kuratorium Stiftungschefin Gather bei der Sitzung am Freitag den Rücken stärken wird, hieß es weiter. Der schwedische Investor Cevian hält rund 18 Prozent an Thyssenkrupp - Singer hält über seinen Hedgefonds Elliott zirka 3 Prozent.

Damit haben beide zusammen so viel wie die Krupp-Stiftung, die in den vergangenen Jahren wegen Kapitalerhöhungen, an denen sie nicht teilgenommen haben, an Einfluss eingebüßt hat. So sank der Anteil unter die sogenannte Sperrminorität von 25 Prozent. Damit kann die Stiftung mit ihren Aktien alleine keine Entscheidungen mehr blockieren.

Unterdessen wies Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner Forderungen von Cevian zurück, den Konzern zu zerschlagen und den profitabelsten Teil, das Aufzuggeschäft, zu verkaufen, zurück. "Tafelsilber (…) verkauft man nur in der Not", sagte er in einem Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit". "Bei uns gibt es keine Not. Und es bestehen keinerlei Pläne, uns von unserem besten Geschäft zu trennen. Das widerspräche jeglicher Vernunft."

Die Lage bei Thyssenkrupp ruft nach Informationen der "Rheinischen Post" nun auch die Politik auf den Plan. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) habe für Donnerstag ein Treffen mit Vertretern der Unternehmensleitung und der Arbeitnehmerseite angesetzt.

An diesem werden vonseiten des Managements Personalvorstand Oliver Burkhard und Finanzvorstand Guido Kerkhoff, der nach Informationen des "Handelsblatts" (Mittwoch) noch in dieser Woche zum Interimschef berufen werden soll, teilnehmen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise. Für die Beschäftigten sind der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, und der von der Gewerkschaft entsandte stellvertretende Thyssenkrupp-Aufsichtsratsvorsitzende, Markus Grolms, dabei.

Noch am Montag hatte sich NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) bei einem Stahlgipfel zurückhaltend zu einer Einmischung seitens der Politik geäußert: "Wie sich das Unternehmen weiterentwickelt, das sind unternehmenspolitische Entscheidungen. Dabei bleibe ich auch", sagte Pinkwart. Die IG Metall wollte sich zu dem geplanten Treffen mit Laschet nicht äußern, wie die "Rheinische Post" berichtete. Bezirksleiter Giesler sagte lediglich: "Wir sind in Gesprächen mit allen wichtigen Partnern. Inzwischen haben wohl alle die Brisanz der Lage verstanden."

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet hatte zuvor Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft zu einem Treffen eingeladen. Der Termin sei am Donnerstag geplant, hieß es aus Regierungskreisen. Die "Rheinische Post" hatte zuvor darüber berichtet. Laschet ist seit Ende vergangenen Jahres auch Mitglied im Kuratorium der Krupp-Stiftung unter Führung von Gather.

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