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Hall of FameFamilienunternehmen senden Signale des Optimismus

Unternehmertum bedeutet, die Zukunft zu gestalten und Zuversicht zu verbreiten. Das war der Tenor bei der Hall of Fame der Familienunternehmen – und verbindet die neuen Mitglieder.Anja Müller, Maike Telgheder, Thomas Jahn 15.01.2026 - 15:04 Uhr Artikel anhören
Preisträger und Jury der Hall of Fame der Familienunternehmen 2026: Appell zum Dialog. Foto: argum für Handelsblatt

München. Die Chefs und Chefinnen dreier Familienunternehmer sind in dieser Woche neu in die Hall of Fame der Familienunternehmen eingezogen: Hans-Julius, Johanna und Iver Ahlmann vom Entwässerungs-Spezialisten ACO, Christa und Marco Fuchs vom Satellitenhersteller OHB sowie Friedhelm Loh von der gleichnamigen Firmengruppe. Sie alle sind Pioniere der Wirtschaft – und stehen gerade vor den gleichen Herausforderungen.

Unternehmer kämpften derzeit an zwei Fronten, sagte Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes bei der Eröffnung der feierlichen Aufnahme in München. Die eine Front sei offensichtlich: „Die Welt wird unglaublich kompliziert. Sicher geglaubte Märkte verschwinden, alte Verbündete werden zu Konkurrenten, die transatlantische Partnerschaft wackelt, der Klimawandel schreitet voran.“ Die andere Front bestehe aus Unternehmersicht aber auch im Inneren Deutschlands. Viele kleine und auch größere Hürden machten unternehmerisches Handeln immer komplizierter.

Matthes verwies darauf, dass Dax-Rekorde von 25.000 Punkten nicht die Lage der Wirtschaft widerspiegelten, wenn gleichzeitig die Zahl der Insolvenzen erheblich gestiegen ist. Sein Appell an die Bundesregierung: Sprecht mit echten Unternehmern, die in Deutschland Unternehmen aufbauen und wachsen lassen wollen.

Moderatorin Kay-Sölve Richter mit Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes: „Viele größere und kleinere Hürden.“ Foto: argum für Handelsblatt

Genau solche Unternehmen zeichnet das Handelsblatt seit 2009 gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und der Stiftung Familienunternehmen mit der Aufnahme in die Hall of Fame aus. Der Pioniergeist dieser Unternehmen kann ansteckend sein, als Vorbild dienen und Nachahmer finden.

Friedhelm Loh: „Ich liebe die Zukunft“

Arndt Kirchhoff, Aufsichtsratschef der gleichnamigen Firmengruppe und Mitglied der Jury für die Hall of Fame, hob in seiner Laudatio auf Friedhelm Loh dessen Engagement weit über das eigene Unternehmen hinaus hervor: In der Region, aber auch international in Verbänden wie dem ZVEI (Zentralverband der Elektro- und Digitalindustrie): „Friedhelm Loh steht für Zehntausende Mittelständler, die mit ihrem Handeln und ihrer Arbeit dazu beitragen, dass – um es salopp auszudrücken – in Deutschland der Laden läuft“.

Kay-Sölve Richter, Friedhelm Loh, Arndt Kirchhoff: Die Preisträger erhalten eine Schatulle aus der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Foto: Argum für Handelsblatt

Dabei sei das gar keine ausgemachte Sache gewesen, erzählt Loh im Gespräch mit Moderatorin Kay-Sölve Richter. Er sei nämlich nicht gut in der Schule gewesen und habe statt eines Abschlusses eine Lehre zum Starkstromelektriker gemacht – in einem Unternehmen, das früher einmal der ebenfalls ausgezeichneten Familie Ahlmann (ACO Gruppe) gehört hatte. Lohs Botschaft: „Aus schlechten Schülern kann also was werden.“ Die Friedhelm Loh Group setzte zuletzt 3,2 Milliarden Euro um. Lohs Motivation: „Ich liebe die Zukunft.“

