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Leveraged FinanceCash für Fusionen und Übernahmen ist wieder verfügbar

Gut zwei Jahre lang ging so gut wie nichts auf dem Markt für Hochzinskredite. Jetzt hat sich die Stimmung gedreht. Auch große Deals sind wieder finanzierbar.Arno Schütze 07.03.2024 - 13:03 Uhr
Einen Kauf der Logistikfirma Schenker würden Finanzinvestoren großteils mit Hochzins-Fremdkapital finanzieren. Das ist wieder verfügbar. Foto: Deutsche Bahn AG

Frankfurt. Angesichts der Unklarheit über die künftige Zinsentwicklung hielten sich Banken bei der Vergabe von Hochzinsfremdkapital in den vergangenen zwei Jahren stark zurück. Firmenkäufe durch Finanzinvestoren brachen infolgedessen ein: Das Leveraged-Finance-Volumen sank 2023 in Deutschland auf 4,8 Milliarden Euro, wie Datenanbieter Dealogic vorrechnet. 2021 hatte es noch 23,6 Milliarden Euro betragen. Doch nun scheint sich der Markt zu drehen.

Als Leveraged Finance wird Hochzinsfremdkapital bezeichnet, das Finanzinvestoren gerne für Firmenkäufe einsetzen. Die Hebelwirkung (Leverage) versuchen Finanzinvestoren durch den hohen Einsatz von geliehenem Geld und den geringen Einsatz von Eigenkapital zu erreichen.

„Mit großem Getöse zurück“

„Jetzt ist der Leveraged-Finance-Markt mit großem Getöse zurück“, sagt Ales Mydlar, Leiter Sponsor Leveraged Finance im deutschsprachigen Raum für JP Morgan. „Der Januar 2024 war der aktivste Emissionsmonat seit Covid und der zweitaktivste in der Marktgeschichte.“

Der Kauf des Gebäudereinigungsdienstleisters Gegenbauer war 2023 eine der Ausnahmen. Dafür besorgte sich der in Private-Equity-Besitz befindliche Wettbewerber Apleona 210 Millionen Euro an Hochzinskrediten.

Gab es in den vergangenen zwei Jahren nur für kleinere Akquisitionen Fremdkapital – wie etwa für Gegenbauer –, ist das jetzt wieder in großen Mengen verfügbar. „Auch für Deals über zehn Milliarden“, so Mydlar.

In Erwartung sinkender Zinsen fließt derzeit viel Geld in den Markt – von Anlegern, die noch von höheren Kupons profitieren wollen, bevor die Zinsen fallen. Das hat dazu geführt, dass die Spreads (Risikoprämien) deutlich gesunken sind. Derzeit befindet sich der Markt bei 412 Basispunkten und damit in der Nähe seines 52-Wochen-Tiefs, nachdem die Höchststände bei über 600 Basispunkten lagen.

Der Zinssatz, den ein Kreditnehmer bezahlen muss, setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem an den Leitzinsen hängenden Basiszinssatz, etwa dem Euribor, und dem Risikoaufschlag, der sich aus der Bonität des Kreditnehmers ergibt.

Starke US-Wirtschaft, sinkende Zinsen treiben

„Die Wirtschaft entwickelt sich besser als erwartet, vor allem in den USA, die Inflation ist runtergekommen, die Notenbanken werden die Zinsen schrittweise senken, die Aktienmärkte bewegen sich nahe Rekordhochs“, sagt Jens Hofmann, Leiter der Financing Group von Goldman Sachs im deutschsprachigen Raum. „In diesem sehr guten Marktumfeld hat die Emissionstätigkeit an den Finanzierungsmärkten deutlich zugenommen.“

Für Anleger schnüren Vermögensverwalter Pakete. „Es wurden viele Verbriefungen – sogenannte CLOs – aufgelegt, mit denen Anleger in Hochzinskredite mehrerer Unternehmen investieren können“, erklärt Jonas Jepp, der das Leveraged Finance der Deutschen Bank im deutschsprachigen Raum leitet. Er erwartet, dass die Spreads in den kommenden Monaten in etwa auf dem derzeitigen Niveau bleiben werden.

Viele Firmen wollten das derzeitig gute Marktumfeld nutzen – vor Ereignissen wie etwa den US-Wahlen, die Volatilität an den Märkten und damit schwierigere Finanzierungsbedingungen mit sich bringen könnten, sagt auch Christian Tschirdewahn aus dem Leveraged-Finance-Team bei Goldman Sachs.

Die meisten Deals, etwa 90 Prozent, waren in diesem Jahr Ablösungen oder Anpassungen (Repricings) bestehender Finanzierungen – ähnlich wie 2023. Da standen Refinanzierungen etwa bei dem Heizungsableser Techem (1,8 Milliarden), der Miettoilettenfirma Toi Toi (510 Millionen) und bei der Deutschen Fachpflege (440 Millionen) im Fokus.

Im Januar 2024 gelang es dem Fachverlag Springer Nature, 2,5 Milliarden Euro an Hochzinskrediten mit normalen Unternehmenskrediten abzulösen. Alle vier Firmen sind in Besitz von Finanzinvestoren, die sich niedrigere Zinsmargen sichern konnten.

Rund 240 Milliarden Euro an Hochzinsfremdkapital, das von europäischen Firmen aufgenommen wurde, muss nach Beobachtung von Bankern in den nächsten beiden Jahren refinanziert werden, das ist ein Drittel des Gesamtmarkts. Viele Themen also für Anleger. Die hoffen aber auch, dass neue große M&A-Deals den Markt treiben werden.

Die Deutsche Bahn hat vor Kurzem einen Verkaufsprozess für ihren Logistiker Schenker gestartet, der mit bis zu 15 Milliarden Euro bewertet werden könnte. Der ebenfalls bis zu 15 Milliarden Euro schwere Generikahersteller Stada und der Heizungsableser Techem, der bei einem Deal mit sechs Milliarden Euro bewertet werden könnte, sind ebenfalls Kandidaten für einen Weiterverkauf an die nächste Gruppe von Finanzinvestoren.

Energie

Heizungsableser Techem vor Verkauf an nächsten Investor

„Es beginnen zwar viele Dialoge, aber die Preiserwartungen von Käufern und Verkäufern liegen weiterhin häufig ein gutes Stück auseinander“, sagt Jepp. Wie schnell diese Deals zum Abschluss kommen werden, ist also noch unklar. 

Private Kreditfonds als Alternative

Ein gewisser Teil des Fremdkapitalangebots wird auch künftig nicht von Banken, sondern von privaten Kreditfonds kommen. Deren Anteil bei Finanzierungen war zuletzt stark angestiegen, vor allem bei mittelgroßen Deals. „Das ist zwar meist etwas teurer (oft im Bereich von 150 bis 200 Basispunkten), allerdings sind die Kreditbedingungen (covenants) überwiegend weniger streng, und es gibt mehr Spielraum, zusätzliches Fremdkapital aufzunehmen etwa für ergänzende Übernahmen“, sagt Freshfields-Partner Mario Hüther. 

Ganz große, rein mithilfe von privaten Kreditfonds finanzierte Deals gab es zuletzt wenige. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Ende 2023 wurde der 14 Milliarden Euro schwere Verkauf der norwegischen Online-Kleinanzeigenportal-Gruppe Adevinta finanziert mithilfe eines 4,5 Milliarden schweren Kredits eines Konsortiums von Kreditfonds.  

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