Plan B: So schützen Sie Ihr Geld vor dem Euro-Kollaps
Kernschmelze: Der Euro droht zur Weichwährung zu werden.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Staatsschuldenkrise in Europa hat ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Vor wenigen Monaten wagte kaum einer zu denken, was inzwischen immer wieder zu hören ist: Selbst ein Kollaps des Euros scheint nicht mehr ausgeschlossen. Viele Deutsche fragen sich in diesen Tagen: Was wird aus dem Euro? Wie sicher ist mein Geld?
Noch beteuern Politiker und Notenbanker, dass sie alles tun werden, um den Euro zu erhalten. Aber kann man sich darauf verlassen? Es ist noch nicht lange her, da hieß es, eine Pleite Griechenlands komme niemals infrage. Was anschließend geschah, zeigt, wie schnell solche Bekenntnisse von der Realität überholt werden.
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„Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario“, sagt der Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltung DB Advisors, Georg Schuh, auf einer Konferenz in Frankfurt. Seine Abteilung verwaltet für institutionelle Kunden weltweit rund 175 Milliarden Euro. Schuh vermisst überzeugende Antworten der Politik in der Schuldenkrise. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zwar „noch ein paar Schüsse“ an Notmaßnahmen frei, betonte Schuh. Doch dieses Durchwursteln überzeuge die Investoren nicht mehr. „Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase.“
Es geht längst nicht mehr allein um Griechenland. Auch Spanien und Italien können sich kaum noch aus eigener Kraft von den Schulden befreien. Selbst Deutschland könnte in die Krise mit hineingezogen werden. Schließlich garantiert die Bundesrepublik rund 280 Milliarden Euro für die Rettungsschirme EFSF und ESM. Hinzu kommen weitere Rettungsprogramme für Staaten und Banken.
Nach dem Motto „Das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereiten“ treffen die großen Investoren und Vermögensverwalter bereits Vorkehrungen. So werkelt zum Beispiel die Vermögensverwaltungstochter der Münchener Rück, die Meag, an Strategien, um einen Euro-Crash möglichst unbeschadet zu überstehen. Reiner Back, Finanzmarktexperte der Meag, glaubt zwar, dass der Euro erhalten bleibt. In vielen Gesprächen mit Kunden in den vergangenen Wochen habe er aber feststellen müssen: „Da bin ich in einer Außenseiterposition.“
Während sich die Großen vorbereiten, wissen viele Kleinanleger nicht, wie sie ihr Geld in Sicherheit bringen können. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten; entweder indem der Sparer etwas Geld in andere Währungen und Edelmetalle anlegt – das ist der konservative Weg –, oder durch gezielte Wetten gegen den Euro – das ist die spekulative Variante.
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Um Geld in andere Währungsräume zu schaffen, muss niemand mit einem Koffer voller Scheine über die Grenze fahren. Es gibt bessere, ganz legale Wege. „Wer einen Crash des Euro befürchtet, sollte sein Geld in erster Linie im Nicht-Euro-Bereich anlegen. Also beispielsweise auf Währungskonten, die etwa in kanadischen Dollar oder Schweizer Franken geführt werden“, sagt Jürgen Kurz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
Viele Banken bieten ihren Kunden auch längst Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur eben in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Dollar, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der US-Währung verlieren sollte. Für den normalen Zahlungsverkehr lassen sich Währungskonten nicht nutzen, sie sind reine Anlageprodukte.
Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins; zumindest, wenn man, wie etwa bei der Comdirect, auf etwas exotischere Währungen wie den südafrikanischen Rand setzt.
Insgesamt bietet die Commerzbank-Tochter ihren Kunden elf verschiedene Währungskonten an. Darunter die Klassiker US-Dollar, Franken oder Yen. Wer es etwas ausgefallener mag, kann sein Geld in Zloty, tschechischer Krone oder mexikanischem Peso anlegen.
Nach Angaben der Direktbank haben zuletzt immer mehr Kunden ihre Euro in Fremdwährungen umgeschichtet. Im vergangenen Jahr stieg das Sparguthaben auf den Devisenkonten um rund 20 Prozent, sagte eine Sprecherin. Ähnlich hoch seien die Wachstumsraten. Besonders beliebt bei den Sparern: Schweizer Franken, US-Dollar und Norwegische Krone. Neben Comdirect bieten auch die DAB Bank, Cortal Consors und das Sparkassenportal S-Broker die Konten an.
„Aufgrund der Risiken für den Euro empfehlen wir zurzeit eher Währungen von vergleichsweise niedrig verschuldeten Staaten – etwa die Norwegische Krone – oder solche, die klassischerweise als sicherer Hafen gesehen werden – zum Beispiel der US-Dollar“, sagt Alfred Roelli, Chefanlagestratege von Pictet.
