Geldanlage: Sechs Aktienfonds für schwache Börsentage
Frankfurt. Die Kurse an den Aktienbörsen haben zum Jahreswechsel und in den ersten Wochen 2024 eine fulminante Rally hingelegt, die Papiere bewegen sich auf oder in der Nähe neuer Höchststände. Der Deutsche Aktienindex (Dax) markierte am vergangenen Freitag mit rund 17.005 Punkten einen neuen Rekord, bröckelte danach aber ab. Jetzt stellt sich die Frage, was nach der Hausse kommt.
Schaut man sich beispielsweise die deutschen Aktien an, so zeigen historische Daten, dass heftige Kursbewegungen nicht immer die Regel waren. Es gab auch ausgedehnte Phasen mit relativ geringen Schwankungen – die Profis sprechen hier von Seitwärtsbewegungen.
Alexander Posthoff, Senior Portfolio Manager beim Vermögensmanager Bantleon, sagt: „In den 70er-Jahren hatten wir eine breite, lange Seitwärtsbewegung. Da hat man am Aktienmarkt nur dann Geld verdient, wenn man in einer Schwächephase zugekauft hatte.“
Beispielsweise sei der Index der „Börsen-Zeitung“ für deutsche Aktien von 1975 bis 1983 nur um rund 500 Punkte geschwankt. Der Dax startete erst am 1. Juli 1988. Manchmal, so die Analyse von Bantleon, gab es auch kürzere Seitwärtsphasen, die dann in einer Korrektur endeten.
So bewegten sich die Kurse im Jahr 2000 mehrere Monate seitwärts, bevor sie Anfang 2001 anfingen, deutlich nachzugeben. Hier machten sich gestiegene Zinsen und das Platzen der Dotcom-Blase bemerkbar. Und im zweiten Halbjahr 2007 gab es ebenfalls keine eindeutige Richtung, bevor es dann 2008 mit dem Platzen der US-Immobilienblase zum Einbruch kam.
Geldanlage: Aktiv gemanagte Fonds rücken in den Fokus
Damit rücken auch aktiv gemanagte Fonds in den Blickpunkt und nicht mehr nur börsengehandelte Indexfonds (ETFs), welche die Wertentwicklung eines Index, beispielsweise des Dax, abbilden. Bei aktiv gemanagten Fonds handelt es sich um Investmentprodukte, bei denen das Fondsmanagement die Titelauswahl trifft und diese regelmäßig überprüft.
„Bei einer Seitwärtsbewegung des breiten Markts kommt es letztlich darauf an, wie die Anlagestrategie aufgebaut ist und wie sie sich zum Markt verhält. So haben sich insbesondere aktive Fonds, die auf Wachstumstitel gesetzt haben, auf Sicht mehrerer Jahre besser entwickelt als der Markt“, sagt László Harsányi, Fondsanalyst bei Scope Fund Analysis. Eine längere Seitwärtsbewegung werde von einem ETF nachvollzogen, während ein aktiver Fonds dagegen zumindest die Chance biete, sich in einer solchen Marktverfassung besser zu entwickeln.
Die Fondsexperten von Scope geben keine Anlage- oder Kaufempfehlungen. Ein Blick auf die Bewertungen und die Performance der Fonds hilft aber dabei, eine Auswahl zu treffen, etwa mit dem „UBS (D) Aktienfonds – Special I Deutschland“ (DE0008488206). Dessen größte Aktienpositionen sind laut Comdirect der Softwarekonzern SAP, die Deutsche Telekom und der Versicherungskonzern Allianz.
Der Fonds mit dem Titel „Deka Nachhaltigkeit Aktien Deutschland“ (LU2339811767) berücksichtigt soziale und ökologische Kriterien und zählt neben SAP und Allianz die Siemens-Aktie zu den größten Positionen. Positiv schneiden auch für europäische Aktien der „Comgest Growth PLC“ (IE0004766675) und der „Janus Henderson Investors Europe SA“ (LU0201075453) ab, mit größeren Engagements bei Novo Nordisk (Pharma), ASML (Halbleiter), UPM Kymmene (Holz/Papier) sowie Shell.
Wer weltweit investiert sein will, kann beispielsweise auf den „Uni Global“ setzen (DE0008491051), der seinen Schwerpunkt auf US-Aktien legt, etwa auf Microsoft, Apple, Amazon und Nvidia. Der „MSIF Global Opportunity Fund“ (LU0552385295) ist weniger US-lastig und ist unter anderem in die südamerikanische E-Commerce-Plattform Mercado Libre investiert.
Auswahl der Fonds entscheidet über Erfolg der Anlagen
Ein guter Fonds könne zum Beispiel auch darauf ausgelegt sein, in Abwärtsmärkten Verluste zu begrenzen, sagt Scope-Experte Florian Koch. Man müsse außerdem beachten, dass ein aktiver Fonds mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ETF nicht über jeden beliebigen Zeitraum schlagen könne. „Mittel- bis langfristig sollte sich der aktive Ansatz des Fondsmanagers aber in einer Outperformance widerspiegeln“, sagt er.
Anders als bei ETFs müssen die Anleger genau auf die Leistung der Fondsmanager in der Vergangenheit schauen, denn der Großteil der Fonds schlägt die Benchmarks nicht. Im vergangenen Jahr ist es laut Scope nur knapp einem Viertel der untersuchten aktiv gemanagten Fonds gelungen, ihre Vergleichsindizes zu übertreffen. Analysiert wurden die Ergebnisse von fast 2000 Fonds.
Rückschlaggefahr bei Aktien
Noch scheint die Börse weiter in Richtung einer größeren Konzentration auf wenige Kurstreiber zu laufen. Aber je länger dieser Trend anhält, desto größer wird das Risiko eines Kurseinbruchs bei den Top Ten, der den gesamten Markt unter Druck setzen könnte, lautet die Analyse der Großbank JP Morgan. Danach können Zeiten ohne eindeutigen Trend anbrechen.
„Aktien bringen bei Seitwärtsbewegungen kaum einen Kursgewinn, Anleger müssen sich mit Dividendenzahlungen trösten“, meint Posthoff von Bantleon. Die Stimmung an den Aktienmärkten sei derzeit zwar sehr positiv. Bei genauerem Hinsehen falle aber auf, dass die Kursgewinne auf wenige Tech-Titel, unter anderem mit Bezug zum Thema Künstliche Intelligenz, entfielen. Es fehle die Marktbreite. ETFs würden bei einer Seitwärtsbewegung bei den Aktien besonders leiden beziehungsweise nur eine mäßige Performance zeigen.
„Aktives Management ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Posthoff. Man könne dabei in Höchststände hineinverkaufen, aber auch nach einem Rückschlag kaufen.
Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege der UBS Deutschland: „Aktive Lösungen machen in diesem Jahr viel Sinn“, sagt er. Im Fokus stünden vielmehr Qualitätstitel mit stetigen Dividendenzahlungen und niedriger Verschuldung oder kleinere Werte an den US-Börsen, sogenannte Small Caps.
Erstpublikation: 04.02.2024, 16:36 Uhr.