OHB: „Science-Fiction aus Bremen“

Die Familie Fuchs baute OHB auf. Die Geschwister Romana Fuchs-Mayrhofer, Vorsitzende des Aufsichtsrats, und Marco Fuchs, Vorstandschef des Raumfahrtkonzerns, nahmen den Preis auch stellvertretend für ihre Mutter, Gründerin Christa Fuchs, entgegen. Marco Fuchs sagte in seiner Danksagung, dass es eine „sehr lehrreiche und durchaus Druck erzeugende Erfahrung“ sei, wenn man zwar noch immer für 65 Prozent der Anteile stehe, aber als Familienunternehmen seit 25 Jahren börsennotiert sei und einen Finanzinvestor an Bord habe.

Ladislava Klein, Romana Fuchs-Mayrhofer, Marco Fuchs: Laudatorin Klein übergibt die Ehrung an die Geschwister – auch für ihre Mutter Christa Fuchs. Foto: Argum für Handelsblatt

In ihrer Laudatio auf OHB hob Ladislava Klein, Bereichsvorständin für Familienunternehmen bei KPMG, die ungewöhnliche Firmengeschichte heraus. Christa Fuchs übernahm 1981 die kleine Werkstatt für hydraulische Wagenheber, um sie zusammen mit ihrem Mann Manfred Fuchs zu einem Raumfahrtkonzern zu entwickeln. „Science-Fiction aus Bremen“, sagte Klein. „Hier werden Träume zu Technologie, hier wird Zukunft gestaltet.“ OHB gelinge es immer wieder, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. „Denn OHB entwickelt Technologien für eine Umgebung, die uns allen zu großen Teilen noch unbekannt ist – und sorgt dafür, dass Technologie auch da oben funktioniert.“

ACO: „Wir teilen dieselben Werte und haben dieselben Ziele“

Ebenfalls in die Hall of Fame wurde die Unternehmerfamilie Ahlmann aus dem schleswig-holsteinischen Büdelsdorf aufgenommen. Hans-Julius, Ehefrau Johanna und Sohn Iver Ahlmann haben in den vergangenen Jahrzehnten aus einem nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Betonwerk einen globalen Marktführer für Entwässerungssysteme aufgebaut. Die ACO Gruppe erzielt heute mehr als eine Milliarde Umsatz, produziert an 43 Standorten weltweit und beschäftigt rund 5500 Mitarbeiter, davon 1800 in Deutschland.

Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, betonte in seiner Laudatio: „Starke Internationalisierung, neue Produkte, viele Zukäufe in aller Welt – das machte ACO groß.“ Dieser unternehmerische Erfolg sei vor allem das Resultat harter Arbeit und kluger Entscheidungen. „Davon gab es bei den Ahlmanns offenbar viele.“ Es brauche Bodenständigkeit und weltweite Agilität zugleich, Demut, aber auch Mut, sagte Heidbreder.

Hans-Julius, Johanna und Iver Ahlmann und Ihr Laudator Stefan Heidbreder (zweiter von rechts): Wertegemeinschaft als Erfolgsfaktor. Foto: Argum für Handelsblatt

Aber auch der Zusammenhalt in der Familie ist ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts. „Wir teilen dieselben Werte und haben dieselben Ziele“, sagte Johanna Ahlmann.

Deutschland werde um genau solche Unternehmen wie die Aco Gruppe in der Welt beneidet, sagte Heidbreder. „Was viele nicht wissen: Allein die 500 größten Familienunternehmen bieten doppelt so viele Arbeitsplätze wie die Dax-Unternehmen in Streubesitz.“

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Hans-Julius Ahlmann betonte – auch angesichts der aktuellen Diskussion um die Erbschaftsteuer –, dass er sich eine höhere Wertschätzung für Familienunternehmen in der Gesellschaft wünschen würde. Er sagte: „Achtung und Respekt für uns sind etwas unter die Räder gekommen.“

Etwas, womit die Familienunternehmer an beiden Fronten – innen wie außen – zu kämpfen haben.

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