Eine weitere Möglichkeit, sich vor einem möglichen Euro-Crash zu schützen, sind Aktien in einer fremden Währung. Damit lässt sich indirekt von einem fallenden Euro-Kurs profitieren.
„Wer in dem Umfeld keine Aktien hat ist ein Spekulant, er setzt auf einen Fortbestand des Systems so wie es heute ist!“, sagt Michael Reuss von Huber, Reuss & Kollgen. Der Vermögensverwalter rät zu Substanzwerten wie Nestlé oder Coca-Cola.
Wer bei Aktien auf Einzeltitel setzt, sollte grundsätzlich nur Titel wählen, die er selbst kennt und dessen Unternehmensentwicklung sich gut beobachten lässt. Je leichter das Geschäftsmodell eines Unternehmens zu begreifen ist, desto einfacher ist es auch, die langfristigen Aussichten zu bewerten.
Die Experten des amerikanischen Investmenthauses Kepler Capital Markets haben eine Liste mit Unternehmen zusammengestellt, die einen Euro-Crash vergleichsweise schadlos überstehen würden. Alle Konzerne, die auf der Liste stehen, stammen aus der Schweiz – Givaudan, Nestlé, Roche, Schindler Holding und Syngenta.
Die Vorteile von Auslandsaktien: Wenn die fremde Währung aufwertet, steigen sowohl der Verkaufswert in Euro als auch der Wert der Dividendenzahlungen – sogar wenn sich der Aktienkurs selbst gar nicht bewegt hat. Optimal läuft es, wenn der Kurs der Aktie steigt und die fremde Währung noch aufwertet. Der Nachteil: Aktien können stark schwanken – und im Falle eines Schocks, wie etwa einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone, dürften auch die Aktienmärkte weltweit in Mitleidenschaft gezogen werden. Kursverluste können die Einnahmen aus dem besseren Wechselkursverhältnis schnell aufzehren.
Große Kursschwankungen sind bei Anleihen seltener. Allerdings werfen deutsche Bundesanleihen, die nach wie vor als sicher gelten, kaum noch Rendite ab. Die zehnjährigen Papiere rentieren aktuell nur bei 1,5 Prozent – das gleicht nicht mal die Inflation aus. In einem Fall könnten sich Bundesbonds allerdings doch voll auszahlen: „Deutsche Staatsanleihen sind die beste Anlage, wenn der Euro auseinanderfällt und die D-Mark wiedereingeführt wird“, sagt Gottfried Urban, Vorstand der Neue Vermögen AG. „Dann werden alle deutsche Staatspapiere haben wollen und diese werden im Kurs weiter steigen. Die neue D-Mark wird stark werden!“
Eine heiße Wette – zumal dieses Szenario wirklich nur der Extremfall ist. Schon eher kann es sich lohnen, interessante Anleihen aus anderen Währungsräumen unter die Lupe zu nehmen. Die australische zehnjährige Staatsanleihe rentiert derzeit beispielsweise bei 3,05 Prozent, gut 1,5 Prozent über den vergleichbaren Papieren aus Deutschland, und das, obwohl beide Länder über die Spitzen-Bonitätsnote AAA verfügen.
Fremdwährungsanleihen - insbesondere in Nischenwährungen - weisen häufig vergleichsweise hohe Zinscoupons auf und bieten damit auch relativ hohe Renditechancen. Auf der anderen Seite bergen sie, aber auch das Risiko von Wechselkursverlusten. Die im Vergleich zu anderen Märkten höheren Zinsen und Chancen auf Währungsgewinne müssen also gegen die Risiken abgewogen werden.
Die Berenberg Bank hat Anfang des Monats einen neuen Fonds aufgelegt. „Hartwährungen“ nennt sie ihr neues Produkt. Die Nachfrage der gut betuchten Kundschaft ist groß. In nur wenigen Wochen habe der Fonds bereits 35 Millionen Euro eingesammelt, sagt Peter Reichel, Leiter der privaten Vermögensverwaltung bei dem Hamburger Geldhaus. Der Fonds investiert ausschließlich in Anleihen von Staaten mit niedriger Schuldenquote, darunter Schweden, Südkorea, Norwegen, Polen, Australien oder Kanada.
Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet ebenfalls Fremdwährungsanleihen an, mit denen Anleger relativ risikolos auf Wechselkurseffekte setzen können.
Wer etwas mehr Risiko in Kauf nehmen will, schaut sich Mexiko an. Die Anleihen aus Mittelamerika rentieren derzeit bei 3,2 Prozent. Natürlich kämpft das Land mit schwerwiegenden Problemen, wie etwa Drogen- und Straßenkriminalität. Hohe Schulden gehören aber nicht zu den Problemen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt die Schuldenquote nur bei der Hälfte des deutschen Niveaus. Bill Gross von Pimco, einer der größten Anleiheinvestoren der Welt, hat gerade erst erklärt, er setze lieber auf Mexiko als auf Deutschland.
