Energie: Heizungsableser Techem vor Verkauf an nächsten Investor
Frankfurt. Der zum Verkauf stehende Heizungs- und Wasserableser Techem hat das Interesse mehrerer Private-Equity-Firmen auf sich gezogen. Aus diesem Interessentenkreis haben es die Investoren KKR und Antin in die zweite Runde des vom Eigentümerkonsortium angestoßenen Auktionsprozesses geschafft, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.
Auch Investor GIC, der sich nur für eine Minderheit interessiert, sei weiter dabei. Die Bieter lehnten Stellungnahmen ebenso ab wie die Eigentümer, der Schweizer Finanzinvestor Partners Group und die kanadischen Pensionsfonds CDPQ und OTPP.
Finale Gebote für Techem sind Finanzkreisen zufolge Ende Februar, Anfang März fällig. Ob ein Deal zustande kommt, ist noch unklar. Die Techem-Bieter hätten bis zu sechs Milliarden Euro geboten, während die Verkäufer eigentlich auf eine Bewertung von bis zu acht Milliarden hoffen, hieß es.
Alternativ erwägt Partners weiterhin einen erneuten Börsengang für Techem, der nach Ostern stattfinden könnte, so die Kapitalmärkte dann in einer guten Verfassung sind. Zuletzt hatten sich Börsenpläne anderer Firmen aber angesichts des mauen Marktumfelds zerschlagen, Panzergetriebehersteller Renk hatte seinen IPO in letzter Minute abgesagt. Investmentbanker erwarten erst für das zweite Halbjahr eine deutliche Belebung des IPO-Markts.
Großes Interesse der Finanzinvestoren
Den Verkaufsprozess organisieren die Investmentbanken Goldman Sachs, JP Morgan und UBS, parallel treffen sie Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang. Sie stellen auch Finanzierungspakete zusammen für einen möglichen Käufer, die sich auf das bis zu 6,5-Fache des Techem-Ebitda belaufen.
Das 1952 gegründete Unternehmen beschäftigt 4300 Mitarbeiter und ist in mehr als 20 Ländern aktiv mit Messgeräten in 13 Millionen Wohnungen. Der Umsatz ist Finanzkreisen zufolge in den Monaten Januar bis Dezember 2023 auf rund eine Milliarde Euro gestiegen, das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) erreichte 520 Millionen Euro.
Techem hat sich auf das Ablesen und Abrechnen von Wärme- und Wasserverbräuchen spezialisiert. Mit dem Bauboom der vergangenen Jahre stieg das Geschäft stetig, zuletzt stockte die Bautätigkeit in Deutschland allerdings, weshalb die Wachstumsaussichten etwas eingetrübt sind.
Großes Thema ist jedoch die Umstellung von Drehscheibenzählern auf digitale Messgeräte, die aus der Ferne auslesbar sind. Von 56 Millionen installierten Messgeräten – inklusive Rauchmeldern – sind die meisten mittlerweile digital. Techem sieht die sogenannten Smart Meter als wesentlichen Baustein der Energiewende. Nutzer können damit ihren Energieverbrauch genau nachvollziehen und ihr Verhalten anpassen oder aufgrund der gewonnenen Einsichten ihr Gebäude energetisch sanieren.
Insgesamt erfreut sich die Branche der Heizungsableser wegen ihres stabilen Geschäfts einer großen Beliebtheit bei Finanzinvestoren. Die Partners Group und ihre Co-Investoren hatte Techem 2018 zu einer Bewertung von 4,6 Milliarden Euro vom australischen Infrastrukturinvestor Macquarie erworben, der den damaligen MDax-Konzern 2007 von der Börse genommen hatte.
Konkurrent Ista ist ebenfalls im Besitz eines Infrastrukturinvestors: 2017 kaufte der asiatische Milliardär Li Ka-shing über seine Holding CK Infrastructure die Essener Firma. Zuvor hatte die Essener Firma 14 Jahre lang dem Finanzinvestor CVC gehört. In Großbritannien hatte im Dezember KKR eine Übernahme des dortigen Wettbewerbers Smart Metering Systems (SMS) angekündigt.
Techem will mit Submetering wachsen
Bei der Bewertung einer Firma hatten die Banken Investoren empfohlen, sich einerseits an vollzogenen Deals im Sektor zu orientieren. So war der Energiedienstleister Getec 2021 für das Zwanzigfache seines Betriebsgewinns verkauft worden. Zum anderen sollten Börsenbewertungen von Wettbewerbern verglichen werden, etwa von Smart Metering Systems, der schweizerischen Belimo und der US-Firma Badger Meter, die zum 21- bis 31-Fachen ihres Umsatzes gehandelt werden. Allerdings ist, gemessen an der Profitabilität, der Abstand noch groß zu den Einschätzungen der Investoren, was Techem wert ist.
Wachsen will Techem vor allem im sogenannten Submetering und dabei auch den kompletten Abrechnungsdienst für die Kunden übernehmen. Beim Submetering wird der Energieverbrauch pro Wohneinheit genau erfasst und automatisiert übertragen. Das Unternehmen bietet sich aber auch als Energiemanager und Dienstleister für Energieeinsparungen für die Immobilienbranche an.
Techems Kunden sind Wohnungsbaugesellschaften, Hausverwaltungen und Eigentümer in Mehrfamilienhäusern, die ihren Mietern regelmäßig eine Nebenkostenabrechnung vorlegen müssen. Denn die deutsche Heizkostenverordnung sieht eine verbrauchsorientierte Abrechnung von Heizkosten vor und kein pauschales Umlagesystem.
Verbände beklagen Messpraxis zulasten der Mieter
So müssen laut Gesetzesbeschluss alle Zähler für die verbrauchsabhängige Messung der Heiz- und Warmwasserkosten sowie Erfassungsgeräte wie Heizkostenverteiler bis Ende 2026 aus der Ferne per Funk ablesbar sein. Das erlaubt den Ablesefirmen, ihr Geschäft künftig weitgehend digital zu betreiben – was die klassischen Heizungsableser, die früher jede Wohnung besuchen mussten, überflüssig macht.
Techem und Konkurrent Ista besetzen nach früheren Angaben mehr als 50 Prozent des deutschen Marktes. Die hohen Renditen riefen 2015 sogar das Bundeskartellamt auf den Plan, das die Branche zwei Jahre genau untersuchte. Ein wettbewerbswidriges Verhalten konnte die Behörde der von den Marktführern Ista und Techem dominierten Branche jedoch nicht nachweisen. Man behalte sich aber vor, marktabschottende Verhaltensweisen der Anbieter genauer zu prüfen.
Die Mieterverbände kritisieren zudem seit Jahren, dass auf dem Submetering-Markt praktisch Verträge zulasten Dritter abgeschlossen werden: Der Vermieter bestellt den Messdienstleister, zahlen allerdings muss der Mieter später per Umlage. Weil das Heizungsablesen für den Vermieter insofern ein Posten ist, den er direkt an den Mieter weiterreichen kann, gibt es für ihn entsprechend wenig Anreize, Preise zu senken oder nach günstigeren Anbietern Ausschau zu halten.