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BeraterNächster Finanzinvestor drängt in Steuerberatung und Prüfung

Private-Equity-Firmen investieren in Steuerberater. Jetzt will auch die Beteiligungsgesellschaft Greenpeak eine landesweite Gruppe von Kanzleien aufbauen – gemeinsam mit zwei Beratungen.Bert Fröndhoff 03.12.2025 - 04:18 Uhr Artikel anhören
Paragrafen und Geld: Steuerkanzleien erwirtschaften solide Cashflows. Foto: IMAGO,dpa (M)

Düsseldorf. Finanzinvestoren verstärken ihren Vorstoß in den Markt für Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung in Deutschland. Mehrere große Anbieter haben bereits Plattformen geschaffen und kaufen gezielt Kanzleien. Nun plant der nächste Dienstleister den Aufbau einer landesweiten Gruppe mithilfe von Private-Equity-Kapital.

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Greenpeak hat dazu gemeinsam mit zwei Partnern eine Plattform namens Atania geschaffen, teilten die beteiligten Unternehmen am Mittwoch mit und bestätigten damit einen Vorabbericht des Handelsblatts.

Mit an Bord sind als Gründungsgesellschafter die Prüfungs- und Beratungsfirma AC Christes aus Hamburg und die Consultingfirma The Makery, die der frühere KPMG-Partner Franz Prinz zu Hohenlohe gerade gestartet hat.

Die Gründung erfolgt wie bei vergleichbaren bisherigen Deals über eine EU-Auslandsgesellschaft – ein umstrittener Weg, der bereits die Politik auf den Plan ruft.

Hintergrund ist das in Deutschland geltende Fremdbesitzverbot für Steuerberatungskanzleien. Danach müssen die Eigentümer Berufsträger sein, also zugelassene Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Finanzinvestoren können aber einen Umweg über das Europarecht wählen: Sie gründen eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Luxemburg, die sich dann an deutschen Kanzleien beteiligen darf.

Beteiligung mit Umweg über Luxemburg

So plant es auch Atania. „Sämtliche berufsrechtlichen Vorgaben sowohl in Luxemburg als auch in Deutschland werden vollumfänglich eingehalten“, teilte die Firma auf Anfrage mit. Die Plattform will sich in unterschiedlicher Höhe an Steuerberatungsfirmen beteiligen.

Im Gegenzug sollen die Kanzleien von zentral aufgebauten Funktionen für Reporting (Berichtswesen), Personal sowie von gruppenweiten Investitionen in die Digital-Infrastruktur und die Mitarbeitergewinnung profitieren.

Mit ähnlichen Modellen sind bereits mehrere andere Finanzinvestoren in dem Markt unterwegs. Anfang des Jahres startete die Afileon-Gruppe, hinter der die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Partners Group steckt. Ihr gehören mittlerweile 30 Kanzleien an 60 Standorten an. Die Münchener Steuerberatung WTS will mithilfe des Finanzinvestors EQT europaweit expandieren.

Beteiligungsgesellschaften finden im Markt der Prüfer und Steuerberater gute Bedingungen für ihr Geschäftsmodell vor: Die Branche ist stark zersplittert und eignet sich für den Aufbau größerer Verbünde. Zudem liefert das Geschäft einen vergleichsweise robusten Cashflow, was für die Finanzinvestoren attraktiv ist.

„Der Markt ist stark fragmentiert, Nachfolgen sind oft ungelöst, und Investitionen in Technologie und Datenqualität lassen sich für einzelne, häufig inhabergeführte Kanzleien nur schwer stemmen“, heißt es bei Atania. Wie viele Kanzleien die neue Plattform aufnehmen will, teilten die Gesellschafter nicht mit. Die Angebote von Prüfung bis Beratung sollen auf Mandanten aus dem Mittelstand zugeschnitten sein.

Steuerberater klagen über fehlende Fachkräfte und Nachfolger

Branchenexperten bestätigen die genannten Trends: „Die Steuerberatung droht zwischen Automatisierung, Fachkräftemangel und wachsendem Erwartungsdruck aufgerieben zu werden“, heißt es in einer aktuellen Analyse der Marktforschung Lünendonk & Hossenfelder. Treiber seien der technologische Umbruch durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz und der „demografische Aderlass infolge überalterter Berufsstrukturen“.

Den Angaben zufolge ist mehr als die Hälfte der Steuerberaterinnen und Steuerberater in Deutschland über 50 Jahre alt, während der Nachwuchsanteil unter 30 Jahren kaum drei Prozent erreicht. Der Nachfolgemangel führt zu einer wachsenden Verkaufsbereitschaft unter den deutschen Kanzleien.

Das wachsende Interesse von Finanzinvestoren an der Branche stößt aber auch auf Gegenwehr. So sehen sowohl die Steuerberaterkammer als auch der Steuerberaterverband die Übernahmen in dem Sektor kritisch. Sie fürchten um die Unabhängigkeit der Kanzleien, wenn diese im Besitz renditeorientierter Investoren sind.

Gesetzesvorhaben

Ministerien streiten über Private Equity bei Steuerberatern – Branche in Aufruhr

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Diese Motive stecken auch hinter dem Gesetzesvorstoß, mit dem das Bundesfinanzministerium das Engagement von Private Equity bei den Steuerberatern bremsen oder stoppen will. Es geht dabei um die Verschärfung des deutschen Fremdbesitzverbots für Kanzleien. Unter Kanzleien und Beteiligungsgesellschaften wird dieser Vorstoß lebhaft diskutiert.

Ein Verbot durch eine schärfere Regulierung müssen Finanzinvestoren und verkaufswillige Kanzleien aber auf absehbare Zeit nicht befürchten. Bundeswirtschaftsministerium und Finanzministerium seien sich in der Bewertung weiter uneins, heißt es in Regierungskreisen. Eine interne Abstimmung sei bisher nicht zustande gekommen. Ende November wurde das Thema daher bereits zum zweiten Mal von der Agenda des Bundeskabinetts gestrichen.

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