Anleger, die davon ausgehen, dass der Euro scheitert, können aber auch gezielt auf den Untergang der Gemeinschaftswährung wetten. Mittlerweile gibt es unzählige Hebelpapiere, die genau dann gewinnen, wenn der Euro verliert – bei gleichzeitig hohem Risiko.
Knock-out-Optionsscheine zum Beispiel; sie gehören zu den beliebtesten Möglichkeiten, um von den kräftigen Wechselkursschwankungen zu profitieren, also auch, wenn der Euro-Raum zusammenbricht. Das mit Abstand am meisten gehandelte Währungspaar ist der Euro gegenüber dem Dollar. Anleger, die gegen den Euro wetten, kaufen sich sogenannte Knock-out-Put-Optionsscheine. Put steht für fallende Kurse, Call für steigende.
Ein Knock-out-Put-Schein zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass der Emittent des Produkts eine bestimmte Kursgrenze definiert, die sogenannte Knock-out-Schwelle. Sollte der Euro diesen Kurs während der Laufzeit nach oben durchbrechen, ist das eingesetzte Geld futsch. So sind die Spielregeln. Anleger müssen bei der Auswahl des Optionsscheins deshalb genau darauf achten, wo diese Schwelle liegt.
Zuletzt kostete der Euro rund 1,26 US-Dollar. Besonders mutige Anleger könnten einen Optionsschein von der US-Investmentbank Goldman Sachs (WKN: GT1FJ4) mit einer Schwelle bei 1,27 Dollar auswählen. Das Risiko, dass der Euro-Kurs in den kommenden Tagen noch einmal die Schwelle durchbricht, ist groß.
Allerdings, und das ist die Versuchung, wird der Gewinn umso größer sein, sollte der Euro-Kurs in den kommenden Tagen und Wochen tatsächlich immer weiter fallen. Der sogenannte Hebel gibt an, wie viel Geld man einsetzen muss, um genauso von der Preisentwicklung zu profitieren wie jemand, der eine Euro-Münze in der Tasche hat und sie später gegen Dollar eintauscht (die Wechselgebühren nicht berücksichtigt). In dem Beispiel beträgt dieser Hebel mehr als 90; der Inhaber des Knock-out-Puts muss also nur ein Neunzigstel des Kapitals einsetzen wie der Münzenträger. Eine heiße Wette! Realistischer erscheint ein Knock-out-Put der Deutschen Bank (WKN:DX05K2), bei dem die Schwelle bei 1,32 Dollar liegt. Der Hebel betrüge in diesem Falle rund 20.
Hinzu kommt bei allen Hebelpapieren und Zertifikate das Emittentenrisiko: Wenn die Bank, die die Papiere ausgibt, pleitegeht, dann kann der Anleger sein Geld abschreiben. Die Inhaber von Lehman-Zertifikaten können sich daran erinnern.
Wem das alles zu heikel ist, und wer weniger auf Schuldverschreibungen, sondern auf Sachwerte baut, der hat eine letzte Möglichkeit sein Geld in Sicherheit zu bringen: Gold. Das Edelmetall glänzt nicht nur als Schmuckstück, sondern ist zugleich das älteste Geld der Welt. „Gold ist eine Währung seit 5000 Jahren.“, sagt James Turk, Gründer und Chef der Goldhandelsplattform Goldmoney. „Ich bin der Meinung, dass Gold im Vergleich zu den Papierwährungen nach wie vor unterbewertet ist.“
In den vergangenen zehn Jahren ist der Goldpreis fast unterbrochen gestiegen, im vergangenen Jahr erreichte er den höchsten Stand aller Zeiten bei rund 1900 Dollar je Feinunze. Seitdem ist der Preis allerdings wieder um 300 Dollar gefallen – eine Enttäuschung für viele Anleger, die sich Gold als Krisenwährung zugelegt hatten.
Die echten Goldfans bleiben dennoch gelassen. Sie interessiert weniger das tägliche Auf und Ab der Preise auf dem Weltmarkt, sondern sehen Gold als Versicherung. Die soll dann greifen, wenn alles andere zusammenbricht. Schließlich habe Gold auch in früheren Krisen seinen Wert beziehungsweise seine Kaufkraft erhalten. Wer so denkt, kauft Gold natürlich nur in Form von Münzen oder Barren, die er an einem sicheren Ort lagert. Denn wenn es ganz dicke kommt, dann lässt sich mit Goldmünzen sogar bezahlen oder Tauschhandel betreiben.